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Im Kuh-Club in die Zukunft

Anette Otte und ihr Mann Walter vor dem Hauptgebäude ihres Hofes sowie bei der Stallarbeit gemeinsam mit Walter Otte senior. Foto: Udo Genth

Für die Fußballfans Walter Otte aus Eversen und Peter und Paul Rabe aus Sülze war der Name für ihre 2009 gegründete GbR naheliegend: Sie wirtschaften gemeinsam im Kuh-Club Schwarz-Bunt, womit klar ist, dass es in diesen Betrieben die Milch macht. Rund 730 Rinder, darunter 150 Mastbullen und 320 Milchkühe, sind in den Betrieben zu Hause. Mit der Gesellschaftsform sehen sich die Bauern gut aufgestellt für die Zukunft.

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EVERSEN. Es gibt mehrere Vereine in Deutschland, die den Namen „KC Blau-Weiß“ haben. Es sind – meist – Kegelvereine. In Eversen gibt es jedoch eine Vereinigung, die nennt sich „KC Schwarz-Bunt“. Eigentlich besteht der Verein in den beiden Ortsteilen Eversen und Sülze, deren Bevölkerungen ansonsten ihre gegenseitigen Animositäten humorvoll pflegen, zumindest während der jeweiligen Schützenfeste. Genau genommen hat dieser KC auch gar keinen sportlichen Hintergrund, sondern ist eine GbR, also eine „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“, ein wirtschaftlicher Zusammenschluss.

Walter Otte aus Eversen und Peter und Paul Rabe aus Sülze haben die GbR als Gesellschafter am 1. Januar 2009 gegründet – mit dem Zweck, gemeinschaftlich Rindvieh zu halten und zu züchten sowie Tiere und Milch zu vermarkten. „Wir sind Fußballfans und da kam uns die Idee, unsere Gesellschaft ‚Kuh-Club Schwarz-Bunt‘ zu nennen“, erläutert Walter Otte die etwas eigenwillige Bezeichnung. Im Übrigen sind derartige Gesellschaften heute in weiten Kreisen der Landwirtschaft keineswegs selten.

Nicht nur auf eigener Scholle wirtschaften

Die Zeiten, da die Bauern lediglich „auf eigener Scholle“, wie es lange Zeit verklärend hieß, ackern, gehören weitgehend der Vergangenheit an. Die Technik hat bereits in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts ihren Einzug in die Dörfer gehalten und das bäuerliche Leben nahezu revolutioniert. Heute ist Land-Technik absolut normal, und in den Büros der Bauern stehen selbstverständlich Computer. Damit sind gleichfalls neue Formen der Zusammenarbeit eingekehrt.

Walter Otte bewirtschaftet einen Hof im Ortskern von Eversen. Der wird von der Bevölkerung nach früheren Besitzern noch vielfach „Röhrs-Hof“ genannt. Der letzte Hoferbe war im Krieg gefallen und so übernahm 1957 Walter Otte, der Vater des jetzigen Besitzers, den Hof und gab ihn vor 20 Jahren an seinen Sohn weiter. Der Anfang war beschwerlich, denn damals standen nur zwei Rinder in den Stallungen. Heute floriert die GbR, deren eine Säule der Otte-Hof ist. „Unser Hauptaugenmerk sind Kühe“, sagt Werner Otte.

Die Milch macht‘s
in der GbR

Die Milch bringt derzeit die Hauptmasse der Gesellschafts-Einnahmen. Das war schon vorher auf dem Otte-Hof so. Verständlich, weil es rings um Eversen wenig gutes Ackerland gibt, aber viel Grünland. Genauso liegen die Verhältnisse im benachbarten Sülze, und deshalb setzt man auch auf dem Sülzer Rabe-Hof auf Rindvieh. Otte hat in die GbR rund 200 Hektar Land und seine Rindviecher eingebracht, so dass der KC Schwarz-Bunt insgesamt rund 730 Rinder besitzt, darunter 150 Mastbullen und 320 Milchkühe.

Kühe und Kälber stehen in Ottes Ställen, die anderen Tiere dagegen in Sülze – die Gründe sind ökonomischer Natur.

Ein größerer Tierbestand lässt einen rationelleren Arbeitskräfte- und Maschineneinsatz zu. So wurde vor vier Jahren ein neuer Melkstall mit moderner Futtertechnik eingerichtet. „Das bedeutete eine große Investition und war nur unter den Bedingungen unserer Gesellschaft zu vertreten“, meint Walter Otte. Darum tragen auch die Tiere heute Technik: Am Bein gibt es ein elektronisches Bauteil, das vom Futterautomaten ausgelesen werden kann, der danach die Zuteilung steuert und als Grundlage für die Dokumentation festhält. So tragen die Kühe nicht nur in jedem Ohr eine Kennmarke, wie es die EU vorschreibt, sondern darüber hinaus noch ein weiteres unverwechselbares Merkmal. Das Band mit den großen Zahlen, das zusätzlich um den Hals der Rinder hängt, ist nicht digital, sondern klassisch analog. Die Zahlen ersetzen die Namen, denn bei der Größe der Herde, wie sie beispielsweise in den Ställen der „KC Schwarz-Bunt“ stehen, verbieten sich individuelle Namen.

Bauer kennt Eigenarten der meisten Tiere

Dennoch kenne er die meisten der Tiere und ihre Eigenarten, behauptet Walter Otte bei einem Gang durch einen der Ställe. „Die hier sind in Urlaub“, sagt er und deutet auf etwa 20 Tiere. Sie sind abgesondert und werden nicht gemolken. Die werden bald kalben, lautet die Erklärung. In einem anderen Stall stehen die Kühe, bei denen die Geburt täglich zu erwarten ist. „Dort sind ja schon die Beine zu sehen“, fährt Otte in seiner Erklärung fort und deutet auf ein anderes Tier. In der Tat hat hier die Geburt gerade begonnen und die Vorderbeine – Kälber kommen meist mit den Vorderbeinen zuerst auf die Welt – sind in der Fruchtblase deutlich zu erkennen.

Auf dem Hof, den Walter Otte vor zwanzig Jahren von seinem Vater übernommen hat, lebten neben den Altenteilern Dorothea und Walter Otte sen. seine engere Familie. Die besteht aus Ehefrau Annette und den drei Kindern. Das sind die 15-jährige Ann-Christin und der zwei Jahre ältere Jan Frederik sowie der 19-jährige Walter Hendrik. Die beiden jüngeren Geschwister besuchen das Christian-Gymnasium in Hermannsburg, während Walter Hendrik ganz der Tradition nach eines Tages den Hof übernehmen wird. Im Sommer hat der junge Mann seine Lehre als Landwirt beendet und befindet sich augenblicklich auf der Fachschule.

Erster Berufswunsch: Mathelehrer

„Ich habe ihn zu diesem Beruf nicht gedrängt“, betont Walter Otte. Er selbst ist Landwirtschaftsmeister, aber zunächst hatte er einen ganz anderen Berufswunsch. Weil ihn in der Schule die Fächer Mathematik und Physik am meisten interessierten, wollte er zunächst Mathe-Lehrer werden. Sein Vater hat ihm dieses Vorhaben keineswegs ausgeredet, mit dem jüngeren Bruder Bernd stand zudem ein Hoferbe bereit. Doch ab einem Alter von 15 oder 16 Jahren, so beschreibt es Walter Otte heute, sei in seinen Zukunftsvorstellungen eine Änderung eingetreten und er habe sich zur landwirtschaftlichen Ausbildung entschlossen. Welches Ereignis schließlich diese Umorientierung ausgelöst hat, weiß er jetzt nicht mehr, „aber ich wurde dazu nicht gedrängt“, sagt er mit Nachdruck. Er bezeichnet sich selbst als den „einzigen Vollerwerbslandwirt in Eversen“.

Walter Otte geht mit der Zeit, was sich an den beiden Photovoltaik-Anlagen auf den Ställen ablesen lässt. Sie liefern 110 Kilowatt. Die werden allerdings in das Netz eingespeist, der Hof bezieht dann seine elektrische Energie vom örtlichen Stromanbieter. Dieses Verfahren ist wirtschaftlich günstiger, schließlich sind die Vergütungen für eingespeisten Strom über einen festgelegten Zeitraum stabil und lassen eine Kalkulation zu.

Dagegen ist der Ertrag aus der Vermarktung mit Rindvieh und Milch stets mit einigen Unsicherheiten behaftet. „Die Milchpreise schwanken“, weiß Walter Otte. Im Augenblick sind sie recht niedrig. Demgegenüber scheinen sich die Preise für Futter und Energie nur in eine Richtung zu entwickeln – sie steigen nahezu unaufhörlich. Dadurch werden viele Bauern in finanzielle Bedrängnis gebracht. Darum bezeichnet Otte das abgelaufene Wirtschaftsjahr 2011/2012 als „noch ganz gut, aber nicht so gut wie 2010/11“.

Otte sieht
Zukunft positiv

Seine Zukunft sieht Otte positiv. „Wir haben als stabiles wirtschaftliches Standbein genug Größe“. Natürlich ist ihm klar, dass stetige Investitionen unabdingbar ist, um auch auf dem Lande Schritt zu halten mit den Entwicklungen.

Udo Genth

Udo Genth Autor: Udo Genth, am 01.11.2013 um 16:16 Uhr
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