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Typen Hans-Joachim Böker hält es fest
Mehr Typen Hans-Joachim Böker hält es fest
16:43 13.10.2016
Hans-Joachim Böker schaut heute auf sein Leben in Hannover und Eschede zurück. Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Achtundzwanzig Jahre lang war Hans-Joachim Böker Vorsitzender des Vereins für Haus- und Familienpflege in Eschede. Dazu kam er, weil die Angehörigen dieser Gemeinschaft nahezu alle Frauen waren, und zu einem richtigen Verein, so fanden sie, gehört ein Mann an die Spitze. Dem wollte sich Böker nicht verschließen, zumal der Verein nicht nur Gutes tat, sondern darüber hinaus eine Eigenart hatte, die selten anzutreffen ist: Die Mitgliedschaft war kostenfrei. Ohne Vereinsbeitrag wurde alles auf freiwilliger Basis geregelt und erledigt. Der Verein war Mitglied einer Arbeitsgemeinschaft, der ebenso die Samtgemeinde Eschede, Lachendorf und der Kirchenkreis Celle angehörten. 1995 hat sich der Verein für Haus- und Familienpflege aufgelöst, seine Aufgaben werden heute von der Sozial- und Diakoniestation Eschede-Lachendorf weitergeführt.

Seit 1947 – als er zwölf Jahre alt war – war Böker Mitglied des TuS Eschede. Er spielte in dem Verein Fußball und Tischtennis und schwamm. „Ich war ein guter Brustschwimmer“, sagt Böker im Rückblick. Das ist sicher wahr, denn immerhin war er zeitweilig in dieser Disziplin Vereinsmeister. 1951 wurde er Mitglied des Schützenvereins Eschede und ist heute eines der wenigen noch lebenden Wiederbegründer nach dem Kriege.

Dabei stand ihm gar nicht so sehr der Sinn nach Schießen, vielmehr war er musikalisch interessiert und aus diesem Grunde Mitglied des Vereins-Spielmannszuges. „Ich habe damals schöne Zeiten erlebt“, erinnert sich Böker, „ich war immer zu Späßen aufgelegt“. Das ist sicher verständlich, denn er urteilt über sich: „Ich habe Situationskomik“. 1956 wurde er außerdem noch Mitglied im Männergesangverein Eschede. Vorher schon war er Mitglied des Jugendrotkreuz Eschede. „Das war die einzige Institution in Eschede, die sich um junge Leute kümmerte“, nennt er im Nachhinein den Beweggrund, sich dort anzuschließen.

Heute lässt Hans-Joachim Böker es langsamer angehen, aber so ganz ohne Aktivitäten kann er nicht sein. Er hat sich dem Besuchsdienst der evangelischen Kirche angeschlossen und diesen Dienst 15 Jahre erfüllt. „Ich hatte schon immer einen Drang zu Menschen“, lautet die Begründung dafür.

Hans-Joachim Böker wohnt seit 1943 in Eschede. Der Grund dafür war kein erfreulicher. Geboren wurde er 1935 in Hannover. Seine Mutter stammte aus Eschede, wo auch noch ihre Eltern wohnten. Im Oktober 1943 war ein besonderer Geburtstag angesagt, seine Mutter wurde 50 Jahre alt. Mit ihren beiden Söhnen war sie nach Eschede gereist, um sich mit ihnen von den ständigen Luftangriffen auf Hannover zu erholen. Die Rückreise endete jedoch auf dem Bahnhof in Hannover-Misburg. Hannover hatte in der Nacht den bisher schwersten Angriff erlebt und der rote Himmel, den Hans-Joachim in der Nacht gesehen hatte, leuchtete 60 Kilometer weit. Der Vater kam den Kindern und seiner Frau weinend entgegen mit den Worten: „Unser Haus gibt es nicht mehr“.

Für die nächste Zeit bot es sich an, im Haus des Onkels in Eschede unterzukommen. Was als Übergangslösung gedacht war, währte schließlich bis zum heutigen Tag. Natürlich ist das Haus den sich wandelnden Verhältnissen angepasst worden, und das heißt, es hat mit der Entwicklung der Familie Schritt gehalten. Am 21. Dezember 1962 hat Hans-Joachim Böker nämlich seine Helga, geborene Fleischhauer, geheiratet. Aus der Ehe sind vier Kinder hervorgegangen und letztlich acht Enkel.

Hans-Joachim Böker ist in Eschede zur Dorfschule gegangen und hat dabei einen kleinen Schock erlebt. „Da waren auch Mädchen“, sagt er, als sei er jetzt noch überrascht. In Hannover waren die Jungs in der einen Schule und die Mädchen in einer anderen. Nach dem Besuch der Dorfschule Eschede wechselte er zur Mittelschule am Heiligen Kreuz in Celle. Einen Schulabschluss nach der 9. Klasse hat er nicht erhalten, er begann eine Lehre bei der Gemeinde Eschede. Die hat er jedoch abgebrochen und in Beedenbostel eine kaufmännische Lehre begonnen. „Da war ich Mädchen für alles“, sagt er rückblickend, „auch um die Kinder des Chefs musste ich mich kümmern“.

Offenbar hat ihm das aber gar nichts ausgemacht, denn die Lehre schloss er im Herbst 1956 ab mit einem Zeugnis der Industrie- und Handelskammer, das seine Leistungen ausführlich und sehr lobend bewertet. Nun war er also Einzelhandelskaufmann und suchte eine Arbeitsstelle. Eigenartigerweise fing er bei einem Architekten in einem großen Unternehmen in Celle an. Das währte jedoch nicht lange, er wechselte als Buchhalter zu Rheinmetall nach Unterlüß. In der Folgezeit sollte Hans-Joachim noch mehrfach seine Arbeitsstelle und den Dienstort wechseln, aber immer war er buchhalterisch tätig. Schließlich kam Böker zur Landesbausparkasse. Hier blieb er bis 1996, als er in den vorgezogenen Ruhestand ging.

Jetzt hatte er ausreichend Zeit, sich ganz seinem Hobby zu widmen, dem Schreiben. Allerdings hatte er damit schon wesentlich früher begonnen. Bei Gelegenheiten schrieb er Gedichte über Kollegen und hin und wieder auch mal über den jeweiligen Vorgesetzten oder Chef. Zudem verfasste er viele zeitgeschichtliche Artikel und schilderte darin vorwiegend eigene Erlebnisse aus jüngster Vergangenheit. Teile davon veröffentlichte er in Zeitungen oder im „Eschenblatt“, dem Mitteilungsblatt der Gemeinde Eschede. Dieses Schreiben hält bis jetzt an und hat einen guten Grund: „Ich schreibe meine Lebensgeschichte für meine Nachkommen und auch andere Menschen, die einfach zu jung sind und die Zeit in und vor allen Dingen die Epoche nach dem Krieg nicht miterlebt haben“, lautet die Begründung.

Das ist sicher verdienstvoll, deckt jedoch nicht das gesamte Feld seines Schreibens ab. Dazu gehören nämlich auch Gedichte, wobei sie von ihm auf Hoch- oder auch Plattdeutsch verfasst werden. In beiden Sprachen ist Hans-Joachim Böker nämlich zu Hause. Das Plattdeutsche kann auch seine Frau, und so gehen beide einmal im Monat zu den „Plattsnackers“ in Endeholz, um sich auf Platt zu unterhalten und unterhalten zu werden. Das ist nunmehr das gemeinsame Hobby. Auf die Frage, ob er noch Träume habe, antwortet Hans-Joachim Böker ganz ernsthaft: „Nein“. Seinen letzten Traum habe ihm seine jüngste Tochter erfüllt. Die schenkte ihm am 2. Juli dieses Jahres ein Enkelkind. Pauline heißt die junge Dame, die dem Opa große Freude bereitet.

Lebenslauf

5. Juli 1935 Hans-Joachim Böker in Hannover geboren

Herbst 1956 Abschluss der Lehre als Einzelhandelskaufmann

1956 Eintritt in Männergesangverein Germania Eschede

21. Dez. 1962 Hochzeit mit Helga geb. Fleischhauer

1996 vorgezogener Ruhestand

ab 2009 Schreiben der Lebensgeschichte

Von Udo Genth