Als das Radio noch nicht erfunden war: Celler Männerchöre im Kaiserreich

Das Röhrenradio war im deutschen Kaiserreich noch nicht erfunden, das Grammofon mit Schallplatten als Tonträger kaum verbreitet. So war es nur natürlich, dass zur damaligen Zeit sehr viel mehr Menschen als heute Musik aktiv betrieben – auch im Kreis Celle. Teil 2 des Artikels setzt die Schilderung der Geschichte des M.G.V. Adelheidsdorf fort.

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Das Röhrenradio war im deutschen Kaiserreich noch nicht erfunden, das Grammofon mit Schallplatten als Tonträger kaum verbreitet. So war es nur natürlich, dass zur damaligen Zeit sehr viel mehr Menschen als heute Musik aktiv betrieben – auch im Kreis Celle. Teil 2 des Artikels setzt die Schilderung der Geschichte des M.G.V. Adelheidsdorf fort.

Am 10. Mai 1903 nahm der M.G.V. Adelheidsdorf erstmals an einem auswärtigen Sängerfest in Hänigsen teil. Grundsätzlich unterhielt der Verein gute Beziehungen zu seinen benachbarten Männerchören. So wurden zum Sommervergnügen am 30. August 1903 die Vereine Hänigsen, Schillerslage, Otze, Westercelle und Wathlingen zur Müggenburg eingeladen. Das Eintrittsgeld für die Mitglieder dieser Vereine betrug 50 Pf, für Fremde hingegen 1 Mark.

Im Verlauf der Generalversammlung vom 10. Oktober 1903 wurde ein neuer Vorstand gewählt, und zwar unter anderem Karl Nabe als Vorsitzender und Wilhelm Hamborg als Vize-Vorsitzender. Die Abholung des Dirigenten übernahmen künftig die Mitglieder, die Pferde besaßen, gemeinschaftlich gegen eine Vergütung von jeweils 50 Pfennig.

Sein zehnjähriges Bestehen feierte der M.G.V. Adelheidsdorf am 5. und 6. Juni 1910 mit einem größeren Fest, zu dem die Nachbarvereine Nienhagen, Hänigsen, Wathlingen, Groß Eicklingen, Thalia-Celle, Otze, Wettmar, Wienhausen, Bröckel, Westercelle und Höver bei Ahlten eingeladen wurden. „Als Chorlied wurde ‚Wie ein stolzer Adler’ gewählt.“ Abgehalten wurde das Sängerfest bei dem Vereinsmitglied Heinrich Garbe in Müggenburg. Die zwei Zelte wurden von ihm als Festwirt gestellt. Am 30. September 2005 wurde der seit 1974 ruhende Verein im Rahmen einer Feierstunde „mit Pauken und Trompeten“ aufgelöst.

Chorgemeinschaft
MGV Ahnsbeck

Die Chorgemeinschaft MGV Ahnsbeck e.V. von 1886 ist die älteste Vereinigung in Ahnsbeck. Ein Rechnungsbuch aus dem Jahre 1894 und ein Protokollbuch von 1927 sind erhalten geblieben.

Am 16. März 1886 wurde der Verein von 36 sangesfreudigen Männern gegründet. Ein Gründungsprotokoll ist nicht vorhanden. Folgender Eintrag wurde in dem in der Samtgemeinde Lachendorf gelagerten ersten Teil der Schulchronik seinerzeit vorgenommen: „1887. 22ten Februar feierte der hiesige Männergesangverein Fahnenweihe und Stiftungsfest.“

Als erster Dirigent übernahm der 1826 in Gandersheim/Herzogtum Braunschweig geborene Schullehrer Georg Wilhelm Degenhardt von 1886 bis 1890 den Verein. Die Singabende fanden in der 1799 erbauten Schule beim Schein der Petroleumlampen statt. Erster Vorsitzender war der Brinksitzer Wilhelm Seevogel, der sein Amt bis 1888 versah.

Willi Gellermann wurde 1888 zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Er blieb bis 1909 in diesem Amt. Gellermann war 32 Jahre Gemeindevorsteher der Gemeinde Ahnsbeck und ein großer Förderer des Vereinswesens.

Am 26. und 27. Mai 1895 fand in Langlingen ein Sängerfest statt. Unter den sechs anwesenden Gesangvereinen war auch der Männergesangverein Ahnsbeck. Die „Cellesche Zeitung“ berichtete am 31. Mai 1895: „(Langlingen.) Am 26. und 27. Mai fand hier das Sängerfest statt. Es waren 6 Vereine erschienen, und zwar die Gesangvereine Seershausen, Ahnsbeck, Meinersen, Müden, Helmerkamp und Wienhausen. Das Fest nahm einen guten Verlauf. Nach dem Umzuge durch die reich mit Flaggen und Girlanden geschmückten Straßen hielt Lehrer Schepelmann die Festrede. Den Konzert- und Gesangvorträgen schloss sich ein Ball an, der bis zur Morgenstunde die Teilnehmer zusammenhielt.“

Schullehrer Wilhelm Beus (1876-1932) übernahm nach seiner Einführung in der Kapelle zu Ahnsbeck am 30. Juli 1899 die Leitung des Männergesangvereins Ahnsbeck. Nun entstand neben dem Männergesangverein noch ein gemischter Chor. Auch hier übernahm Lehrer Beus die Leitung. Aus der Zeit des gemischten Chores liegen noch handgeschriebene Noten vor.

Am 2. Juni 1907 fuhren die Ahnsbecker Sänger mit dem Leiterwagen zum Sängerfest nach Oppershausen, wo der Männergesangverein Oppershausen sein 25-jähriges Bestehen mit einem Sängerfest beging. Mit im Gepäck war „Vaterlands Gruß“.

Am 9. Juli 1911 nahm der Männergesangverein Ahnsbeck mit 31 Personen am Sängerfest in Müden teil. Drei Gespanne brachten die fröhlichen Sänger ans Ziel. 1912 spannte Sangesbruder Willi Piening an und fuhr mit voll besetztem Wagen zum fröhlichen Singen nach Offensen. Im Jahre 1913 stellte der frühere 1. Vorsitzende Willi Gellermann ein Gespann, um zum Singen nach Flettmar zu fahren. Für die Teilnahme am Sängerfest in Garßen wurden wieder zwei Gespanne benötigt.

Männergesangverein Beedenbostel

Über den ältesten aller hiesigen Männerchöre, den Männergesangverein Beedenbostel, ist heute nicht viel mehr bekannt, als was eine kleine Broschüre zum 100-jährigen Stiftungsfest im Jahre 1955 preisgibt. Und obwohl es ihn gab, kam der Lehrer-Gesangverein aus Celle 1857 nach Beedenbostel, um in der Kirche ein Benefizkonzert zu geben. Darüber berichtet die „Neue Zeitschrift für Musik“ in ihrer Ausgabe vom 19. Juni 1857: „(Tagesgeschichte) Musikfeste, Aufführungen. Der Celler Lehrer-Gesangverein feierte unter Leitung seines Direktors H. W. Stolze am 2. Juni d. J. in der Kirche zu Beedenbostel ein Gesangfest zum Besten der Armen in der gleichnamigen Parochie, welches zahlreich besucht war und allgemeinen Beifall fand.“ Der Stadt- und Schlossorganist und Gesanglehrer des Gymnasiums und der höheren Töchterschule in Celle Heinrich Wilhelm Stolze (1801-1868) hatte in Celle bereits am 31. Oktober 1827 einen Singverein für gemischten Chor und am 7. Dezember 1841 „einen besondern Lehrer-Gesangverein für Männerstimmen“ gegründet.

Sänger in Bergen gründen Chor 1874

„Wo man singt, da lass dich nieder, böse Menschen haben keine Lieder.“ Dieser Spruch zierte das Lokal, in dem erstmals die Lieder der Berger Sänger ertönten. Der Männergesangverein Bergen wurde 1874 vom damaligen Präzeptor Meyer gegründet, nachdem er am Berger Bach an der Bahnhofstraße junge Leute beim Singen gehört hatte. Ihm gefiel der vierstimmige Gesang, so gesellte er sich zu ihnen und bat, mitsingen zu dürfen. Nach einem Streit gründeten einige Mitglieder im Jahre 1896 unter dem Namen „Neue Liedertafel“ einen neuen Verein. 1928 erfolgte die Wiedervereinigung unter dem alten Namen.

Männergesangverein Cellensia

Am 9. August 1907 versammelten sich 36 sangesfreudige und -willige Männer in der Gaststätte W. Homann am Celler Güterbahnhof, um den „Männergesangverein Cellensia“ zu gründen. Diese Sänger waren aus dem seit 1906 bestehenden „Eisenbahngesangverein Heideblume“ hervorgegangen. Eine solche Gründung lag im musikalischen Trend der Zeit, die unter anderem von den Liedern Franz Schuberts und von der Wandervogelromantik der Jugendbewegung beeinflusst war.

Im Jahre 1912 erfolgte die Fahnenweihe. Dazu verlautete am 8. Juli 1912 in der Celleschen Zeitung: „Der Männergesangverein Cellensia beging gestern bei herrlichem Wetter sein 6. Stiftungsfest und die Fahnenweihe. An dem zu dem Zwecke veranstalteten stattlichen Festzuge nahmen 11 Fahnen teil. Die Straßen, durch welche sich der Zug bewegte, besonders die Neustadt, waren mit Fahnen und Girlanden reich beschmückt. Der Weiheakt wurde auf dem großen freien Platze vor dem ‚Heesekrug’, dem Vereinslokal, vollzogen.“

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die sich im mehrmaligen Wechsel der Vereinsführung und der musikalischen Leitung ausdrückten, hatte sich der Verein so weit gefestigt, dass er im Jahre 1913 dem „Verband Niedersächsischer Männergesangvereine von 1902“ und damit dem übergeordneten Deutschen Sängerbund beitrat.

„Teutonia“ Helmerkamp 1885 gegründet

Über den 1885 gegründeten Gesangverein „Teutonia“ Helmerkamp ist nicht viel bekannt, da er nur kurze Zeit bestand. Lehrer H. Harms hatte noch gar nicht lange am Ort unterrichtet, da erhielt er bereits das Dirigat des neu gegründeten Gesangvereins.

Zum Präsidenten wurde der Vollhöfner (Interimswirt) Lüßmann gewählt. Da sich der Verein als lebensfähig erwies, wurde eine Vereinsfahne angeschafft und bei der Beteiligung am Sängerfest Oppershausen zum ersten Male benutzt.

Als Lehrer Harms nach fünf Jahren ging, trat Heinrich Voß in dessen Fußstapfen. Dennoch trat bald eine Ruhepause ein. Heinrich Brüggemann, selbst offensichtlich nicht sonderlich musikalisch, notierte in der Schulchronik: „Es bestand nur dem Namen nach ein Gesangverein. Im Jahre 1894 erst begannen wieder die Übungen, gediehen so weit, dass der Verein teilnehmen konnte am Sängerfeste Langlingen.“

Am 26. und 27. Mai 1895 fand in Langlingen ein Sängerfest statt. Unter den sechs anwesenden Gesangvereinen war auch der Männergesangverein Helmerkamp.

Männergesangverein Hermannsburg

Der Männergesangverein Eintracht Hermannsburg wurde am 25. September 1888 gegründet. Gründer und Vorsitzender war Friedrich Siekmann, Schuhmachermeister zu Hermannsburg. Zunächst wurden Volks- und vaterländische Lieder gesungen.

Gesangverein
Nienhagen

Die Aktenlage zum Gesangverein Nienhagen ließe die Herausgabe eines Buches im Umfang einer Dorfchronik zu. Der Gesangverein Nienhagen wurde am 3. Juni 1906 als Männergesangverein gegründet. Dem Verein, der damals schon eine bedeutende Rolle in Nienhagen spielte, gehörten im Gründungsjahr 43 Männer an.

Matthias Blazek

Fortsetzung folgt

Matthias Blazek Autor: Matthias Blazek, am 13.09.2013 um 21:13 Uhr
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