Als das Radio noch nicht erfunden war: Celler Männerchöre im Kaiserreich Teil 3

Die Fahne des Gesangvereins Thalia Celle aus dem Jahr 1882. Foto: Anton Weiß

Das Röhrenradio war im deutschen Kaiserreich noch nicht erfunden, das Grammofon mit Schallplatten als Tonträger kaum verbreitet. So war es nur natürlich, dass zur damaligen Zeit sehr viel mehr Menschen als heute Musik aktiv betrieben – auch im Kreis Celle. Teil 2 des Artikels setzt die Schilderung der Geschichte des Gesangsvereins Nienhagen fort.

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Das Röhrenradio war im deutschen Kaiserreich noch nicht erfunden, das Grammofon mit Schallplatten als Tonträger kaum verbreitet. So war es nur natürlich, dass zur damaligen Zeit sehr viel mehr Menschen als heute Musik aktiv betrieben – auch im Kreis Celle. Teil 2 des Artikels setzt die Schilderung der Geschichte des Gesangsvereins Nienhagen fort.

Das erste Protokollbuch beginnt mit einem Mitgliederverzeichnis (28 aktive Mitglieder zu Beginn). Folgender Vorstand wurde zu Beginn gebildet:

1. Vorsitzender: Julius Albrecht

Dirigent und 2. Vorsitzender: Lehrer Hermann Röhling

1. Schriftführer: Carl Runge

2. Schriftführer Hermann Heuer

Rechnungsführer Carl Gehrke

Kassierer Friedrich Schulze.

Gesangverein Thalia
aus Celle

Der Volkschor Thalia Celle ist aus einem Männergesangverein hervorgegangen. Die Mitglieder mussten in der Anfangszeit ehrbar und unbescholten sein und mindestens einen Leumund haben. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in der Herzogstadt Celle die ersten Gesangvereine gegründet. Es waren die Liedertafeln „Euterpe“ und „Orpheus“, deren Mitglieder überwiegend aus Bürgern des Mittelstandes kamen. Die Arbeiterschaft zeigte dagegen wenig Neigung zur Pflege des Männergesangs. Erst im September des Jahres 1881 fand sich eine kleine Schar von sangeslustigen Bewohnern der „Neustadt“ zusammen, um Statuten für die Gründung eines Gesangvereins zu erstellen.

Erster Dirigent des Vereins war der Hauptlehrer Heinrich Dreyer (1833-1911), der bereits in kurzer Zeit durch Auftritte bei Gesangsveranstaltungen Erfolge errungen hat.

Zu den Vereinsgründern zählen laut dem Journal des Gesangvereins Thalia vom Oktober 1881 Heinrich Keucher, Adolf Wisch, Louis Dümeland, Heinrich Cammann, Friedrich Keucher und Hans Völker. An anderer Stelle wird später auch Adolf Schulz zu den Mitbegründern gezählt. 1921 nahmen noch zehn Mitbegründer am 40. Stiftungsfest teil.

Erster Vereinsvorsitzender war ab 1881 der Tischlermeister Wilhelm Heindorff, Neustadt 23.

Am 29. und 30. Juli 1906 richtete der Gesangverein „Thalia“ zur Feier seines 25-jährigen Bestehens in den Zelten unter den Neustädter Eichen und im Vereinslokal Neustädter Schützenhof unter freundlicher Mitwirkung von 23 Gesangvereinen sowie des Radfahrervereins „Stern“ und des Arbeiter-Turn-Vereins Celle ein Sängerfest aus.

Männergesangverein
Nienhof

Wir öffnen das Protokollbuch des Männergesangvereins Nienhof, welches seit der Gründung vorbildlich geführt worden ist. Weitsichtig hatte man sich damals entschieden, zunächst die Statuten vom 2. September 1906 niederzuschreiben. Paragraf 2: „Jeder ohne Unterschied des Standes kann entweder als aktives oder passives Mitglied nach den weiter unten gegebenen Bestimmungen aufgenommen werden.“

Die Gründung fand in der Gastwirtschaft von Wilhelm Cassel (heute Duda) statt. 24 Aktive und acht Passive wurden in die Mitgliederliste eingetragen. Der 27-jährige Lehrer Louis Krüger wurde der Dirigent der ersten Stunde. Heinrich Linneweh wurde als Vergnügungs-Präsident gewählt (er war nicht Vorsitzender), Heinrich Baars als Schriftführer und die Passiven Wilhelm Veth und Friedrich Surburg als Beigeordnete. Wilhelm Veth war seit 1895 Gemeindevorsteher von Nienhof.

Männergesangverein Wathlingen

Offenbar hatten 1870 schon einmal einige Männer einen Gesangverein gegründet. Ernst Heinrich Dürkopf, geboren 1822 in Ribbesbüttel und von 1851 bis 1890 als Schullehrer in Wathlingen, hatte ihn aus der Taufe gehoben. Der abendliche Besuch der Übungsstunden wurde aber mit der Zeit derart gering und unregelmäßig, dass sich der Verein wieder auflöste.

Georg Breling war von 1891 bis 1898 der Lehrer im Dorfe. Auf Anregung des Kötners Fritz Köther hin übernahm er im September des Jahres 1892 die Gründung des Männergesangvereins, nachdem eine Reihe stimmgewaltiger Sänger diese Anregung aufgegriffen und ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt erklärt hatten. Gelegentlich einer Zusammenkunft aus anderem Anlass, bei der diese Frage wieder aufgeworfen wurde, gab Georg Breling, damals 23 Jahre alt, der Sache den ersten Schwung mit der Aufforderung: „Wer Lust zum Bölken hat, komme nächsten Sonntagnachmittag in die Schule!“ Und die Wathlinger hatten Lust, denn etwa 40 Sänger oder besser gesagt, solche, die es werden wollten, erklärten ihre Zustimmung, und so kam tatsächlich die Gründung des Vereins zustande.

Die erste Niederschrift der Statuten mit der Einverständniserklärung der Mitglieder datiert vom 8. Oktober 1892. Wir dürfen deshalb diesen Tag als den Gründungstag des Männergesangvereins Wathlingen ansehen. Als Gründer werden 46 aktive und 15 passive Mitglieder im Anhang zu den Statuten gezählt, ganz gewiss für Wathlingen eine starke Beteiligung und ohne Zweifel ein Beispiel dafür, dass Interesse für den Chorgesang bei den Wathlingern vorhanden war. Am 2. Juni 1907 führte der Männergesangverein Oppershausen sein 25-jähriges Bestehen durch. Der Gesangverein Wathlingen war zu Gast und sang die gemütliche „Frühlingsklage“ von Joseph Kreipl (Heims Sammlung von Volksgesängen für den Männerchor, Seite 261).

Männergesangverein Wiedenrode

Im Jahre 1901 wurde durch den neu eingestellten Lehrer Otto Mull (aus Wienhausen stammend) ein Männergesangverein gegründet. Es wurden strenge Statuten aufgestellt, die noch im Original im Dorfmuseum in Langlingen vorhanden sind. 1911 beging man mit zahlreichen Sängern und Besuchern das zehnjährige Bestehen mit Einweihung einer Fahne. Vom Schullehrer konnte man Musikalität erwarten. Johann Behrmann, der von 1907 bis 1914 an der Schule in Wiedenrode unterrichtete, begleitete den Gesangverein mit der Geige. An dem 45-jährigen Stiftungsfest des Männer-Gesangvereins Wienhausen, das am 18. und 19. Mai 1913 ausgetragen wurde, nahm der Männergesangverein Wiedenrode teil, wie das Festprogramm ausweist, und zwar mit dem Lied „Wo Mut und Kraft in deutscher Seele flammen“.

Der Männergesangverein Wiedenrode nahm neben dem benachbarten Verein aus Bröckel am Kirchenkonzert in Bröckel am 19. Oktober 1913 teil. Dort wurden die Lieder „Bitten“ (Ludwig van Beethoven), „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ (Beethoven) und „Gib dich zufrieden und sei stille“ (Johann Sebastian Bach) gesungen.

Männergesangverein
Wienhausen

Als der Männergesangverein Wienhausen im Jahre 1868 gegründet wurde, war das die erste Vereinsgründung ihrer Art im Kirchspiel. Mitglied konnte nur werden, wer Wienhäuser Bürger war, mindestens ein Jahr im Dorf gewohnt hatte und sich mit dem Volksgesang verbunden fühlte. Neben etwa 30 aktiven Sängern gab es auch passive Mitglieder, zu denen unter anderem der Pastor, der Arzt und der Apotheker gehörten. Das Vereinslokal war von 1880 bis 1909 im Hause des Zimmermanns Sander. Der Hausherr bekam für den Abend eine halbe Mark als Vergütung. Dafür musste er zwei Petroleumlampen brennen und den Ofen heizen lassen.

Am 27. Juni 1886 veranstaltete der Männergesangverein in Wienhausen ein Sängerfest. Es war das erste in dieser Weise arrangierte ländliche Sängerfest, das vom herrlichsten Wetter begleitet war. Die Einwohner von Wienhausen hatten alles aufgeboten, um ihren Gästen den Aufenthalt im Orte so angenehm wie möglich zu machen. Matthias Blazek

Literatur:

Kuhnigk, Armin M., Die 1848er Revolution in der Provinz am Beispiel des Kreises Limburg-Weilburg, Camberger Verlag, Ulrich Lange 1980.

Gatter, Frank Thomas, Die Chorbewegung in Norddeutschland 1831 bis 2006 – Von den Vereinigten Norddeutschen Liedertafeln bis zum Chorverband Niedersachsen-Bremen 1831-2007, Lilienthal/Bremen 2007.

NN, Organisation des Männerchorgesanges in Deutschland bis 1914, orpheus-choere.de/vmgv/index.php?id=23.

Ruhsam, Julius, Das große Deutsche Sängerfest in Nürnberg den 20., 21., 22. und 23. Juli 1861, Annaberg 1861.

Cassel, Clemens, Geschichte der Stadt Celle in zwei Bänden, mit besonderer Berücksichtigung des Geistes- und Kulturlebens der Bewohner, Celle 1930 und 1934, Zweiter Band, Celle 1934.

Schneider, Gerhard, Politische Feste in Hannover (1866-1918), Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1995.

Friedrich, Florian, Leben in Celle, Die Reihe Archivbilder, Sutton, Celle 2009.

Blazek, Matthias, M.G.V. Adelheidsdorf 1899 gegründet / Männergesangverein bestand knapp 75 Jahre – In den ersten zwei Jahren wurden Strafgelder für das Fernbleiben bei „Bierabenden“ erhoben, Sachsenspiegel 24, CZ vom 12. Juni 2004.

Blazek, Matthias, Unter Punkt „Verschiedenes“ wurde beschlossen: „Der Dirigent soll beitragsfrei bleiben“ – Männergesangverein Nienhagen 1906 gegründet / Beginn mit 34 aktiven und acht fördernden Mitgliedern, Sachsenspiegel 14, CZ vom 8. April 2006.

Blazek, Matthias, Der Celler Gesangverein „Thalia“ im Deutschen Kaiserreich – In Celler Neustadt im Jahr 1881 gegründet / Nach Erstem Weltkrieg weitergeführt, Sachsenspiegel 24, CZ vom 15. Juni 2013.

Blazek, Matthias, Vereinsleben in Wathlingen im 19. Jahrhundert / „Wer Lust zum Bölken hat, komme in die Schule“ – Männergesangverein (MGV) war ältester Verein der Gemeinde (1892-2001) Sachsenspiegel 23, CZ vom 10. Juni 2006.

Blazek, Matthias, 1901 gegründet und nach 30 Jahren aufgelöst: Der Männergesangverein Wiedenrode – 1911 wurde mit zahlreichen Sängern und Besuchern das 10-jährige Bestehen mit Einweihung der Fahne gefeiert, Sachsenspiegel 38, CZ vom 23. September 2006.

Matthias Blazek Autor: Matthias Blazek, am 20.09.2013 um 20:31 Uhr
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