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Typen Vorreiter Wolfgang Kirks
Mehr Typen Vorreiter Wolfgang Kirks
13:40 22.09.2016
Wolfgang Kirks – Kaufmann, Journalist, Sportler und mehr. Quelle: Alex Sorokin
Hermannsburg

Ursprünglich hatte Wolfgang Kirks eine Lehre als Buchhändler absolviert. Das war nicht unbedingt sein Traumberuf, aber die Ausbildung hatte irgendwie mit dem Krieg zu tun. Geboren wurde Kirks im Dezember 1937 im pommerschen Stolp. Im Januar 1945 musste er mit Mutter und zwei jüngeren Geschwistern vor den anrückenden sowjetischen Truppen aus der Heimat in Richtung Westen fliehen. Der Vater durfte als Soldat nicht mitkommen. Die Familie landete in Husum, wo sie bis 1953 lebte. Es erfolgte die Wiedervereinigung der Familie mit dem Vater, der jedoch krank war.

Ein Umzug nach Hiddesen im Teutoburger Wald fand deshalb statt, Im nahen Detmold schloss Wolfgang Kirks seinen Schulbesuch ab und begann schließlich eine Buchhalter-Lehre. Der Vater hatte inzwischen in Hermannsburg einen Laden gemietet, eben das spätere „Eisen-Kirks“. Der Sohn musste in das Geschäft eintreten und es dann – nach dem Tod des Vaters – ab 1970 eigenverantwortlich führen. Das tat er bis zum Jahr 2000, als der Laden geschlossen werden musste. Der Grund dazu war der unverhoffte Konkurs der Einkaufsgenossenschaft, die gleich ihm zahlreiche Einzelhändler zur Aufgabe zwang.

Privat ging es Wolfgang Kirks jedoch in Hermannsburg gut. Er heiratete im April 1966 die Hermannsburgerin Ingetraut Puls, das Ehepaar baute 1972 ein Haus am östlichen Ortsrand, in dem es heute noch wohnt.

Die Annahme, Wolfgang Kirks sei durch und durch ein Einzelhändler mit modernen Ideen, ist richtig, greift aber zu kurz. Es zeichnet ihn geradezu eine Fülle von Interessen aus, die eine erstaunliche Bandbreite belegen. In Zusammenhang mit seiner Lehre zum Buchhändler hat er mehrfach interessante Persönlichkeiten getroffen, die ihn beeindruckten. Die Namen von Martin Walser, Pascal Jordan, Edzard Schaper oder Heinrich Harrer fallen ihm dazu spontan ein. Sicher ist seine Lust, sich durch Schreiben anderen mitzuteilen, auf diese Zeitspanne in seinem noch jungen Leben zurückzuführen. Aus diesem Grund hat er Erzählungen und Geschichten über Menschen und ihre Gefühle verfasst und veröffentlicht. Seine beiden 2008 und 2009 erschienenen Bücher „Begegnungen in Schweden“ und „Liebe im Celler Land“ sind heute noch erhältlich. Besonders die erste Veröffentlichung zeigt seine Liebe zu Skandinavien. Dorthin fährt er oftmals in Urlaub, denn diese Gegend erreicht er mit dem Auto oder der Eisenbahn. „Ich habe nämlich Flugangst“, gesteht er, weshalb seine Frau dann allein in die von ihr bevorzugten Länder fliegt wie etwa nach Kalifornien, um den dort lebenden Sohn zu besuchen, oder Marokko.

Neben dem Schreiben ist das Fotografieren ein weiteres Steckenpferd, das Wolfgang Kirks reitet. Seine Spezialität sind „feine erotische Mädchenfotos“, wie er sie bewertet, „keinesfalls Pornografie“. Veröffentlicht wurden die Bilder in Sport- und Fotozeitschriften, in Tageszeitungen und sogar – quasi als Ritterschlag – im einschlägig bekannten Playboy.

Oldtimer sind ein weiteres Hobby, das Kirks mit seiner Frau teilt. Im Jahr 1958 kaufte er sich einen Opel P4, der 1937 in Rüsselsheim vom Band lief. Es folgten ein Opel Olympia, Baujahr 1951, ein BMW 700 CS Sport, der sehr selten war, und als „Star“ ein Porsche 356 B Coupé. Der wurde allseits bestaunt. „Ich hatte mit diesen Oldtimern etliche skurrile und auch waghalsige Erlebnisse“, sagt der ehemalige Besitzer in der Rückschau.

Sport und Ämter sind zwei andere Kennzeichen, die sein Leben begleiteten. Kirks war mehrfach Vorsitzender in Elternräten von Kindergärten und Schulen sowie in Vereinen, ebenfalls hatte er Sitze in kirchlichen Gremien und Prüfungsausschüssen von Industrie- und Handelskammern inne. An die Spitze des Örtzerings gewählt, brachte er nach eigenem Bekunden diesen etwas „im Dämmerschlaf liegenden Gewerbeverein“ in Hermannsburg mit neuen Ideen wieder in Schwung. Die Politik sah ihn ebenso engagiert. Als Mitglied der CDU vertrat er längere Zeit die Anliegen seiner Partei im Hermannsburger Rat. Zudem arbeitete Kirks im örtlichen CVJM mit.

Lange Jahre pflegte er sportliche Tätigkeiten. Damit betätigte er sich schon recht früh, wie die Bezeichnung „bester Schüler seines Jahrgangs in Schleswig-Holstein“ über die Lauf-Strecke von 1000 Metern aussagt. Seine Spezialstrecke waren jedoch die 400 Meter. Damit ging er erfolgreich bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften an den Start. „Meine Bestzeit als 16-Jähriger lag bei 51 Sekunden“, sagt er stolz. In mehreren Orten und diversen Vereinen war Kirks aktiv im Fußball, hat Tennis gespielt und diverse längere Fahrradtouren unternommen. Seine Liebe gehört trotz allem dem Fußball. Er besuchte viele Spiele der unterschiedlichsten Ligen. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht markiert die Fußballweltmeisterschaft 1958 in Schweden, zu der er trampend gelangte. Dieses Ereignis hat seinen direkten Niederschlag in einem Buch gefunden.

Sicher ebenso sportlich, aber doch eher harmonisch ist die Gemeinschaft „Die Spätlese“ zu werten, der das Ehepaar Kirks angehört. In diesem Kreis werden Volkstänze einstudiert und dann bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten aufgeführt. Kirks´ hatten rund 30 Jahre lang mitgetanzt. „Nun klönen wir nur noch“, lacht der Ehemann.

Bleibt bei diesem prall gefüllten Interessenkorb noch Platz für Träume: Gibt es irgendeinen Wunsch, den sich Wolfgang Kirks erfüllen will? „Nein“, sagt er zunächst, um dann mit fester Stimme zu antworten: „Gesund will ich bleiben und gemeinsam mit meiner Frau alt werden.“

Lebenslauf

7. Dezember 1937 wird Wolfgang Kirks in Stolp/Pommern geboren

1945 bis 1956 in Husum und Hiddesen/Detmold

1956 Umzug nach Hermannsburg, Eintritt ins väterliche Geschäft

1958 Erwerb des ersten Oldtimers: Opel P4

1960 Beginn journalistischer Tätigkeit

14. April 1966 Heirat mit Ingetraut Puls

1972 Bau des Eigenheims in Hermannsburg

2000 Schließung von „Eisen-Kirks“

2008 und 2009 Herausgabe von „Begegnung in Schweden“ und „Liebe im Celler Land“ im Eigenverlag

Von Udo Genth