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Flüchtlinge gehören zu Celler Geschichte

Oft waren es nur wenige Dinge wie eine Flasche Himbeeersaft, die nach dem Krieg in Flüchtlingswohnungen an die alte Heimat erinnerten. Foto: Alex Sorokin

Rund 10.000 Menschen starben 30. Januar 1945 in der eiskalten Ostsee, als sie auf der völlig überfüllten „Wilhelm Gustloff“ in die Freiheit flüchten wollten und in einen Torpedohagel gerieten. In den letzten Wochen ertranken Hunderte Flüchtlinge zwischen Tunesien und Lampedusa im Mittelmeer, weil auch ihre Schiffe völlig überfüllt und der menschlichen Last nicht gewachsen waren. Schiffe und Situation sind unterschiedlich, aber die Motive sind kaum verändert, und die Menschen sind die Gleichen geblieben: Es sind Flüchtlinge, ob freiwillig oder unter Zwang. Das Bomann-Museum verdeutlicht in seiner neu gestalteten Abteilung „Migration und Integration im Celler Land“, dass solche menschlichen Katastrophen nicht immer nur „ganz weit weg“ geschehen.

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CELLE. Die Ausstellung konfrontiert die Besucher am Beispiel der hugenottischen Glaubensflüchtlinge des 17. Jahrhunderts, der Flüchtlinge und Vertriebenen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs in die Region verschlagen worden sind, und der êzidisch-kurdischen Flüchtlinge in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit den Erfahrungen, die betroffene Menschen zu unterschiedlichen Zeiten mit Heimatverlust und dem Einleben in der Fremde gemacht haben. Vom Hofpagenmeister seiner Zeit über Handwerker bis zum Wissenschaftler wird das Leben und Wirken, aber auch die Akzeptanz „aus der Fremde“ gekommener Mitmenschen beispielhaft dokumentiert. Und da stellt sich durchaus gelegentlich die Frage, wer fremd und wer hier zu Hause ist. Etwa in einem an der Hörstation abrufbaren Interview mit Naif Ekinci, der vor rund fünfzig Jahren als erster Gastarbeiter nach Celle kam. Dabei ist auch gut herauszuhören, wie der schleichende „Status“-Wechsel vom willkommenen Gastarbeiter zum Asylsuchenden der heutigen Tage empfunden wird.

In einem gesonderten Seminarraum werden zukünftig Filmvorführungen und Diskussionen zum Thema „Flucht und Vertreibung“ stattfinden, vornehmlich für Schulklassen. Die ringsum präsentierten Texttafeln, Fotodokumente und Exponate – darunter Erinnerungsstücke an „zu Hause“ wie die Flasche Himbeersirup einer damals Neunjährigen aus Ostpreußen, aber auch Personaldokumente und authentisches Fluchtgepäck wie alte Koffer und Handwagen – erzählen stumme und nachdenklich stimmende Geschichten. Ebenso wie die anschaulich inszenierten Lebenssituationen Betroffener, die in einer nachgestellten Notunterkunft besonders deutlich werden.

Rolf-Dieter Diehl

Rolf-Dieter Diehl Autor: Rolf-Dieter Diehl, am 25.10.2013 um 11:05 Uhr
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