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Typen Henning Otte aus Eversen setzt Akzente in der Bundespolitik
Mehr Typen Henning Otte aus Eversen setzt Akzente in der Bundespolitik
14:37 26.09.2017
Von Michael Ende
Ausgleich zur Parlamentsarbeit: Im heimischen Garten sorgt Henning Otte - hier zusammen mit seiner Mutter Herta und Tochter Amalia - für Ordnung, während im Hintergrund Benedikt, Konstantin und Theresa spielen. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Sein Büro unter den Linden in der Weltmetropole Berlin liegt in Sichtweite zum Brandenburger Tor. Sein 1553 erbautes Haus an der Dorfstraße in Eversen ist das Zentrum von Ottes Welt geblieben. Seit 14 Generationen wohnt die Familie hier. Das nennt man verwurzelt. Hier kann der vierfache Vater Anzug und Krawatte ausziehen und sich hemdsärmelig in Jeans an die Arbeit machen. Zum Beispiel auf der Pferdewiese, auf der die Vierbeiner seiner Frau Anna-Maria grasen. Otte ist einer vom Land, fährt Traktor, geht zur Jagd – aber reiten? Das ist nicht sein Ding. "Das überlasse ich meiner Frau. Die ist die Reiterin", sagt Otte und hält ein Pferd am Zaumzeug. Er lächelt: "Ich bin eher Pferdehalter."

"Moin Henning, was machen die Wölfe?", sagt ein Gast im Dorfkrug, als Otte eintritt. "Moin Günter, denen geht es gut", frotzelt der Politiker zurück. Im Bundestag macht er sich für eine Bestandsregulierung der grauen Räuber stark. Vor Ort, in der Kneipe, die sein Bruder Manfred und seine Schwägerin Sylvia betreiben und in der Otte aufgewachsen ist, ist das ein Dauer-Thema. "Es kann einfach nicht sein, dass sich der Wolf immer weiter unkontrolliert ausbreitet", sagt Otte und erntet Kopfnicken. In Wäldern seiner Heimat ist er Isegrim schon öfters begegnet: "Ein seltsames Gefühl." Der Wolf ist nicht nur ein Gefühl. Sein massiertes Auftreten, droht die Welt auf dem Lande aus den Angeln zu heben – ein örtliches Problem, das politisch auf Bundesebene angegangen werden muss. So ist Otte zur Politik gekommen.

Lokalpolitik im doppelten Sinne war der Schlüssel für Ottes Einstieg in die Politik: "Im elterlichen Gasthaus fanden Ortsratssitzungen statt. Da haben wir Kinder zugehört und mitbekommen, dass es eine ganze Menge Dinge gibt, die geregelt werden müssen und um die man sich kümmern muss. Und das auf allen politischen Ebenen." Otte engagierte sich – zunächst auf örtlicher, dann auf Kreis- und später auch auf Bundesebene. Heute ist Otte nicht nur Berger Ratsherr, Celles stellvertretender Landrat und Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes, sondern unter anderem auch Mitglied des Bundestags-Verteidigungsausschusses, stellvertretendes Mitglied im Auswärtigen Ausschuss und Sprecher des Gesprächskreises Jagd, Fischerei und Natur seiner Bundestagsfraktion und Mitgliederbeauftragter im CDU-Bundesvorstand.

Otte ist 1968 in Celle geboren und in Eversen aufgewachsen. Nach seinem Abitur am Christian-Gymnasium in Hermannsburg wurde er Reserveoffizier im Panzerbataillon 333 in Celle. Danach machte er bei der Sparkasse Celle eine Lehre zum Bankkaufmann. An der Universität Hamburg studierte Otte Jura und arbeitete nach dem erfolgreichen Abschluss als Prokurist in einem Stahlbauunternehmen. Früher spielte er Fußball beim TuS Eversen/Sülze, heute schnürt er die Schuhe für den FC Bundestag. Dort ist seine Position die selbe wie früher im Dorfclub: "Offensives Mittelfeld."

Ottes Arbeitstag in Berlin beginnt "nie nach 8.30 Uhr und endet nie vor 22 Uhr." Das schlaucht. Sein Smartphone ist Segen und Fluch zugleich. Er muss rund um die Uhr erreichbar sein. Wenn das Telefon summt, kann es um Dinge von nationaler Wichtigkeit gehen: "Als Sicherheitspolitiker hat man niemals Feierabend." Reisen gehört für international vernetzte Politiker wie Otte zum Job. Afghanistan, Mali, die Gewässer am Horn von Afrika – überall, wo deutsche Soldaten ihren Dienst tun, schaut auch Otte nach dem Rechten: "Durch Truppenbesuche erfährt man ungefiltert aus erster Hand, wie die Lage ist."

An wichtigen Entscheidungen war Otte schon oft beteiligt. Für die Spitzen seiner Fraktion ist der Mann, der laut Kanzleramtschef Peter Altmaier "Chef-Verteidigungs-Politiker" der CDU/CSU ist, ein gefragter Gesprächspartner. Ob er Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen duzt? Otte schüttelt den Kopf und lacht: "Wir sind doch keine Genossen."