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Typen Urgestein des Celler Sports
Mehr Typen Urgestein des Celler Sports
19:10 16.02.2010
Von Christopher Menge
Jan Prass - "Elefant" und Urgestein des MTV Celle mit einer historischen Turnfigur Quelle: Torsten Volkmer
Celle Stadt

In Zeiten in denen der Konsum immer mehr im Vordergrund steht, werden Menschen, die sich für die Gesellschaft einsetzen und sich sozial engagieren immer wichtiger. Ein Celler hat sich dieser Aufgabe seit über 50 Jahren im Sport verschrieben. Jan Prass, Vorsitzender von MTV Eintracht Celle und Präsident der Deutschen Turnliga, setzt sich ehrenamtlich und unentgeltlich für andere ein. Die Belohnung dafür seien vor allem viele Freunde und manchmal auch Lob und Dankbarkeit. Freundschaft bezeichnet Prass selber als größtes Glück. „Reichtum und Geld können einsam machen, weil man immer nach mehr strebt“, so Prass. Sein Dienst gegenüber der Gesellschaft kommt dabei nicht von ungefähr. „Mein Vater war schon bekannt für seine Hilfsbereitschaft gegenüber jedermann“, erinnert sich Prass, „er hat viel ehrenamtlich gewirkt.“ In diese Fußstapfen trat dann auch Jan Prass als er 1957 nach Celle kam.

Trotz Krieg schöne

Erinnerungen an Kindheit

Am 3. Juni 1935 wurde Prass in Friesland geboren. Nach der Familientradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurück geht, wurde er Johann genannt. „Ich bin der 17. Johann unserer Familie“, erklärt Prass, „meine Mutter hat mich aber immer Peter genannt.“ In der Schule bekam der junge Prass dann durch den amerikanischen Einfluss in der Besatzungszeit den Spitznamen Jonny. Als Prass nach Celle kam, erhielt er schließlich den niederdeutschen Namen Jan.

Seine Kindheit war durch den zweiten Weltkrieg gekennzeichnet. Dennoch hat Prass schöne Erinnerungen an diese Zeit. „Glücklicherweise habe ich keinen Verwandten verloren“, ist Prass froh. „Als ich 1941 in die Dorfschule kam, wurden acht Klassen gleichzeitig in einem Raum unterrichtet“, erzählt Prass. Nachdem sein Lehrer dann eingezogen wurde, mussten die Schüler jeden Morgen zu Fuß in ein drei Kilometer entferntes Nachbardorf gehen.

Nach dem Krieg kam Prass aufs Gymnasium. Da er nicht schön schreiben konnte, musste er öfter nachsitzen, um Sutalin zu lernen. „Dafür habe ich heute eine gute Handschrift“, freut sich Prass knapp 65 Jahre später. 1957 kam Prass schließlich nach Celle. Nach seiner Ausbildung arbeitete er acht Jahre lang als Agraringenieur. Anschließend absolvierte er ein Kombi-Studium über neun Semester und arbeitete bis zu seiner Pension in unterschiedlichen Funktionen als Spediteur. Noch heute ist er als Unternehmer aktiv.

Heimtrainer

von Edgar Jorek

Schnell kam Prass in Celle zum Turnen. „Nationalturner Lothar Lohmann hatte gerade aufgehört“, erinnert sich Prass, „aber es gab hier noch einige gute Turner.“ Er selbst sei nie der Spitzensportler gewesen, auf Kreis- und Bezirksebene feierte Prass aber seine Erfolge. Als seine Mannschaftskameraden Celle zum Studieren verließen, hörte auch Prass mit dem aktiven Turnen auf. „1963 kamen drei junge Burschen auf mich zu und baten mich, ihnen einen Flickflack zu zeigen“, erzählt Prass, „danach haben sie gefragt, ob ich sie trainieren würde.“ 30 Jahre lang dauerte Prass Trainerleben mit einigen beachtlichen Erfolgen. Unter anderem war Prass der Heimtrainer von Edgar Jorek, der in den 1970er Jahren mehrmals Deutscher Meister wurde. In mehreren Lehrgängen lernte er auch Bundestrainer Philipp Fürst kennen. Prass erwarb die internationale Kampfrichterlizenz und wertete einige Kämpfe bis hin zu den Deutschen Meisterschaften. Seit 2009 ist der Celler außerdem Präsident der Deutschen Turnliga, in der alle Vereine der ersten und zweiten Bundesliga sowie der Regionalliga organisiert sind.

Sport nach Leuten

ausgesucht

Neben dem Turnen war Prass noch in zwei weiteren Sportarten aktiv. Aus seiner Leichtathletik-Zeit erinnert sich Prass gerne an die Vergleichskämpfe mit den großen Vereinen aus Hamburg, Bonn oder Bielefeld. „Wir waren in der Abteilung so stark, dass wir alle Disziplinen doppelt besetzen konnten“, erzählt Prass. In den 1960er Jahren kam Prass außerdem zum Handball. „Ich habe meinen Sport immer danach ausgerichtet, mit welchen Menschen ich dabei zusammen sein kann“, macht Prass deutlich, wie wichtig die Gemeinschaft für ihn war. Bis zu seinem 60. Geburtstag spielte Prass in der gleichen Mannschaft. Aus dem Handball-Team ist ein „wunderbarer Freundeskreis“ geworden. Noch heute treffen sich die ehemaligen Mannschaftskameraden zu Geburtstagen und anderen Feiern.

Vorsitzender von

MTV – Fusion mit Eintracht

Als sein Verein 1987 vor ganz anderen Problemen stand, sprang Prass in die Bresche und wurde Vorsitzender von MTV Celle. Vor allem finanziell stand der Verein vor dem Abgrund. Doch Prass gelang mit Durchsetzungsvermögen und Weitsicht die Konsolidierung. Unter seiner Regie wurde das Fitnessstudio am Nordwall gebaut, die Sportstätte am Saarfeld übernommen und der Kindergarten und Jugendclub im MTV eingerichtet. Außerdem baute Prass MTV zum Ausbildungsbetrieb (Bürokaufmann/Sport- und Fitnesskaufmann) aus. Nachdem Prass MTV wieder ins ruhige Fahrwasser geführt hatte, machte sich der Sportsmann für einen Celler Großverein stark. 2005 fusionierte MTV schließlich mit Eintracht. Prass wurde Vorsitzender des neuen Vereins. Neben des Neubaus des Hockeyplatzes stand vor allem die Errichtung des Sportheim auf dem Eintracht-Gelände im Mittelpunkt. „Wir haben uns dort ein sehr schönes Heim geschaffen“, freut sich Prass. Doch auch MTVE hat mit Problemen zu kämpfen, die in letzter Zeit persönliche Unzufriedenheit beim Vorsitzenden hervorgerufen haben. „Wir sind super aufgestellt und trotzdem gehen die Mitglieder“, ärgert sich Prass. Die Auswirkungen des Mitgliederschwunds liegen dabei auf der Hand. „Wir müssen immer neue Möglichkeiten des Einsparens finden“, sagt Prass bedrückt. Obwohl MTVE von den bei der Gründung angepeilten 5000 Mitgliedern derzeit weit entfernt ist, sieht Prass optimistisch in die Zukunft. „Wir hatten lange Jahre Zuwachs, jetzt geht es in die andere Richtung, aber das wird sich wieder wenden“, verlässt sich Prass auf seine Erfahrung. Auch wenn Prass in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, gibt es derzeit noch keine konkreten Pläne, den Vorsitz abzugeben. „Aber man muss daran denken, die Leitung in jüngere Hände zu legen“, sagt Prass.

Beim Skifahren

Leute kennenlernen

Während es viele im Alter etwas ruhiger angehen lassen, finden sich bei Jan Prass nur selten Lücken im Terminkalender. Der Vorsitzende von MTV Eintracht Celle ist viel beschäftigt. „Das hält mich geistig und gesundheitlich fit“, sagt Prass. Mit vier unterschiedlichen Farben bringt er System in seinen Kalender. Grün für Aktivitäten rund um den Sport, orange für die Firma, gelb für private Dinge und blau fürs Segeln. Eine der Leidenschaften von Prass. Wenn dann noch Zeit bleibt, läuft Prass gerne Ski. 2004 hat Prass außerdem den väterlichen Bauernhof geerbt, der ihm viel Zeit abverlangt. Für eine Partnerschaft bleibt bei den ganzen Terminen keine Zeit. „Ich lebe alleine, mit einem Partner wäre das nicht zu realisieren“, vermutet Prass. Dennoch beschreibt Prass sein Leben selber als „wunderbar“. „Ich möchte nichts missen“, betont der Celler, der aus dem heimischen Sport nicht wegzudenken ist.

Lebenslauf

✐3. Juni 1935 in Friesland

geboren

✐1957 Umzug nach Celle,

Eintritt in den MTV Celle

✐1963 Beginn der

Trainerlaufbahn im Turnen

✐1970er Jahre Heimtrainer

von Edgar Jorek

✐1987 Vorsitzender

MTV Celle

✐Seit 1999 Mitglied im

Präsidium der

Deutschen Turnliga

✐2005 Nach Fusion mit

SV Eintracht Celle

Vorsitzender von MTVE

✐Seit 2009 Präsident

der Deutschen Turnliga