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Typen Kleine Klassen großer Gewinn
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16:47 13.10.2016
Christiane Gebauer auf ihrer Verabschiedungsfeier, umringt von Schülern nach dem Spiel "Wer wird Pensionär?" Quelle: Anne Crönert
Adelheidsdorf

Nach dem Umzug gab es kaum eine Alternative zum Besuch des Hölty-Gymnasiums, denn es war damals in Celle das einzige Gymnasium für Mädchen und Jungen. Direkt nach dem Abitur studierte sie dann in Hannover und kehrte nach dem Lehrerexamen zügig ins Celler Land zurück: Nach Stationen als Junglehrerin in Eschede und der Blumlage war sie ab 1984 Lehrerin an der Grundschule Adelheidsdorf, und Letzteres immerhin 32 Jahre.

Während dieser Zeit gehörte der Leistungssport zu ihren großen Leidenschaften. Viele Jahre spielte sie beim VfL Westercelle Handball, ein Jahr sogar in der zweithöchsten deutschen Liga. Aber mit zwei Kindern und dem Beruf wurde es schwierig, zumal sie für jede Trainingseinheit einen Babysitter brauchte. Dann gab es auch noch einen Generationenkonflikt, denn nach Gebauers Eindruck wollten ihre jüngeren Mannschaftskollegen nicht einsehen, dass es in diesen Spielklassen eines größeren Engagements beim Training und den Spielen bedurfte. Mit 35 Jahren gab sie schließlich das Handballspielen auf und wandte sich mit ihren Töchtern dem Reiten zu.

In Adelheidsdorf scheint sie ihr Glück gefunden zu haben, denn über ihren Wohnort hört man von ihr nur Positives. Der Ort liege verkehrstechnisch günstig zwischen Celle und Hannover und wachse kontinuierlich, gerade seien von der Gemeinde neue Bauplätze ausgewiesen worden. Diese gute Entwicklung wirke sich auch hervorragend auf die Grundschule aus: Die werde bald in allen Jahrgangsstufen zweizügig sein, sagt sie erfreut. Anders als viele Grundschulen in anderen kleinen Orten ist sie deshalb kaum von einer Schließung bedroht. Vielleicht ist diese Grundschule auch deshalb ihre Herzensangelegenheit geblieben, weil sie seit Jahrzehnten in der Nachbarschaft wohnt.

So glatt, wie Gebauers Lebenslauf bisher verlaufen war, so holperig wurde es für sie nach zwölf Jahren an der Grundschule Adelheidsdorf: Als Rektor Udo Rehefeld in Pension ging, baten Kollegium und Eltern sie, die Nachfolge zu übernehmen. Das gefiel aber der Schulaufsicht nicht, denn die wollte jemanden „von außen“ zum Rektor machen. Das Verfahren zog sich hin, Lehrer und Eltern setzen sich stark für sie ein. „So viel Zuspruch hatte ich selten“, erinnert sie sich heute. Schließlich wurde sie „kommissarisch“ mit der Leitung beauftragt, aber es sollte noch weitere drei Jahre dauern, bis sie endlich zur Rektorin ernannt wurde.

Aber es zwickte auch an anderen Stellen. So musste sie sich jahrelang aus Platzmangel ein Büro mit der Schulsekretärin teilen. Erst später bekam sie ein eigenes Büro in einer Wohnung über der Schule.

Im Rückblick auf ihre Berufstätigkeit sieht sie besonders den Rückgang der Klassengrößen als großen Gewinn für alle an: Zu Beginn ihrer Lehrertätigkeit habe sie noch Klassen mit 36 Schülern unterrichten müssen. Das sei nicht immer leicht gewesen. Aber nun seien die Klassen nur noch etwa halb so groß.

Zusammen mit engagierten Eltern, Fachleuten und der Hilfe von Sponsoren sei es gelungen, im Jahr 2002 den Pausenhof „naturnah“ zu gestalten. Seit vier Jahren verfügt die Schule außerdem über eine „Kooperationsklasse“ mit der Comenius-Schule der Lebenshilfe Celle. Im Lesen, Schreiben und Rechnen, so Gebauers Erfahrung, würden die Schüler der Comenius-Schule schnell „an ihre Grenzen“ stoßen, aber beispielsweise in Sport, Kunst oder Musik sei die Kooperation gut: „Da befruchten sich beide Seiten!“

Besonders viel Spaß scheinen ihr die Klassenfahrten gemacht zu haben. Gerne erzählt sie Anekdoten von einer Klassenfahrt nach Langeoog: Da wurden bei einer Nachtwanderung „große“ Schüler einer anderen Gruppe gruselig als „Gespenster“ eingesetzt. Bei einer Fahrt in die Jugendherberge Uelzen wurde ein „Indianer-Workshop“ organisiert: „Da lernten die Kinder, Äpfel mit scharfen Feuersteinen zu schälen oder Pfeile herzustellen, die dann mit kindgerechten Bögen verschossen werden konnten!“

Insgesamt bildeten für Gebauer die Grundschule wie der Ort selbst eine „Idylle“: In „Brennpunktschulen“ stehe, anders als in Adelheidsdorf, das Spielen in der Natur nicht im Vordergrund. Deshalb habe wohl auch die „Technik“ noch nicht so stark Einzug bei den Schülern gehalten, womit Gebauer die Bedeutung der Smartphones und PCs für die Schüler meint.

So weit schöne Erinnerungen, aber, auch das sagt Christiane Gebauer, sie könne eigentlich niemandem empfehlen, Grundschulrektor zu werden: Die Entlastung an Unterrichtsstunden, die man als Rektor bekomme, würde die viele Mehrarbeit überhaupt nicht aufwiegen. Ohne ein „tolles Kollegium“ sei es kaum möglich, so eine Schule unter diesen Bedingungen zu leiten, zumal auch noch ohne Konrektor.

Zum Schuljahresende im Juni 2016 wurde Gebauer dann in zwei Feiern verabschiedet, zunächst in einer Schulfeier mit „Offiziellen“, Kollegium und Schülern. Am Tag darauf folgte eine große „Überraschungsparty“ mit rund 200 Gästen: Da waren – für Gebauer sehr überraschend – auch viele ehemalige Schüler erschienen, und zum Vergnügen des Publikums musste sie auf die Bühne treten und bei einem Spiel mit dem Namen „Wer wird Pensionär?“ verzwickte Fragen beantworten: „Wie viele Schüler haben Sie wohl als Klassenlehrerin eingeschult?“

Das ist nun schon ein paar Monate her – was macht sie heute? Sie wolle nun ihre „neu gewonnenen Freiheiten“ nutzen, sagt sie. Aber offenbar übt sie noch, denn zurzeit ist sie noch damit beschäftigt, all ihre Schulunterlagen in ihrem Haus aufzuräumen beziehungsweise wegzuschmeißen.

Lange habe sie gebraucht, um zu kapieren, dass sie sich nun morgens mit Freunden zum Frühstück treffen könne, berichtet sie amüsiert. Und dann sind da noch die „Oma-Tage“, auf die sie sich freut. Sie hat zwei Enkel im Alter von fünf und drei Jahren, die beide in der Nähe leben. Den dritten Enkel erwartet die jüngere Tochter im Oktober.

Lebenslauf

24. Dezember 1952 als „Christkind“ Christiane Wille in Altgandersheim geboren

1971 Abitur am Hölty-Gymnasium in Celle, Aufnahme des Studiums an der PH Hannover im WS 1971/72

1974 erstes Staatsexamen mit den Unterrichtsfächern Sport, Biologie und Erdkunde

Anfang 1975 Einstellung als Junglehrerin an der GHS Eschede, zweites Staatsexamen 1976

ab 1984 Lehrerin an der Grundschule Adelheidsdorf

ab 1996 kommisarische Leiterin der GS Adelheidsdorf, 1999 Ernennung zur Rektorin

Mitte 2016 Verabschiedung in den Ruhestand

Von Peter Bierschwale