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Zeitung seit 1817: Vom Zelleschen Anzeiger zur Celleschen Zeitung

Die Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG beschäftigt aktuell rund 120 Mitarbeiter, wobei der Bereich der Zeitungszustellung in eine eigenständige Gesellschaft – die Transport & Vertriebs GmbH (TVG) – ausgegliedert ist. Mit eingerechnet sind die Mitarbeiter des Druckzentrums am Bremer Weg.

Im Jahr 2013 haben wir für unsere Leser rund 10.200 Zeitungsseiten produziert, gut 8.000 davon mit redaktionellen Inhalten. Während die Gestaltung der Seiten, das Verfassen der Texte und die Produktion der Anzeigen in der Bahnhofstraße erfolgt, entsteht daraus im Druckzentrum am Bremer Weg in Klein Hehlen die Cellesche Zeitung.

Wie aber ist aus der CZ, die bis heute mehrheitlich im Besitz der Familie Pfingsten ist und die als eine von ganz wenigen Zeitungen unserer Größenordnung eine Vollredaktion besitzt, innerhalb von weit mehr als 190 Jahren das geworden, was es heute ist?

Auf Wanderschaft nach Celle
Alles begann mit dem jungen Ignaz Schweiger. Er war 1777 in Würzburg geboren und hatte in einer Druckerei der Stadt Setzer gelernt. Nach erfolgreichem Abschluss machte er sich auf Wanderschaft und kam dabei nach Celle. Der Versuch, hier seine Handdruckpressen einzusetzen, scheiterte zunächst am Privileg der königlichen Hofdruckerei Schulze. Sie durfte als einzige am Ort drucken. Die Gewerbefreiheit der Franzosenzeit und eine Fristversäumnis der Hofdruckerei aber ermöglichten es Schweiger schließlich doch, seine Pressen in Betrieb zu nehmen.

Als Schweiger im Jahr 1813 mit dem Celler Buchdrucker Konrad Pick eine Partnerschaft einging, entstand die Druckerei Schweiger & Pick. Beide starteten im Haus von Picks Schwiegervater in der Mauernstraße. Wann dann genau die Idee entstand, einen Anzeiger herauszugeben, ist nicht bekannt. Der Versuch, die Genehmigung hierfür zu erlangen, gestaltete sich jedoch schwierig. Schweigers Ehefrau Christiane Wilhelmine fuhr mehrfach persönlich nach Hannover und trug den „hohen Herren“ unmissverständlich und offenbar sehr deutlich ihren Standpunkt vor.

Das erste Mitteilungsblatt
Am 2. April 1817 war es dann soweit: „Mit allerhöchster Königlicher Genehmigung“ erschien die erste Ausgabe des vierseitigen und einmal pro Woche aufgelegten Mitteilungsblattes „Zellescher Anzeiger“ etwa im Format DIN A 5. Als Herausgeber fungierte Pastor Georg Friedrich Wilhelm Beneken aus Nienhagen, der sich schon vorher publizistisch in Celle betätigt hatte.

Wie der Name schon sagte, war die Zeitung ein Anzeigenblatt, in dem Privatleute inserieren konnten. Beigelegt wurde ein Blatt mit dem Titel „Zellesche Beiträge zur heiteren und würdigen Unterhaltung", in dem der Redakteur Beneken Anekdoten, Gedichte und nützliche Anregungen für Haus und Hof veröffentlichte. Aktuelle Begebenheiten aus der Politik oder dem städtischen Tagesgeschehen fanden in dem Blatt keinen Niederschlag.

Im gleichen Jahr entstand in Celle eine Weltfirma: der Farbenhersteller Hostmann-Steinberg. Es waren im Gründungsjahr praktische Überlegungen von Pick und Johann Ernst Holste, die zusammentrafen, um aus Leinöl und Ruß Druckerschwärze auf dem Pick’schen Grundstück in der Mauernstraße herzustellen. Bis heute bezieht die CZ ihre Farben von Hostmann-Steinberg.

Im März 1818 erfuhren die Leser, dass der Anzeiger künftig zweimal in der Woche „und zwar mittwochs und sonnabends“ erscheinen werde. Im gleichen Jahr ging auch die Konzession von Pastor Beneken auf die Firma Schweiger & Pick über.

Neue Wochenzeitschrift
1825 begann der „Zellesche Anzeiger“ mit der Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen. Infolge des nun herrschenden Platzmangels auf den Seiten entstand für die beliebten unterhaltsamen Beiträge, die jeweils mittwochs in die Zeitung integriert waren, ab 1826 eine neue Wochenzeitschrift mit dem Titel „Mittags-Blatt für gebildete Leser aller Stände“.

Ignaz Schweigers Tochter Johanna heiratete den Buchdrucker Friedrich Wilhelm Heuer aus Hannover. Er verfügte über ein gewisses Vermögen, kaufte 1833 seinem Schwiegervater die Geschäftsanteile ab, erwarb von der Familie Pick das Haus in der Mauernstraße und ersetzte es durch einen Neubau. Als er 1836 mit nur 26 Jahren starb, hatte er das Unternehmen auf sichere Füße gestellt. Seine Witwe wurde Eigentümerin des Geschäfts und sollte es die kommenden 30 Jahre lang führen.

1868 übertrug Johanna Heuer ihrem Schwiegersohn Georg Heinrich Pfingsten die Leitung des Unternehmens. Er baute den redaktionellen Teil wesentlich aus und teilte ihn in „"Lokales", „Aus der Provinz" und „Rundschau" ein. Der veränderten Kreiseinteilung durch die preußische Regierung trug die Zeitung Rechnung und am 1. Februar 1869 erschien das Blatt unter dem neuen Titel „Cellesche Zeitung und Anzeigen - Kreisblatt für den Kreis Celle (die Städte Celle und Burgdorf, die Aemter Celle, Burgdorf und Burgwedel)". Zugleich stellte der neue Chef vom DIN A5 ähnlichen Format auf eine Größe um, die in etwa dem heutigen sogenannten Berliner Format der CZ entspricht. Die Auflage lag zwischen 1.500 und 1.800 Exemplaren.

Die erste Rotationsmaschine
Nach dem Tod von Georg Heinrich Pfingsten (1883) trat dessen Sohn Georg Wilhelm Pfingsten (1856-1920) als Geschäftsführer in den Verlag Schweiger & Pick ein, Bruder Hermann (1858-1917) übernahm die Leitung der Redaktion. Zugleich drehten sich im Jahr 1908 erstmals die Druckzylinder einer kleinen Rotationsmaschine, die einen vierseitigen Bogen bedrucken konnte.

Beide Brüder überlegten, das Stammhaus zu verlassen und sich an einer günstigeren Stelle niederzulassen. Diese Pläne griff 1921 Ernst Pfingsten („Onkel Ernst“), der Sohn von Georg Wilhelm, auf und erwarb das Haus in der Bahnhofstraße, das bis heute Teile des Verlages beherbergt. 1934 wurde der Umzug in die Bahnhofstraße vollzogen.

Wenige Jahre nach diesem Umzug wurde 1940 eine größere, gebrauchte Zwillingsrotationsmaschine angeschafft, die bis Anfang der 70er-Jahre ihren Dienst tat. Damit begann die Ära des Rollenoffsetdrucks bei der CZ. Anders als beim Hochdruck, bei dem nur die erhabenen Teile der Druckform Farbe annehmen und sie später auf Papier drucken, wird hier das physikalisch-chemische Prinzip des gegenseitigen Abstoßens von Fett und Wasser genutzt. Eine ebene Zinkplatte wird belichtet, entwickelt und in den Plattenzylinder gespannt. Farbwalzen tragen die Druckfarbe auf, die nur von bestimmten Partien der Platte aufgenommen und an eine Gummiwalze abgegeben wird. Diese überträgt die Farbe auf das Papier.

Der Zweite Weltkrieg
Zunächst aber konnte die neue Maschine nur zwei Jahre voll genutzt werden, denn ab 1942 erschien die CZ wegen Papiermangels nur noch mit einem Umfang von vier Seiten. Und auch sonst hatte der Zweite Weltkrieg massive Auswirkungen. Hatte sich Ernst Pfingsten bis zum 1. April 1943 noch der Zwangsfusion mit dem NSDAP-Blatt „Niedersächsische Tageszeitungen“ mit Beilage „Celler Beobachter“ widersetzen können, so erschien der Untertitel „Celler Beobachter“ fortan unter dem Kopf „Cellesche Zeitung“.

Am 11. April 1945 wurde die letzte Kriegsausgabe gedruckt, einen Tag später rückten die Briten in die Stadt ein. Ab 15. April erschien die Zeitung wieder mit dem traditionellen Kopf und veröffentlichte auf Anweisung der Alliierten Bekanntmachungen der Celler Behörden.

Ernst Pfingsten wurde im September 1945 für neun Monate von den britischen Behörden interniert – der Vorwurf: Herausgabe einer nationalsozialistischen Publikation. Sein Vermögen wurde unter Kontrolle gestellt, sein ehemaliger Prokurist Sommerfeldt als Treuhänder eingesetzt. Die Rotation lief derweil auf Hochtouren. In den Räumen der Bahnhofstraße herrschte internationales Flair. Drucker aus verschiedenen Ländern druckten Publikationen in der jeweiligen Heimatsprache. Daneben hatte die Hannoversche Partei eine Zeitungslizenz erhalten. Die Ausgaben wurden in den Räumen der CZ gesetzt und gedruckt.

Wiedererscheinen der Celleschen Zeitung
1948 trat Georg Pfingsten in das väterliche Unternehmen ein. Wenig später erlosch der Lizenzzwang in der britischen Zone, und am 1. Oktober 1949 erschien die „Cellesche Zeitung“ wieder. Den veränderten Lesererwartungen (das Bild spielte eine größere Rolle) trug der Verlag durch die Einrichtung einer Klischeeanstalt Rechnung.

Weil nun auch die Räumlichkeiten in der Bahnhofstraße zu eng wurden, erwarb Georg Pfingsten das Grundstück, auf dem wir uns gerade befinden, und lagerte die Rotation mit ihrer damals hochmodernen Maschine vom Typ „Compacta“ im Jahr 1974 aus.

1982 starb Georg Pfingsten, seine Söhne Georg-Christian (gestorben 1992) und Ernst Andreas übernahmen die Leitung des Unternehmens. In die Redaktionsräume zogen wenig später Computer ein: Texte und Agenturmaterial wurden nun am Bildschirm bearbeitet.

Umstellung aufs Früherscheinen
Eine einschneidende Veränderung brachte das Jahr 1987: Den Wünschen der Anzeigenkunden entsprechend wurde die Zeitung ab Mai schrittweise vom Mittags- auf das Früherscheinen umgestellt. Fortan war statt um 6.30 Uhr in der Frühe am Vorabend um 23 Uhr Redaktionsschluss. Dennoch ist die CZ bis heute stets aktuell: Hierfür wird an Wahltagen teilweise bis 1.30 Uhr produziert.

Im Sommer 1990 wurde in Redaktion und Technik ein neues System installiert, mit dem die täglich einlaufende Datenflut besser verarbeitet werden konnte. Auch die Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) liefen nun per Satellitenschüssel aus dem Weltall ein.

Neue Drucktechnik und neue Zeitungsstruktur
Die technischen Weiterentwicklungen machten auch vor der Rotation nicht halt. Nach einem notwendig gewordenen Erweiterungsbau wurde am 1. April 1997 die neue Druckmaschine „Colora“ eingeweiht – seitdem erscheint die CZ in vier sogenannten Büchern. Sonnabends kommen die Bereiche „Auto und Mobiles” sowie „Wohnen und Leben” hinzu. Ziel dieser Strukturierung ist es, unseren Lesern eine klare Unterteilung in die Bereiche Politik, Lokales, Sport und Sonstiges zu bieten.

Rund 16 Millionen D-Mark flossen in den damaligen Erweiterungsbau und in die neue Technik. Weitere Investitionen schlossen sich in der Bahnhofstraße an. Dort hielt in allen Abteilungen ein neues Redaktionssystem Einzug, das mit dem Druckzentrum fortan direkt über eine Standleitung verbunden war.

Im Laufe der vergangenen Jahre wurde noch einmal in einen zusätzlichen Druckturm sowie in die Versandraumtechnik investiert, um die Farbmöglichkeiten der Maschine (bis zu einem Umfang von 32 Seiten können alle Seiten vierfarbig produziert werden) zu erweitern und die Auslieferung zu beschleunigen.

Redaktionelle Steuerung über Newsdesk
Die Produktion der Zeitung wie auch der Internet-Auftritt wird inzwischen über einen Newsdesk gesteuert, an dem Vertreter aller Bereiche Platz nehmen. Geleitet wird dieser von Chefredakteur Ralf Leineweber. An diesem Tisch werden die Themen des Tages bewertet und deren Platzierung im Blatt entsprechend festgelegt.

Gedruckt wird die Cellesche Zeitung am späten Abend ab 22.15 Uhr: Dabei benötigt die „Colora“ für die gedruckte Auflage von rund 32.000 Exemplaren (samstags etwa 37.000) rund eine Stunde. Anschließen machen sich die ersten Fahrzeuge der TVG auf den Weg, um die druckfrische CZ an die Zusteller in allen Bereichen des Landkreises auszuliefern.

Insgesamt werden jährlich rund 6500 Tonnen Papier und 115 Tonnen Farbe verbraucht. Neben der CZ entstehen hier unter anderem die Wolfsburger Allgemeine Zeitung sowie die Gifhorner Allerzeitung (beides Töchter der Verlagsgesellschaft Madsack in Hannover). Dazu werden hier unter anderem das hannoversche Anzeigenblatt „Hallo am Sonntag“, aber auch das Mitteilungsblatt der Samtgemeinde Lachendorf produziert.

Seit Sommer 2013 ist Friederike Pfingsten Verlegerin und neben Werner Heyer Geschäftsführerin der CZ. Damit wird das Unternehmen in achter Familien-Generation fortgeführt.

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