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Typen Jagd ist seine Passion
Mehr Typen Jagd ist seine Passion
17:23 23.02.2010
Der leidenschaftliche Jäger Hermann Weide mit einem besonderen Exemplar mit Auszeichnung. Quelle: Torsten Volkmer
Becklingen

Das alte Schulhaus in Becklingen stammt aus den Jahren um die Mitte des vorvorigen Jahrhunderts, ein genaues Baudatum ist nicht bekannt. Es wurde allerdings bald aufgegeben und die Schule in ein anderes Haus in unmittelbarer Nachbarschaft verlegt. Das ausgemusterte Schulhaus kaufte dann ein Bewohner Becklingens. „Das war mein Ur-Ur-Großvater“, sagt Hermann Weide. Er wohnt seit 1955 in diesem Haus, das in der regional-typischen Bauart heute noch ein beeindruckendes Gebäude darstellt.

Hermann Weide ist Landwirt. Nun schon seit rund 20 Jahren in Rente, hat er dennoch immer viel zu tun. „Ich habe nie Langeweile“, sagt er, denn nun hat er genügend Zeit für seine Leidenschaft – die Jagd. Er übt sie aus „seit meiner frühesten Kindheit“, wie er sich erinnert.

Ganze Wände voller

Jagdtrophäen

Dass die Jagd einen großen Teil seines Lebens ausmacht, ist in seinem Haus nicht zu übersehen. Ganze Wände sind voller Jagdtrophäen. Geweihe, Gehörne, Gewaffe von Schwarzwild – meist große und imposante Exemplare, aber hin und wieder sind auch einige Kuriositäten dazwischen. Wie viele Trophäen es sind, weiß Hermann Weide nicht, er hat sie nie gewählt. Schätzungen gehen über die einhundert, aber es sind wohl eher mehr. Allein 20 imponierende Geweihe von Rothirschen lenken den Blick der Besucher auf sich. Für einige bekam er sogar Auszeichnungen vom lokalen Hegering oder der Jagdzeitschrift „Der Jäger“.

Die Frage, warum er überhaupt auf Tiere schießt, begegnet Hermann Weide mit leichtem Unverständnis. Für ihn ist klar: „Wir müssen ja welche schießen“, wie er sagt. Schließlich gibt es heutzutage keinerlei natürliche Feinde des heimischen Reh-, Rot- und Schwarzwildes mehr, so dass die Jäger regulierend eingreifen müssen.

Jagd als Hege

des Wildbestandes

Das ist im Interesse der Pflege des gesunden Bestandes. In erster Linie werden nämlich schwache oder kranke Tiere herausgeschossen. Die erkennt er aus der Entfernung genau. „Da gibt es Auffälligkeiten im Äußeren“, erklärt Weide. Das Fell kann beispielsweise struppig sein oder die Tiere benehmen sich etwas anders als ihre gesunden Artgenossen. „Ein Jäger sieht das“.

In letzter Zeit wird viel über das sich nahezu explosionsartig vermehrende Schwarzwild gesprochen. „Da wird viel übertreiben“, glaubt Weide. Natürlich geht der Bestand durch den neuerdings auf weiten Flächen betriebenen Anbau von Mais in die Höhe. Wenn das Futterangebot besonders reichhaltig ist, steigt der Bestand der Wildschweine, benennt Hermann Weide Ursache und Wirkung. Allerdings reguliert die Natur die Stückzahlen auf lange Sicht gesehen wieder ein. Jetzt zum Beispiel herrscht strenger Winter, der das Nahrungsangebot deutlich verknappt. Das hat Auswirkungen auf die Wildschwein-Population, und die Zahl der Tiere wird zurückgehen, ist sich Weide sicher.

Hermann Weide jagt in dem rund 700 Hektar großen gemeinschaftlichen Jagdbezirk Becklingen. Sein Sohn Hermann geht mit. Das Ehepaar Helga und Hermann Weide hat zudem noch die Töchter Heidemarie, Gunhild, Bettina und Astrid, von denen zwei in Becklingen, die beiden anderen in der Umgebung wohnen. Ehrensache, dass Vater Hermann beim Bau der Häuser für seine Kinder mitgeholfen hat.

Die Jagdleidenschaft, zu der sich Hermann Weide rückhaltlos bekennt, ließ ihn nicht nur heimisches Wild ins Visier nehmen. So hat er vor langer Zeit eine Gams erlegt und einen Seehund. Während seines Urlaubs in Österreich im Jahr 1986 kam er am Großglockner zum Schuss auf eine Gams-Geiß. Bereits zwei Jahrzehnte früher hat er im Wattenmeer vor Cuxhaven einen Seehund erlegt. Das war 1962 und damals war das Schießen auf diese Tier noch erlaubt. Inzwischen haben die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein Anfang der 1970er Jahre die Seehundjagd verboten (Dänemark hat 1976 nachgezogen, während die Niederlande als Vorreiter schon 1962 die Seehunde vor ihrer Küste unter Schutz stellten).

Interessanterweise geht Ehefrau Helga gern mit auf die Jagd, aber „ich würde nie auf Tiere schießen“, sagt sie. Dessen ungeachtet plage sie das Jagdfieber „ganz fürchterlich“, wie sie lachend einräumt.

Aktiv auch im

Umweltschutz

Nicht nur das Schießen füllt den Tageslauf von Hermann Weide. „Eigentlich ist immer etwas zu tun“, gibt er an. Die Hege des Wildes bringt genug Arbeiten. Während der strengen Winter muss den Tieren Futter gebracht werde. Das tut Hermann Weide, oftmals gemeinsam mit seinem Sohn. Da wird Heu und Silage ausgebracht, ebenso Kartoffeln. Die Liebe zur Natur und den Tieren des Waldes geht bei Vater und Sohn Weide so weit, dass sie sich ebenfalls um Vögel kümmern und Vogelkästen aufhängen oder säubern.

Abends dann lese er gern Jagdliteratur, gibt Hermann Weide an. Jedoch sind seine Tage nicht nur mit Tätigkeiten rund um das Weidwerk angefüllt. Er bringt sich aktiv in die Umwelt ein, indem er Bäume pflanzt. Vorzugsweise im Becklinger Moor hat er an die 300 bis 400 Bäume in den Boden gesetzt – „mindestens“, sagt sein Sohn. Es sind vorzugsweise Eichen, zudem Birken und Vogelbeerbäume.

Holzhacken hält

ihn fit

Da im alten Schulhaus traditionsgemäß mit Holz geheizt wird, pflanzt Hermann Weide nicht nur Bäume, sondern macht zugleich Feuerholz, indem der Bäume absägt und dann die Stämme zerhackt. Während sein Sohn längst mit einem neuzeitlichen Holzspalter arbeitet, schwingt Hermann Weide sen. immer noch nach alter Väter Sitte die Axt und bringt damit das Holz auf ofengerechte Größe. „Das Hacken und anschließende Aufschichten der Scheite ist die reinste Medizin gegen das Altern“, sagt der 80-Jährige mit Nachdruck, „das hält fit“. Man sieht es ihm an.

Lebenslauf

✎1930 geboren in Frielingen

✎1949 Eintritt in die Freiwillige Feuerwehr Frielingen

✎1955 Umzug nach Becklingen

✎1955 Heirat mit Helga, geb. Krause

✎1956 Eintritt in den Schützenverein Becklingen

✎1960 Sohn Hermann wird geboren

✎1990 Beendigung des Erwerbslebens / Rente

✎2005 Ehrenmitglied des Schützenvereins (nach 25 Jahren Kämmerer- und 30 Jahren Schießleiter-Tätigkeit)

Von Udo Genth