Hof als Ein-Mann-Betrieb

Heike und Helmut Behrens sind zufrieden, denn sie können ihren Betrieb weitestgehend ohne fremde Hilfe bewältigen. Foto: Lothar H. Bluhm

Auf die Zucht von Fleischrindern hat sich der Betrieb von Helmut Behrens in Dasselsbruch spezialisiert. Vor rund 75 Jahren kam seine Familie einst in den Süden Celles, der Betrieb vergrößerte sich dabei von Jahr zu Jahr. Heute umfasst er eine Fläche von 102,5 Hektar. Die Behrens setzten bei der Bewirtschaftung auf ein umfassendes Konzept – das Futter produzieren sie selber und auch für den Mist haben sie eine clevere Lösung gefunden.

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DASSELSBRUCH. Täglich sorgt Helmut Behrens mit Füttern und zweimal richtigem Einstreu dafür, dass sich seine 300 Mastbullen wohlfühlen. Seit fünf Jahren hat er mit rotbraunem Fleckvieh, Uckermärker, Charolais und Limousin Fleischrinder im Stall stehen, die sich sehr gut zur Mast eignen und eine wirtschaftliche Fleischproduktion ermöglichen.

„Doch, doch“, steht für Heike (44) und Helmut Behrens (49) sind zufrieden, denn sie können ihren Betrieb weitestgehend ohne fremde Hilfe bewältigen. Und das ist dem Dasselsbrucher Ehepaar wichtig, seit sie allein für den Hof verantwortlich sind.

Behrens leben seit 75 Jahren in Dasselsbruch

Vor 75 Jahren wurden die aufgesiedelten Flächen des ehemaligen Dasselsguts von der Hannoverschen Siedlungsgesellschaft als Hofstellen an neue Besitzer übergeben. Familie Behrens kam aus Tiste bei Sittensen, wo sie einen Pachthof bewirtschaftet hatte. Sie bezog dann mit ihren drei Kindern das ehemalige Inspektorenhaus des Gutes. „Am 6. Mai 1937 kam meine Familie nach Dasselsbruch“, erinnert sich Altenteiler Helmut Behrens senior (83) an die Anfänge, während er in der Küche Kartoffeln schält. „Schon seit 1935 hatte mein Vater nach einem geeigneten Hof Ausschau gehalten. Auf einem offenen Lkw waren dann Möbel und Hausrat verstaut worden und ich saß als Achtjähriger während der Fahrt neben meinem Opa auf einem Sofa auf der Ladefläche.“

Der Betrieb vergrößerte sich von 34,5 Hektar im Jahr 1937 auf 74 Hektar Eigen- und Pachtland 1987. „Heute haben wir eine Betriebsfläche von insgesamt 102,5 Hektar“, beschreibt Sohn Helmut Behrens den Hof. Nach der landwirtschaftlichen Lehre arbeitete Behrens auf dem elterlichen Betrieb. „Ich bin von Kindheit an mit der Landwirtschaft verbunden und führe unseren Hof jetzt in der dritten Generation“, sagt Helmut Behrens junior, der 1987 die Verantwortung übernahm und 1994 seine Prüfung als Landwirtschaftsmeister absolvierte.

Fleischrinder
statt Milchvieh

2007 wurde die Milchviehhaltung aufgegeben und die Halle mit dem Tretmiststall ohne Spaltenboden für 300 Mastplätze für Bullen gebaut. „Das sind alles echte Fleischrinder, die sich sehr gut zur Mast eignen“, zeigt er auf die braunen Tiere mit dem zotteligen Fell. Sie kommen im Alter von etwa sieben Monaten auf den Hof und bleiben zehn bis zwölf Monate in Dasselsbruch, bevor sie mit 700, 800 Kilo an die Viehzentrale Südwest abgegeben werden. „Einige Tiere gehen auch an den Celler Fleischhandel und werden dann hier in der Region von dem zertifizierten Fleischereibetrieb von Mario Klos in Nienhagen verarbeitet.“ Am nächsten Montag geht wieder eine Partie von etwa 28 Tieren weg.

„Die Auswahl trifft der Chef“, ergänzt Heike Behrens. Der Chef verhandelt auch die Preise, während die Chefin sich um die ganze Administration kümmert. Da müssen Lieferscheine zur Lebensmittelsicherheit ausgefüllt werden, jede einzelne Ohrmarke muss notiert, jeder Pass für das Tier beigefügt und die tierärztliche Betreuung dokumentiert werden. Jedes gekaufte und verkaufte Tier muss in der Datenbank gemeldet werden. Acht bis zehn Mal im Jahr werden Bullen verkauft. „Gut dass mir meine Teilzeitstelle als Industriekauffrau bei Hostmann-Steinberg den zeitlichen Spielraum lässt“, sieht Heike Behrens auch den Stoßzeiten im eigenen Betrieb gelassen entgegen.

Nach dem Abitur 1987 hat sie in dem Unternehmen die Ausbildung zur Industriekauffrau gemacht. Eigentlich sei ja die Feuerwehr schuld gewesen, dass sie ihren Nachbarn Helmut nach einem Kameradschaftsabend kennengelernt hat und die beiden sieben Jahre später geheiratet haben, sagt die 44-Jährige.

Seit 1982 gehört Helmut Behrens der Freiwilligen Feuerwehr Großmoor an, seit 1999 als Ortsbrandmeister. Heike Behrens ist seit 2011 wieder Mitglied im Gemeinderat Adelheidsdorf, nachdem sie schon 1996 bis 2006 ein Mandatsträgerin war.

Hof produziert
das Futter selbst

Unterdessen beschreibt er Landwirtschaftsmeister Behrens seine Arbeit: „Ich bin dafür zuständig, dass die Tiere gutes Futter bekommen – und das produzieren wir alles selbst im Betrieb.“ Die Mastergebnisse in QS-Qualität sprechen für sich. Zu dem Konzept des Hofes gehört auch, dass der gesamte Mist aus dem Bullenstall zu einer benachbarten Biogasanlage geliefert und das Gärsubstrat anschließend wieder zur Düngung gefahren wird. Eine Steigerung der Anzahl der Tiere ist derzeit nicht vorgesehen, sie würde zusätzliches Personal erfordern. „Wir haben den Hof aber auf einen Ein-Mann-Betrieb umstrukturiert und uns Stück für Stück so aufgestellt, wie wir jetzt sind: Das bleibt auch erstmal so“, steht für Helmut Behrens fest.

Der älteste Sohn Henrik hat nach seinem Abitur die landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Hof Pahls in Oppershausen begonnen und ist jetzt bei Rabe in Weesen. Nach seinem Abschluss im Sommer 2013 plant er ein landwirtschaftliches Studium. Ob es danach zu einem Einstieg in dem elterlichen Betrieb kommt, muss abgewartet werden. Dass der jüngere Sohn Hagen (18) auf dem Hof bleibt, ist unwahrscheinlich, denn er macht momentan eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Saturn in Celle.

Lothar H. Bluhm

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 01.11.2013 um 16:16 Uhr
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