Vor 60 Jahren wurde in Großmoor die Martinskapelle eingeweiht

Das Richtfest ihrer 150 Sitzplätze fassenden Kapelle Großmoor beging die Kapellengemeinde am 19. März 1953. Eine Orgel fehlte noch, während sich neben dem Altar mit Kanzel eine Sakristei, eine Leichenkammer und ein Geräteraum mit Aufgang zum Turm befanden.

Am 5. Februar 1951 wurde in einer Gemeindeversammlung in Großmoor der Bau einer Kapelle beschlossen. 1150 D-Mark (etwa 590 Euro) standen aus dem Haushalt der Kapellengemeinde sowie aus Kollekten zur Verfügung. Innerhalb der folgenden drei Monate kamen fast 1000 D-Mark seitens der katholischen Gemeinde und über 700 D-Mark seitens der evangelischen Gemeindeglieder hinzu. So konnte der Kapellenvorstand am 9. Mai 1951 mit einer Anfangssumme von rund 4000 D-Mark rechnen.

In einem Bericht wurde festgestellt, dass sich auch die Neuenhäuser Gemeindeglieder an der so genannten „Großmoorer Straße“ (heutige Hauptstraße östlich der Eisenbahn) zum Teil bereits zu den Großmoorer Gottesdiensten „hielten“. Ein reger Schriftwechsel mit den Behörden folgte. Auch Johannes Sommer von der Kammer für kirchliche Kunst der evangelisch-lutherischen Landeskirche stellte sich als Berater zur Verfügung.

Das Niedersächsische Landwirtschaftsministerium ließ die Siedlung Großmoor durch die Hannoversche Siedlungsgesellschaft in den Jahren 1951 bis 1953 ausbauen. Geplant war die Einrichtung von fast 30 neuen Siedlerstellen.

Mit dem beabsichtigten Kapellenbau war auch die Ablösung der 1925 dem Domänenfiskus auferlegten Verpflichtung zur Bereitstellung eines Raumes in dem Schulgebäude für kirchliche Zwecke verbunden. Diese Auflage hatte aber bekanntlich seit 1937 nicht mehr erfüllt werden können, da der reservierte Raum im Schulhaus nunmehr für Schulzwecke genutzt wurde.

Pastor Georg Werner (1908-1952) erlitt im Januar 1952 einen Schlaganfall und wollte während seines Aufenthaltes im Celler Allgemeinen Krankenhaus die Durchführung des Bauvorhabens fortgeführt wissen. Bei den Gottesdiensten wurde er von Pastor Conrad vertreten. Pastor Werner selbst erlebte den Kapellenbau nicht mehr mit.

Sitzplätze für
150 Personen

Als Vergleichsobjekt wurde die Kapelle in Hänigsen besichtigt. 20.000 Ziegelsteine waren nach einem Bericht von Sommer vom 7. März 1952 „bereits an der Baustelle vorhanden“. Abrufbereit befanden sich in Obershagen 5000 Kalksandsteine, die die Kammer für kirchliche Kunst der Landeskirche zum Preis von 200 D-Mark von der Gemeinde Obershagen gekauft hatte. Die Kapelle Großmoor, wie sie zunächst heißen sollte, sollte mit Sitzplätzen für mindestens 150 Personen ausgestattet werden. Pastor Wilhelm Barth (1919-2004), der als Pastor in Nienhagen die pfarramtliche Versorgung für Großmoor mit wahrnahm, trieb den Kapellenbau voran.

Neben den katholischen und evangelischen Gemeindemitgliedern, die zum Teil erhebliche Spendenbeiträge geleistet hatten, beteiligten sich auch das Landeskirchenamt, die Kirchengemeinde Nienhagen, der Landkreis Celle, die Bohrgesellschaften Elwerath und Itag und die Treuhandstelle für Flüchtlingssiedlung mit Zuwendungen am Bau. Außerdem stiftete die deutsch-schwedische Flüchtlingshilfe, ein Hilfswerk der schwedischen Kirche, das drei Häuser in Großmoor errichtet hatte, einen Zuschuss zur Gestaltung des Altarraumes. Die Finanzierung war gesichert.

Am 4. Juli 1952 erhielt die Hannoversche Siedlungsgemeinschaft, Treuhandstelle für Flüchtlingssiedlung, die Ansiedlungsgenehmigung für die Neugründung von 19 Bauern- und zwei Landarbeiterstellen. Es wurde festgestellt, dass die Errichtung einer Leichenhalle bereits aus gesundheitspolizeilichen Gründen „dringend geboten“ sei. Für dieses Bauvorhaben hatte die Kapellengemeinde bereitwillig ihren Bauplatz auf dem Friedhof zur Verfügung gestellt, wünschte jedoch die Errichtung dieser Leichenhalle in würdiger Form als Friedhofskapelle.

In der Gastwirtschaft Heinecke in Ehlershausen stand am 16. Oktober 1952 ein Termin zur Regelung der öffentlich-rechtlichen Verhältnisse an. Zugegen waren mehrere Beamte aus Celle, Lüneburg und Hannover sowie aus Großmoor Administrator Hans Penski, Bürgermeister Franz Meyer, Schulleiter Heinrich Roes und Pastor Barth. Es gab eine Einigung auf ganzer Linie.

Nun waren nahezu alle Voraussetzungen zum Kapellenbau erfüllt. Am 18. Oktober 1952 beschloss der Kapellenvorstand den Bau einer Kapelle (Leichenhalle mit anschließendem Feierraum) auf dem der Kapellengemeinde gehörenden Gelände des Friedhofes. Wenige Tage später, am 26. Oktober, beschloss der Kapellenvorstand die Festlegung des ersten Spatenstichs zum Kapellenbau für Sonntag, den 2. November.

Gemeindeglieder
helfen mit

Die Gemeindeglieder wurden am 30. Oktober 1952 vom Kapellenvorstand zur Hilfeleistung aufgerufen. In einer schlichten Feier wurde am 2. November 1952 im Anschluss an den Nachmittagsgottesdienst der erste Spatenstich zum Kapellenbau vollzogen. Vorher war zwischen der politischen Gemeinde und der Kapellengemeinde ein Grundstückstausch vorgenommen worden. Die Kapelle erhielt jetzt ihren Platz fast in der Mitte des Friedhofes.

Der Bau geschah in erheblichem Maße durch Eigenleistungen. So wurden die Mauersteine am Freitag, dem 14. November 1952, von den Großmoorer Bürgern mit Pferdewagen vom Bahnhof in Ehlershausen abgeholt und in Anwesenheit der Lehrer Roes und Neese Mauersteine von den größeren Schulkindern abgeladen und gestapelt. Überhaupt hatten sich zahlreiche Großmoorer, darunter auch Angehörige der katholischen Konfession, intensiv in den ersten beiden Novemberwochen an den Ausschachtungs-, Fundierungs-, Planierungs- und Transportarbeiten beteiligt. Davon zeugen heute sorgfältig geführte Anwesenheitslisten.

1769 D-Mark durch Eigenleistung gespart

Nach einer „Zusammenstellung der Eigenleistung beim Kirchenbau in Großmoor Kreis Celle“ der Treuhandstelle für Flüchtlingssiedlung wurden. 1769 D-Mark beim Kirchenbau durch Eigenleistung eingespart. Bauleiters war der 34-jährige Rolf Noreikat aus Hannover im Auftrag der Treuhandstelle für Flüchtlingssiedlung.

Das Richtfest ihrer 150 Sitzplätze fassenden Kapelle Großmoor beging die Kapellengemeinde am 19. März 1953. Neben dem Ortsgeistlichen, Pastor Wilhelm Barth war als Vertreter des Landeskirchenamtes Johannes Sommer erschienen, ferner der alte Betreuer der Gemeinde, Pastor im Ruhestand August Witzel, Bürgermeister Franz Meyer mit dem Gemeinderat, Architekt Walter Ganske von der Treuhandstelle für Flüchtlingssiedlung und andere. Eine Orgel fehlte noch, während sich neben dem Altar mit Kanzel eine Sakristei, eine Leichenkammer und ein Geräteraum mit Aufgang zum Turm befanden.

Läuteordnung
und Orgelfonds

Fond Am 20. Juli 1953 beschloss der Kapellenvorstand – Wilhelm Lippold, Richard Pfeiffer, Heinrich Roes, Rudolf Rostalski und Wilhelm Twelkemeyer – eine Läuteordnung. Auch wurde die Gründung eines Orgelfonds beschlossen. Als Anfangskapital diente eine Spende der Firma Itag in Höhe von 500 D-Mark, dazu sollten bis auf Weiteres die Kollekten und Gaben gegeben werden.

Auch machte sich der Kapellenvorstand am 20. Juli Gedanken über die Namengebung der Kapelle. Die Wahl des Namens war schwierig, da die seit dem Ersten Weltkrieg bestehende Siedlung keinerlei geschichtliche Beziehungen aufzuweisen hatte. Es war zunächst daran gedacht worden, die Kapelle nach dem ersten Generalsuperintendenten des Celler Landes, Urbanus Rhegius, zu benennen. Dieser Plan wurde wieder fallen gelassen, da der Name zu wenig volkstümlich war. Aus doppeltem Grund griff der Kapellenvorstand in seiner Sitzung auf den Namen „Martin“ zurück. Sinnbildlich sollten damit Martin Luther (Christus im Wort) und Martin von Tours (Christus im Nächsten) verkörpert werden. Mit dem Namen sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Wortverkündung und Liebestätigkeit untrennbare Aufgaben der christlichen Gemeinde sind.

In der Celleschen Zeitung vom 22. August 1953 wurde bekannt gemacht: „Wegen der Einweihung der neuen Kirche in Großmoor am Sonntag ist in der St.-Laurentius-Kirche, Nienhagen, kein Gottesdienst, auch kein Kindergottesdienst. Für Nienhägener, die an dem Kirchweihfest in Großmoor teilnehmen wollen, ist Gelegenheit, mit dem Bus zu fahren.“

Die Kapellenweihe erfolgte am 23. August 1953. Die Kapelle trug künftig den Namen „Martins-Kapelle“. Eine große Festgemeinde zog vom Schulhaus zur Kapelle. Die Weihe vollzog Landessuperintendent Wilfried Wolters (1891-1969). Neben Pastor Barth und den Gemeindegliedern waren unter den Gästen die Oberlandeskirchenräte Constanz Brüel und Gerhard Niemann, Superintendent Hoppe (Stadtkirche Celle), Pastor Birger Forell vom Hilfswerk der schwedischen Kirche, der Synodale Landrat Willy Müller, Landrat Friedrich Stolte (NLP/DP) und Oberkreisdirektor Axel Bruns sowie Mitglieder des Kirchenkreisvorstandes.

Posaunenchor bei Weihe der Kapelle

Der Posaunenchor aus Wathlingen hatte sich in den Dienst der Feier gestellt. Machtvoll erklang in den Morgen hinein das Lied „Lobe den Herrn“. Die Worte des 20. Psalms: „Wir rühmen, dass du uns hilfst; und im Namen unseres Gottes werfen wir Panier auf“, waren der Grundgedanke der Predigt des Ortsgeistlichen, Pastor Barth. Die Kapellengemeinde habe viel zu rühmen, wenn sie die drei Jahrzehnte ihres Wartens auf ein Gotteshaus überdenke. Schwer sei der Weg bis zu diesem frohen Tage gewesen, manche konnten ihn nicht mehr mitgehen, so auch der, der den Gedanken des Kapellenbaues neu gestaltet habe, der verstorbene Pastor Georg Werner. Weithin leuchtete das vergoldete Kreuz vom Turm der Kapelle im Morgenlicht, die weißen Kirchenfahnen mit dem violetten Kreuz flatterten im Wind. Nun fehlte aber noch vieles im Inneren.

Am 27. August 1953 beschloss der Kapellenvorstand, dass die Altarkerzen bei allen Gottesdiensten und Amtshandlungen brennen sollten. Weiter wurde beschlossen, dass bei Trauungen das Brautpaar vom Pastor an der Kirchentür empfangen und nachher wieder zur Tür geleitet werden sollte.

Erste Konfirmation
im März 1954

Am 21. März 1954 fand die erste Konfirmation in der Martinskapelle statt. Der Kapellenvorstand gedachte in seiner Zusammenkunft vom 23. August 1954 in Dankbarkeit der ein Jahr zurückliegenden Weihe der Martinskapelle und beschloss, diesen Tag jährlich mit einem Gottesdienst zu begehen.

Am 29. September 1957 wurde in einer Feierstunde in der Martinskapelle von Oberkirchenrat Rudolf Utermöhlen (1906-1982) vom Landeskirchenamt in Hannover die Orgelweihe vollzogen. Die neue Orgel hatte anstelle der sonst üblichen Metallpfeifen im Prospekt Pfeifen aus Holz. Bis dahin hatte sich die Kapellengemeinde fast 30 Jahre mit einem Harmonium zufriedenstellen müssen.

Die Landeskirche Hannovers bewirkte am 4. Februar 1959 die Umwandlung der Kapellengemeinde in eine Kirchengemeinde. Seitdem heißt das Gotteshaus „Martinskirche“.

Matthias Blazek

Literatur:

Matthias Blazek: 50 Jahre Martinskirche in Großmoor: 1953-2003, Chronik [Festschrift zum Jubiläum], Adelheidsdorf 2003.

Matthias Blazek Autor: Matthias Blazek, am 01.11.2013 um 15:20 Uhr
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