Benant nach einem beleibten Vizekönig: Wie Gut Adolphshof zu seinem Namen kam

Der spätere Vizekönig Adolph Friedrich wurde am 24. Februar 1774 als jüngstes der sieben Kinder König Georgs III. und der Königin Sophie Charlotte geboren. Er gab dem Gut Adolphshof in der Nähe von Lehrte seinen Namen.

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Städte, Dörfer und auch nur Siedlungsplätze nach dem jeweiligen Staatsoberhaupt oder einer führenden Persönlichkeit zu benennen, war bis in die jüngste Vergangenheit sehr beliebt. Man braucht dabei nicht nur an die russischen Städtenamen St. Petersburg, Leningrad oder Stalingrad zu denken. Auch in Deutschland finden sich Beispiele zuhauf, sei es Karlsruhe, Wilhelmshaven oder Ludwigsburg.

Ein schönes Beispiel von doppelter Namensgebung haben wir in Niedersachsen mit Georgsmarienhütte bei Osnabrück, benannt nach dem letzten hannoverschen König Georg V. und seiner Gemahlin Marie, die den meisten im Zusammenhang mit der Marienburg bei Nordstemmen ein Begriff sein wird. In unmittelbarer Nähe von Celle finden wir als Beispiel zu diesem Thema Adelheidsdorf, wobei wohl nur wenige wissen, dass dieses Dorf nach der Frau des englischen Königs Wilhelm IV. (1765 – 1837) seinen Namen bekam. Er heiratete 1818 Adelheid aus dem Hause Sachsen-Meiningen. Mit Wilhelm ging die Personalunion zwischen Hannover und England zu Ende.

Wir wollen mit dem folgenden Beitrag an eine Persönlichkeit erinnern, die rund 35 Kilometer südöstlich von Celle als Namensgeber genommen wurde, zwar aus fürstlichem Hause kam, aber nur indirekt Regierungsgewalt ausübte, als Vizekönig. Weit über den Bereich der heutigen Stadt Lehrte hinaus hat sich das Gut Adolphshof seit Jahren einen Namen gemacht. Wird hier doch schon seit Jahrzehnten die Landwirtschaft auf biologisch-dynamische Weise betrieben. Auch als sozialtherapeutische Einrichtung spielt der Adolphshof eine Rolle.

Weinhändler erwirbt
250 Hektar Weideland

Im Jahre 1827 erwarb dort der Weinhändler Siemering aus Hannover in der Dolger Heide rund 250 Hektar Weideland, um hier ein Gut anzulegen. Bald fügte er eine Ziegelei hinzu und schuf sogar für die zahlreichen Kinder der hier nun Beschäftigten eine eigene Schule. Im Volksmund nannte man das neue Anwesen nach dem Gründer allgemein „Siemeringshof“. Der aber wollte nach außen hin ein anderes Zeichen setzen: Beim Erwerb der Grundstücke hatte er nämlich tatkräftige Hilfe durch den Vizekönig von Hannover, Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge, erhalten. Die beiden dürften sich in Hannover in der Siemeringschen Weinhandlung und Schankwirtschaft kennengelernt haben. War doch bekannt, dass der Vizekönig einen guten Tropfen zu schätzen wusste. Über den Umfang des Darlehens, das Adolph Friedrich dem Gutsgründer gewährte, war leider nichts zu erfahren. Wer aber war der noble Geldgeber?

Adolph Friedrich wurde am 24. Februar 1774 als jüngstes der sieben Kinder König Georgs III. und der Königin Sophie Charlotte aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz geboren. Er erhielt seinen Namen nach dem Bruder der Königin. Als Zwölfjähriger bezog er bereits gemeinsam mit seinen beiden älteren Brüdern die Universität Göttingen, wo er bis 1791 eine umfassende Allgemeinbildung erhielt. Gemeinsam mit seinem Bruder Ernst August trat er mit 16 Jahren dann in die hannoversche Armee ein.

Nach dem zweiten Koalitionskrieg gegen Frankreich, in dem er vorübergehend sogar in Gefangenschaft geriet und später die wenig reizvolle Aufgabe hatte, die militärische Demarkationslinie zu bewachen, kehrte er in die welfischen Lande zurück, die zum Schutz vor den Franzosen vorübergehend von preußischen Truppen besetzt gewesen waren.

Kommandant der
Garnison Hannover

Im Jahre 1801 erhielt Adolph Friedrich den Titel des Herzogs von Cambridge und wurde von König Georg III. (genauer: vom Prinzregenten, der ab 1820 Georg IV. wurde) zum Kommandanten der Garnison Hannover ernannt. So kehrte er 1802 in die Stadt zurück und bezog das Alte Palais in der Leinstraße als Wohnung. Seine Beliebtheit war hier damals schon sehr groß, sodass die Stadt Hannover ihn bald zu ihrem Ehrenbürger machte. Doch die Spannungen zwischen England und Frankreich nahmen wieder zu. Napoleon brauchte daher keine Rücksicht mehr auf die hannoverschen Neutralitätsbekundungen zu nehmen und wusste, dass der Kurstaat Englands Achillesferse auf dem Festland war.

Im Frühjahr 1803 besetzte die französische Armee unter General Mortier fast widerstandslos die Kurlande. Es kam zur Konvention von Sulingen, praktisch zu einer Kapitulation der hannoverschen Truppen, die sich nun auf das rechte Elbufer, in das Herzogtum Lauenburg, zurückzogen. Am gleichen Tag verließ auch Adolph Friedrich Hannover und begab sich nach London. In seine Wohnung zog General Mortier ein.

Die schmachvolle Zeit sollte noch Jahre dauern. 1806 überließ Napoleon dann das Kurfürstentum Hannover Preußen. Am 10. November 1806 ergriff wieder der französische General Mortier im Namen von Kaiser Napoleon Besitz von Hannover. Das Kurfürstentum wurde dann 1807 Bestandteil des von Napoleons Bruder Jerome regierten Königreichs Westphalen. Nach Napoleons Niederlage in der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) wurden schließlich in Stadt und Land Hannover die alten Regierungsverhältnisse wieder hergestellt.

Am 4. November 1813 war der Herzog von Cumberland, der spätere König Ernst August, in die befreite Stadt eingezogen und nahm sie wieder in Besitz. Aber nicht dieser, sondern sein jüngerer Bruder Adolph Friedrich, Herzog von Cambridge, wurde vom Prinzregenten (ab 1820 König Georg IV.) zum Generalgouverneur der Hannoverschen Lande ernannt. Das wurde im Kurfürstentum mit großer Genugtuung empfunden; denn Adolph Friedrich war dort sehr beliebt. Am 19. Dezember 1813 traf er in Hannover ein.

Es stellt sich hier zu Recht die Frage, warum mit Adolph Friedrich das jüngste Kind Georgs III. für dieses Amt ausgewählt wurde und nicht der spätere König Ernst August. Der hatte sich doch als Militär bereits in den Befreiungskriegen einen Namen gemacht. In London befürchtete man jedoch, dass dieser energische Mann für die Regierung eine Gefahr bedeuten könnte. So sah man in Adolph Friedrich das „kleinere Übel“. Sollte der doch in Hannover nur repräsentieren, aber nicht regieren. Dessen Einzug in Hannover gestaltete sich geradezu triumphal. Der Hofmaler Johann Heinrich Ramberg hat diese Szene im Bild festgehalten (siehe Abbildung oben).

Seit Beginn der Personalunion mit England zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte sich das höfische Leben mehr und mehr nach London verlagert. Ein gewisser „Hofstaat“ existierte in Hannover zwar noch immer, war aber mehr und mehr zu einer bloßen Fassade degeneriert. Da Adolph Friedrich nun ständig hier anwesend war, sollten die alten Verhältnisse nun wieder neu belebt werden.

Freundlich und
zuvorkommend

Der Generalgouverneur wurde wegen seines unkomplizierten, gegen jedermann freundlichen und zuvorkommenden Wesens immer mehr zu einer populären Gestalt. Er bemühte sich, die Kluft zwischen der Hofgesellschaft und dem bürgerlichen Hannover zu verringern. Dazu wurden sogar Tanzgesellschaften veranstaltet, jedoch ohne eigentlichen Erfolg.

In politischer Hinsicht verliefen die letzten Jahre der Personalunion England-Hannover bemerkenswert ruhig. Als es im Jahre 1831 zu offenem Aufruhr – ausgelöst durch die Pariser Junirevolution 1830 – kam, ging man in Hannover wie gewohnt der täglichen Arbeit nach. Zeitgenossen führten das ganz wesentlich auf Adolph Friedrich zurück.

Als König Wilhelm IV. am 20. Juni 1837 starb, ohne Leibeserben zu hinterlassen, ging wegen der unterschiedlichen Thronfolgeregelungen auch die Personalunion mit England zu Ende. In England waren weibliche Angehörige der königlichen Familie gleichberechtigt, in Hannover trat eine weibliche Thronfolge erst dann ein, wenn keine männlichen Erben mehr vorhanden waren. So folgte in London Wilhelms Nichte in der Regierung, während das welfische Mutterland an seinen jüngeren Bruder Ernst August, Herzog von Cumberland, fiel.

In Hannover war bei aller Freude, wieder eine echte Residenzstadt zu werden, die Reaktion sehr verhalten; denn Ernst August war als erzkonservativ bekannt. Schon bei seinem Einzug in die Stadt am 28. Juni verhielt er sich taktlos. Mit dem Regierungsantritt Ernst Augusts wurde auch das Amt eines Vizekönigs überflüssig. Adolph Friedrich hatte hier keine Funktion mehr.

Sein Abgang wurde von der breiten Bevölkerung mit großem Bedauern registriert. Am 25. Juni 1837 nahmen Magistrat, Bürgervorsteher und Bürgerschaft Abschied von ihm bei einem Besuch im Schloss Monbrillant, um ihm noch einmal für sein langjähriges Wirken zum Wohle der Stadt zu danken. Bernhard Hausmann schreibt in seinen Erinnerungen (1873), beide Seiten seien bei diesem Abschiedstreffen so bewegt gewesen, „dass sie nur mit Mühe die Worte hervorbringen konnten.“ Am 4. Juli verließ Adolph Friedrich Hannover für immer. Noch 13 Jahre lebte er in London. Er starb am 8. Juli 1850. Als die Nachricht in Hannover eintraf, war dort die Trauer so groß, sodass man das Freischießen für dieses Jahr absagte. Adolf Meyer

Quellen:

Otto Bode, Aus der Geschichte von Gut Adolphshof, in: Lehrter Land & Leute Nr. 5, 1996

Klaus Mlynek und Waldemar R. Röhrbein: Geschichte der Stadt Hannover, Band 2, Hannover 1994, Seiten 277 ff.

Henning Rischbieter, Hannoversches Lesebuch, Band 1, Velber 1975

Wilhelm Rothert, Im alten Königreiche Hannover, Hannover 1914, Seiten20 ff.

5. A. de Montigny, Erinnerungen an der Herzog von Cambridge, in: Hannoverland 1910, Seiten 77 f.

Adolf Meyer Autor: Adolf Meyer, am 22.08.2013 um 22:22 Uhr
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