Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Typen „Lämmi“ hat den Beat im Blut
Mehr Typen „Lämmi“ hat den Beat im Blut
12:58 05.06.2012
Lambert Rˆttgers, Bandleader der "Hoofbeats" Quelle: Martina Hancke
Wienhausen

Gerade erst am Wochenende hatte er wieder einen Auftritt. „Inzwischen brauche ich zwei Tage, um mich davon zu erholen“, lacht Lambert Röttgers aus Wienhausen, und man weiß nicht genau, ob er es ernst meint oder nicht. Der 64-Jährige mit den sympathischen Lachfältchen steht in seinem gepflegten Garten in Wienhausen. Wäre da nicht das T-Shirt mit dem Aufdruck „Hoofbeats“, würde man den seriös wirkenden Diplom-Kaufmann wohl kaum mit einer Rockband in Verbindung bringen.

Die „Hoofbeats“ haben das Leben des Papenburgers Lambert „Lämmi“ Röttgers geprägt. Fast fünfzig Jahre gibt es „die älteste Schülerband Deutschlands“, wie sich die Alt-Rocker selbstironisch bezeichnen. Es waren wilde Zeiten, damals Mitte der 60er-Jahre, als fünf Jungs vom Gymnasium Papenburg sich zusammen fanden, um Musik zu machen. Lambert Röttgers sollte eigentlich die Bass-Gitarre spielen, doch seinen Eltern war das Instrument zu teuer. Also wurde er kurzerhand der Sänger der jungen Band. „Erfahrungen brachte ich aus dem Chor mit“, so Röttgers.

Die Beatles waren gerade erst im Kommen, viele Sender boykottierten ihre als „Gedudel“ abqualifizierte Musik. „Bei uns im Norden wurden ihre Songs nicht gespielt“, erzählt Lambert Röttgers, ein großer Fan der Pilzköpfe aus Großbritannien. Also hörten die Jungen den dänischen Sender „Kalundborg“, der jeden Dienstagabend zwischen 18 und 19 Uhr die englische Hitparade spielte. „Wir prägten uns die Lieder ein und spielten sie dann nach Gehör – und unsere Fans waren begeistert“, sagt Frontmann „Lämmi“. Später kamen eigene Lieder, von Röttgers geschrieben, zum Repertoire hinzu. Vor fünf Jahren produzierte der Bandleader die plattdeutsche Ballade „Dat ole Huus in Papenbörg“ (Melodie „House of the Rising Sun“) – eine Reminiszenz an seine Heimatstadt.

Die Schülerband aus Papenburg wurde im Emsländer Raum schnell bekannt und eroberte auch Ostfriesland. „Im katholischen Emsland durfte in der Fasten- und Adventszeit keine Tanzmusik gespielt werden, in Ostfriesland schon“, so Röttgers. So fuhren die „Hoofbeats“ in ihrem alten Ford Chicago über die Grenze.

„Wir spielten sieben bis zehn Lieder am Stück ohne Unterbrechung. Das gefiel den Leuten“, erklärt Lambert Röttgers einen Teil des Erfolgs. Andere Gründe waren der Perfektionismus der Musiker und ihre für damalige Verhältnisse gute technische Ausstattung, finanziert durch die Familien der Unternehmersöhne Bernd Quappen und Hermann Wichmann.

„Wir spielen handgemachte Musik und interpretieren die Klassiker in unserem Stil – heute noch“, sagt der Bandleader. In den 60er- und 70er-Jahren zählten die „Hoofbeats“ zusammen mit den „Beatniks“ und den „Rustlers“, in denen Otto Waalkes spielte, zu den Kultbands des Nordens.

Die „Hoofbeats“, die sich nach einer Zeile aus einem John Steinbeck-Text benannten, tourten durch ganz Nordwestdeutschland, waren in Meppen, Papenburg, Oldenburg und füllten die Weser-Ems-Halle beim „Hallenfest“, dem Vorläufer der NDR-Fete, moderiert von Lutz Ackermann und Peter Urban.

„Wir wurden bejubelt und angehimmelt – das war eine großartige Zeit“, erinnert sich „Lämmi“ Röttgers, der von damals so manche Anekdote erzählen kann. Da war zum Beispiel die Sache mit den Hotelzimmern, die ein Veranstalter für die „Hoofbeats“-Musiker reserviert hatte. Die Betten blieben allesamt leer. „Irgendwie wurden wir alle für die Nacht ‚mitgenommen’“, schmunzelt der Sänger. An ihrem schwarzen Ford, von vielen aufgrund seines Alters belächelt, befestigten die jungen Männer einen Aufkleber: „Lachen Sie nicht, Ihre Tochter hat auch schon hier gelegen!“.

Röttgers Eltern sahen das Hobby ihres Sohnes mit gemischten Gefühlen. „Wir hatten drei bis vier Auftritte in der Woche quer durch Niedersachsen, klar das die Schule da gelitten hat“, gibt Röttgers zu. In der 11. Klasse schmiss er endgültig und nahm sich eine Auszeit als Musiker. Für den professionellen Einstieg ins Musikgeschäft fehlte am Ende das letzte Quäntchen Mut – und auch die nötigen Kontakte. „Damals lief alles über Hamburg. Wer dort keine Beziehungen hatte, konnte nichts werden“, so der 64-Jährige. Er wechselte 1970 die Band, sang eine zeitlang für die „Beatniks“, und entschied sich dann doch für eine Lehre zum Industriekaufmann mit anschließendem Studium im Fachbereich Wirtschaft an der Fachhochschule Wilhelmshaven.

Studium, berufliche Anforderungen, feste Beziehung, weniger Zeit – wie so oft im Leben überdeckten andere Dinge das Hobby. Die Musik lag für einige Jahre brach. Doch so ganz konnte sich Lambert Röttgers nicht von den „Hoofbeats“ trennen. 1978 startete die Band ein Comeback in alter Besetzung. Nach einigen personellen Veränderungen spielt die Band seit vielen Jahren in der festen Besetzung mit den beiden Gründungsmitgliedern Hermann Fust und Lambert Röttgers sowie Alfons Kleine, Rudi Konken, Dr. Ulrich Riediger und Dr. Willi Schulte.

Obwohl es Lambert Röttgers 1980 beruflich nach Celle und dann Wienhausen verschlug, hielt der Papenburger seiner Band die Treue. Heute treten die sechs „Hoofbeats“-Rocker drei bis vier Mal im Jahr auf; das nächste Konzert geben sie Open Air am 16. Juni im Rahmen „Kultursommer Emsland“ auf dem Marktplatz in Lathen.

Ein fester Termin für die Papenburger ist das letzte Oktober-Wochenende, wenn die Uhren umgestellt werden. „Dann kommen unsere Fans aus ganz Deutschland angereist und es wird vor allem eines - getanzt“, sagt Röttgers und wirft seiner Frau Anna einen Blick zu. Sie kennt „Lämmi“ seit 33 Jahren. „Seine Stimme ist eine richtige Röhre, und wenn die Band wie am Samstag nach zwanzig Liedern am Stück ‚Satisfaction’ spielt, dann tobt der Saal“, begeistert sich die Frau mit dem gepflegten Pagenschnitt.

Ein Auftritt im Celler Raum fehlt den „Hoofbeats“ noch. Für das 50-jährige Bühnenjubiläum 2014 hat Lambert Röttgers einen Traum: „Ein Open Air-Konzert im Wienhausener Klosterpark zu geben, das wäre es noch mal.“

Von Martina Hancke