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Typen Heiko Wundram ist Experte für digitale Datenwelt
Mehr Typen Heiko Wundram ist Experte für digitale Datenwelt
16:33 19.09.2017
Von Gunther Meinrenken
Der Grünen-Bundestagskandidat Heiko Wundram an einem seiner Lieblingsorte in Celle: dem Französischen Garten. Quelle: Oliver Knoblich
Celle

Wundram tritt bei der Bundestagswahl am 24. September als Direktkandidat der Celler Grünen an. Der 35-Jährige ist Experte für die digitale Datenwelt. Das überrascht nicht. Denn seine erste politische Heimat hatte Wundram bei den "Piraten" in Hannover gefunden. Eine Gruppierung, die sich vornehmlich um Themen wie Digitalisierung, Vorratsdatenspeicherung und Internetüberwachung gekümmert hat.

Wundram hat sich schon früh politisch engagiert, war aktiv in der Schülervertretung des Hermann-Billung-Gymnasiums und auch in der Studentenvertretung der Universität Saarland in Saarbrücken, wo er Informatik studiert hat und "aktiv im Kampf gegen Studiengebühren und gegen Rechtsextremismus" war. Nach seinem Studium war der gebürtige Hannoveraner, der in Nienhagen, Celle, aber auch in Holland aufgewachsen ist, 2006 in die Residenzstadt zurückgekehrt.

"Irgendwann habe ich gemerkt, dass es mir nicht reicht, nur als Aktivist auf die Straße zu gehen", erzählt Wundram. Als die Grünen 2009 auch das Thema Digitalisierung für sich entdeckt haben, schloss er sich ihnen an. "Digitalisierung betrifft die gesamte Gesellschaft. Im Grunde genommen geht es darum, den eigenen Sozialraum zu erweitern. Daher sollten die Regeln unserer Gesellschaft auch in der digitalen Welt gelten. Die Meinungsfreiheit sollte auch im Internet Grenzen haben. Hass und Mobbing haben ganz konkrete Auswirkungen auf die Betroffenen", so Wundram.

Das Thema hat aber auch konkret lokale Bezüge. Der Breitbandausbau vor Ort ist eines von Wundrams Lieblingsthemen. Nachdem der Landkreis beschlossen hat, die Versorgung in der Fläche mit moderner Technik in die eigenen Hände zu nehmen, ist sich der Grünen-Kandidat sicher: "In 10 bis 15 Jahren wird die Stadt unterversorgt sein, weil Telekom und Vodafone ihren Glasfaserausbau vor den Häusern stoppen."

Eine Verbindung sieht Wundram auch zum ÖPNV. Ein Gebiet, auf dem er sich selbst gut auskennt. Ein Auto besitzt Wundram nicht, er fährt Rad, pendelt mit der Bahn zu seinem Arbeitsplatz bei einer kleinen Informatikfirma in Hannover. Seine Idee: die Einführung von Rufbussen. "Das Angebot ist gerade abends zu schlecht. Durch den Einsatz der Digitalisierung könnte man ein attraktives System ins Leben rufen, bei dem abends Fahrgäste eingeben, wann sie von A nach B wollen, dann wird für mehrere Anfragen eine Route konzipiert und der Rufbus fährt los. Das ist ein Beispiel, bei dem man den Mangel nicht nur verwaltet, sondern den ÖPNV aktiv gestaltet." Der Bund müsse mehr Mittel für solche Projekte zur Verfügung stellen. Außerdem tritt Wundram für die Reaktivierung der alten OHE-Strecke nach Soltau ein, um Bergen wieder mit der Bahn erreichen zu können.

Wundram hat bei den Grünen schnell wichtige Positionen bekleidet. Von Karriere zu sprechen, würde wohl zu weit gehen. Er war Sprecher des Stadtverbands, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Kreistag und auch Mitglied im niedersächsischen Parteirat. Auf der Landesliste steht er auf Platz 12, das dürfte nicht für den Einzug in den Bundestag reichen. "Da gebe ich mich keinen Illusionen hin. Die Kandidatur bietet aber die Chance, mit mir als Person Themen zu platzieren. Ich habe die Entscheidung getroffen, dass mir Politik Spaß macht. Wenn die Partei der Meinung ist, dass ich das gut kann, freut mich das."