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Analyse bestätigt: Wolf riss bei Meißendorf zehn Schafe

Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk im September an einem der von dem Wolf getöteten Schafe auf einer Weise bei Meißendorf. Foto: Joachim Gries

Zehn Schafe büßte Elsbeth Hasselmann im September bei einer nächtlichen Attacke auf ihre Herde auf einer Wiese bei Meißendorf ein. Untersuchungen der an den Kadavern entnommenen Proben ergaben jetzt, dass tatsächlich ein Wolf die Tiere tötete.

MEISSENDORF. Es war ein Wolf, der in der Nacht zum 10. September auf einer Weide bei Meißendorf acht Schafe durch gezielte Bisse in die Kehle tötete und zwei weitere Tiere so schwer verletzte, dass sie später vom Tierarzt eingeschläfert werden mussten. Gewissheit hat eine Untersuchung der an den Schafen sichergestellten DNA-Spuren am Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen gebracht. Seit der Rückkehr des Wolfs nach Niedersachsen sind damit im Land seit 2008 rund 60 Schafe gerissen worden. Das geht aus einer Auflistung hervor, die seit Ende Oktober im Internet auf den Wildtiermanagementseiten der Landesjägerschaft Niedersachsen einzusehen ist.

Als die toten Schafe am Morgen des 10. September bei Meißendorf entdeckt worden waren, hatte Wolfsberater Jörg-Rüdiger Tilk zusammen mit seinem Kollegen Jörn Struck die Fälle dokumentiert, Fotos von den toten Tieren sowie den Spuren auf dem benachbarten Acker angefertigt und die getöteten Schafe untersucht. Sie wiesen die für den Wolf typischen Verletzungen am Hals auf, wo der Wolf mit sicherem Biss in die Kehle sein Beutetier zu töten sucht. Auch die Fraßspuren an den getöteten Nutztieren deuteten auf den Wolf hin. Tilk hatte sich damals aber nicht festlegen wollen, dass Tiere aus dem Wolfsrudel auf dem nahen Truppenübungsplatz Bergen, wo er als Bundesförster tätig ist, tatsächlich für das blutige Ereignis verantwortlich waren.

Gewissheit brachte die Untersuchung der vom Wolfsberater gesicherten DNA-Spuren an den getöteten Schafen. Tilk hatte das Material an den Bisswunden der Tiere gesichert, anschließend war es über die Landesjägerschaft in Hannover zur Untersuchung an das Forschungsinstitut Senckenberg weitergereicht worden. Die Untersuchung dauere ein paar Wochen, was auch von der Qualität der Probe abhänge, sagte Dr. Britta Habbe, die als Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft das Wolfsmonitoring betreut. Proben von Nutztierrissen haben Vorrang vor Rissen von Wildtieren, die über die Wolfsberater zur Landesjägerschaft und weiter zum Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz gelangen, der als Landesbehörde die Kosten der Untersuchungen übernimmt.

Elsbeth Hasselmann, Halterin der Schafe in Meißendorf, hatte gestern noch nichts Schriftliches über ihre gerissenen Tiere in der Hand. Die Analysen dienen aber nicht nur dazu, dass Schafhalter eine Entschädigung beantragen können. Sie sollen auch Klarheit über die Herkunft der großen Beutegreifer und über ihre Ausbreitung in Niedersachsen bringen. Über 50 Wolfsberater gehen vor Ort den Hinweisen nach und reichen sie weiter.

Die Untersuchungen der Nutztierrisse haben ergeben, dass nicht in jedem Fall der Wolf der Schuldige war. Für die 90 toten Schafe auf dem Meißedeich bei Hodenhagen im Mai kam der Wolf nicht in Frage, ebenso nicht bei dem bisher einzigen Rind, das im Januar in Hörpel im Heidekreis zu Tode kam. Für die 15 Schafe, die im Oktober bei drei Attacken auf eine Schafherde in Grünhagen im Landkreis Uelzen zu Schaden kamen, liegen Untersuchungsergebnisse noch nicht vor. Der dortige Wolfsbeauftragte Klaus Bullerjahn wollte wildernde Hunde als Verursacher nicht ausschließen und warnte davor, Schauermärchen über den Wolf zu verbreiten. Vielmehr sollte auf den möglichen Schutz vor Wölfen hingewiesen werden. Dazu zählen feste hohe Maschendrahtzäune, Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

Joachim Gries Autor: Joachim Gries, am 04.02.2014 um 16:25 Uhr
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