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Typen Hilmar Vogts liebt Märsche
Mehr Typen Hilmar Vogts liebt Märsche
13:35 04.12.2018
Hilmar Vogts ist gerne und viel zu Fuß unterwegs. Quelle: David Borghoff
Winsen

Märsche von hundert Kilometern, die bei anderen die Füße zum Qualmen bringen, sind für Hilmar Vogts keine Seltenheit. „Ich finde solche langen Distanzen für einen Fußmarsch gar nicht so ungewöhnlich“, erzählt er. In den Jahren von 1995 bis 2011 hat er an 114 Märschen von 100 Kilometern oder mehr teilgenommen. Teilweise wurden sogar 200 Kilometer in 40 Stunden von ihm zurückgelegt. Mittlerweile liegt sein persönlicher Kilometerstand bei 46.516, womit er bereits einmal die Erde hätte umrunden können. Im nächsten Jahr steht seine 568. Wanderung auf dem Programm.

Begonnen hat für ihn alles im Jahr 1979. Zuvor war Vogts kein großer Wanderer oder Distanzsportler. „Mein Bruder war damals in Bonn bei der Polizei. Diese hatte eine Mannschaft, die an Wanderungen und Märschen teilgenommen hat. In dem Jahr wollten sie an einem Marsch in Nijmegen teilnehmen, und mein Bruder hat mich gefragt, ob ich mitmachen möchte. So bin ich dazu gekommen. Wir sind dann vier Tage lang jeweils 50 Kilometer gelaufen.“

Daraus hat sich eine Leidenschaft und auch eine Tradition entwickelt: Vogts hat an eben diesem Nijmegenmarsch mit rund 40.000 Teilnehmern pro Veranstaltung in diesem Jahr zum 30. Mal teilgenommen. „Eigentlich kam das nur, weil mein Bruder mich gefragt hat, ob ich mitkommen will. Bei der Bundeswehr hat man sich davor gedrückt und plötzlich macht man es freiwillig“, erzählt Vogts schmunzelnd. Die richtigen Langstreckenmärsche kamen erst später hinzu. Auch hier war aller Anfang schwer, wie Vogts berichtet. „Am Anfang hat man ja noch gar keine Ahnung, wie man richtig läuft“, erklärt er. „Da hat man dann schon ordentlich Blasen durch die ungewohnte Belastung und die falschen Schuhe. Da hatte ich dann auch erstmal genug und habe nach der zweiten Wanderung ein paar Jahre nicht an Märschen teilgenommen.“ Doch der Ehrgeiz hatte Vogts gepackt und 1984 ging er erneut an den Start. „Nach einem Jahr hat man die Blasen wieder vergessen und probiert es nochmal.“

Ein Freund gab ihm den Hinweis mit dem sogenannten IML-Pass. „Dort steht, welche Wanderungen und Märsche man absolvieren kann, um die entsprechende Auszeichnung der International Marching League zu bekommen.“ Der Nijmegenmarsch zählt ebenfalls zu den dort aufgeführten Märschen, und so war es für Vogts nur naheliegend, sich auch den anderen Herausforderungen der IML zu stellen. Mittlerweile hat er sich mehrere Auszeichnungen der IML erwandert, darunter den Titel des „European Walkers“ durch die erfolgreiche Teilnahme an mindestens acht europäischen Märschen. Da ihn diese auch in das außereuropäische Ausland führen, ist er durch die Teilnahme an acht Märschen im asiatisch-pazifischen Raum außerdem „Pan Pacific Walker“ und „Global Walker“, da er 75 Prozent der Märsche in Europa und im Pazifikraum absolviert hat. Tatsächlich hat Vogts an allen Märschen der acht IML-Gründungsmitgliederländer teilgenommen, wodurch er sich die Auszeichnung „International Master Walker“ erwandern konnte.

Durch seine Wanderungen hat Hilmar Vogts schon viel von der Welt gesehen. Die Märsche führen ihn an Orte in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark, aber auch nach Japan, Australien, Neuseeland und in den USA. „Ich habe vorher schon oft Rucksacktouren gemacht, daher bin ich schon viel rumgekommen, was sich durch die Märsche nochmal intensiviert hat.“ Mittlerweile nimmt er an etwa 16 Wanderungen pro Jahr teil. Dabei sind die Märsche durch exotischere Länder ein besonderes Highlight.

Bei Wind und Wetter wird das jeweilige Land durch die vorgegebenen Wanderrouten erkundet. „Diese Märsche finden auf Routen statt, wo ein normaler Tourist gar nicht hinkommt“, berichtet Vogts. „In Indonesien herrscht beispielsweise ein völlig anderes Klima, da ist man froh, wenn man die 20 Kilometer am Tag geschafft hat.“ Spannend sei es auch gewesen, während des Arlingtoner Marsches an den Washingtoner Sehenswürdigkeiten vorbeizukommen. Australien und Neuseeland seien ebenfalls etwas Besonderes gewesen. „Wenn man dann schon so weit fliegt, kann man sich auch noch etwas mehr Zeit nehmen und sich das Land anschauen, weswegen ich noch einige Tage in Tasmanien drangehängt habe.“

Selbst fernab der eigentlichen Marschveranstaltungen wandert Hilmar Vogts weiter. Vor der Teilnahme an einem Marsch in Indonesien hat er den Merapi-Vulkan auf der Insel Java erklommen, um von dort aus den Sonnenaufgang anzuschauen. „Da war ich schon kaputt“, gibt er zu. Überhaupt sei Müdigkeit ein häufiger Begleiter. Dabei ist es auch schon mal vorgekommen, dass Vogts beim Wandern eingenickt und gegen ein parkendes Auto gelaufen ist. „Als die Alarmanlage anging, war ich dann wieder wach“, erzählt er lachend. Auch verlaufen habe er sich schon. „Bei manchen Märschen ist der Weg nicht ausgeschildert, sodass man sich selbst orientieren muss. Bei den Kennedy-Märschen in Holland wird teilweise abends gestartet und über Nacht gewandert. Dort sind viele, die unheimlich schnell gehen, weswegen sich das Feld auseinanderzieht. Da waren wir dann auch schon mit Karte und Taschenlampe am Suchen.“ Bei geführten Wanderungen müsse man zusätzlich aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren.

Zum Nijmegen-Marsch fährt Vogts' Bruder Ulrich nach wie vor mit. Auch neue Kontakte werden schnell geknüpft. „Man trifft überall dieselben Leute und lernt sich schnell kennen.“ Marschiert wird immer im großen Teilnehmerfeld, ganz nach dem Motto „You never walk alone“. Ein spezielles Training absolviert Vogts für seine Märsche nicht. „Dadurch, dass man immer läuft, trainiert man bei einer Wanderung schon für die nächste.“ Aufgeben kommt für ihn nicht infrage. „Bisher habe ich jeden Marsch zu Ende gemacht, den ich angefangen habe. Man muss immer einen Schritt vor den anderen setzen.“

Lebenslauf

7. Mai 1956 

in Celle geboren

1972 bis 1975 

Ausbildung zum Maschinen-
schlosser, Firma ITAG, Celle

1976 bis 1980 

Bundeswehr

1980 bis 1984 

Maschinenbau-Studium an der Fachhochschule Lübeck

seit 1984  

Konstrukteur in verschiedenen Orten, unter anderem in Bjerringbro, Dänemark und Kulmbach, Bayern, jetzt in Hannover

Eckdaten Wanderungen

1979 erster 4-Tages-Marsch (4x50 km), Nijmegen, Niederlande

1993 Mehrtage-Marathon München (5x42 km)

1995 erster 100 km-Marsch, Bornem, Belgien

1996 International Master Walker in Castlebar, Irland –
Auszeichnung überreicht durch damalige Präsidentin
Mary Robinson

1996 European Walker in Verdal, Norwegen

1996 erster Kennedy-Marsch (80 km), Tilburg, Niederlande

1996 erster Euraudax-Marsch, Niederlande

1996 Leidensgedenkmarsch Plombieres-Houffalize (110km), Ardennen

1997 erster Euraudax-Adler (insgesamt 1950 km)

1998 erster Euraudax 200 km in 40 Stunden, Antwerpen, Belgien

1998 erster Heerweg-Wanderung (300 km in 7 Tagen)Schleswig-Viborg, Dänemark

1999 Paris–Tubize bei Brüssel (294 km in 4 Tagen)

2002 Kennedy Walker in Gold (15 Teilnahmen x 80 km)

2004 Long Distance Walker in Gold (15 Teilnahmen ≥ 100 km)

2007 100. Marsch ≥ 100 km

2011 7. Euraudax–Adler

2013 Besteigung des Merapi-Vulkans vor dem Jogja
International Heritage Walk, Empfang durch Prinzessin Gusti Kanjeng Ratu Pembayun nach der Wanderung

2013 25. 4-Tages-Marsch, Nijmegen, Niederlande

2017 Pan Pacific Walker in Arlington, USA

2017 Global Walker in Arlington, USA

2018 20. Heerweg-Wanderung (300 km in 7 Tagen), Schleswig-Viborg, Dänemark

Von Stefanie Franke

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