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Typen Linken-Kandidatin Ines Lehr: "Schule muss auf den Prüfstand"
Mehr Typen Linken-Kandidatin Ines Lehr: "Schule muss auf den Prüfstand"
11:10 06.10.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

"Die Ideale der Linkspartei haben mich angesprochen", sagt sie. Ich stehe hinter der Überzeugung: "Mehr Geld für Bildung und Seniorenbegleitung, weniger Geld für Rüstung."

Die studierte Landwirtin lebt seit 23 Jahren mit ihrer Familie in Garßen. Denn nach der Wende waren die Arbeitsplätze in Ostdeutschland knapp, in Celle fand ihr Mann Jörg jedoch eine gute Anstellung als Ingenieur. Ines Lehr arbeitete viele Jahre in der Straffälligenhilfe im christlichen Verein Schwarzes Kreuz, danach in einem Pfarramtsbüro. Heute ist sie als Alltagsbegleiterin für Senioren in Celle tätig. "Mit den alten Damen komme ich gut zurecht. Das passt", sagt Lehr.

2013 kandidierte ihr Mann Jörg für den Wahlkreis Bergen. Nun bewirbt sich Ines Lehr für denselben Posten. Dass sie tatsächlich in den niedersächsischen Landtag einzieht, ist unwahrscheinlich. Da sie nicht auf der Landesliste steht, müsste da schon ein Direktmandat her. Vor vier Jahren kam die Linkspartei in Bergen auf 2,2 Prozent der Erststimmen. "Ich hoffe auf 5 Prozent", so Lehr.

In ihrer politischen Arbeit setzt Lehr vor allem zwei Schwerpunkte: "Ich sehe sowohl in der Bildungsfrage als auch in der Wahrung der Lebensqualität für unsere Senioren zwei der größten Herausforderungen der kommenden Legislaturperiode."

Die nächsten fünf Jahre seien entscheidend dafür, ob Inklusion und Integration gelingen. "Inklusion darf nicht als Sparpaket verstanden werden", fordert Lehr und drängt darauf, mehr Lehrer und qualifiziertes Betreuungspersonal einzustellen. "Das Gesamtpaket Schule gehört dringend auf den Prüfstand." Das schließt für Lehr auch die Abschaffung der Länderhoheit im deutschen Bildungssystem ein.

"Die qualifizierte Betreuung von Menschen im Ruhestand liegt mir ebenfalls sehr am Herzen. Täglich erlebe ich den Spagat der Familien", sagt die Seniorenbetreuerin. "Im Moment sind die meisten Rentner ganz gut gestellt, aber was passiert, wenn wir mal in Rente gehen?", fragt die 52-Jährige besorgt. Die bisherigen Konzepte für die finanzielle Absicherung der künftigen Rentnergenerationen findet sie unbefriedigend.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für Lehr ebenfalls ein großes Thema. "Frauen sollen zwar finanziell mehr für sich selbst sorgen, aber die Voraussetzungen sind dafür einfach nicht da", sagt Lehr. Um Arbeit und Kinderbetreuung in Einklang zu bringen, fordert sie neue Ideen, die gemeinschaftlich entwickelt und gefördert werden.

Lehr wünscht sich allgemein mehr Teilhabe für Familien am gesellschaftlichen Leben. "Dazu gehört für mich auch der barrierefreie und kostengünstige Zugang zu modernen Medien." Viele Freizeitaktivitäten seien kaum bezahlbar – etwa ein Schwimmbadbesuch. "Wir haben eine Jahreskarte für den Silbersee. Aber eine vierköpfige Familie zahlt für den Tageseintritt 12 Euro. Das ist für manche Menschen einfach zu viel", ärgert sich die zweifache Mutter aus Garßen.