bewölkt CELLE  
16°
MO 15° / 15°
DI 12° / 12°

Celler diskutieren über Wolf in der Heide

Ernst Ahrens aus Roxhüllen fragte, wann denn der Braunbär wieder in unseren Wäldern auftaucht. Damit erzeugte er zahlreiche Lacher. CZ-Redakteur Andreas Babel fing Stimmen im voll besetzten Berger Stadthaus ein. Dabei ging es bisweilen hoch her. Foto: Benjamin Westhoff

Nein, sonderlich willkommen ist der Wolf im Landkreis Celle nicht. Das wurde am Dienstagabend bei der Podiumsdiskussion der Celleschen Zeitung im Berger Stadthaus deutlich. Viele haben Angst: Gastgeber vor Einbrüchen im Tourismus-Geschäft, Schafhalter, dass sie alleine gelassen werden mit dem Problem, ihre Herden zu schützen, und Reiter und Hundehalter ganz direkt vor dem Raubtier.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie
VIDEOS »

BERGEN. Der Wolf ist heute mit etwa zehn Tieren im Landkreis Celle vertreten. Das hätten selbst Experten vor sieben Jahren nicht gedacht. Und die Rückkehr des Raubtieres wirft Fragen auf. Unglaubliche Gerüchte ranken sich um den Wolf. Die Podiumsdiskussion der CZ im Berger Stadthaus sollte zur Versachlichung des Themas beitragen. Eines ist nach Dienstagabend klar: Nur knapp ein Fünftel der anwesenden 490 Besucher betrachten den Wolf als ganz normales Tier in unseren Wäldern. Der Andrang zu diesem Infoabend war so gewaltig, dass der restlos gefüllte große Saal niemanden mehr aufnehmen konnte. Einige Interessierte mussten draußen bleiben.

Sehr kompetent versuchte Wolfsbeauftragte Britta Habbe die direkten Ängste einiger Besucher vor dem Raubtier zu nehmen. Einer besorgten Reiterin und Hundehalterin sagte die Chefin von 46 niedersächsischen Wolfsberatern, dass selbst vom Pferd gestürzte und verletzte Menschen „nicht zum Beuteschema des Wolfs passen“. Ein Hund, der in Wald und Heide nah bei seinem Herrchen bleibt, habe ebenfalls nichts von Wölfen zu befürchten. Es habe bislang einen einzigen Fall in Deutschland gegeben, bei dem ein Jagdhund sich vor einem Wolf aufgebaut hat. Die folgende Auseinandersetzung überlebte der kleine schwer verletzte Terrier nicht. „Über 96 Prozent des Beutetierbereichs des Wolfs sind die großen Huftierarten“, sagte Habbe. Und: „Wölfe sehen Menschen nicht als Beute an. Das war vielleicht in anderen Ländern zu anderen Zeiten einmal anders.“

Keinen leichten Stand hatte der Vertreter des Niedersächsischen Umweltministeriums: Norbert Burget hatte rhetorische Probleme, seine Position zu verdeutlichen. Eines wurde aber klar: Das Publikum hatte wenig Verständnis für das nur äußerst schleppend vonstatten gehende Verfahren, in dem Entschädigungen für durch Wolfsbisse Betroffene geregelt werden sollen. Wie lange es noch dauert, bis aus dem von ihm mit ausgearbeiteten Entwurf eine verbindliche Regelung wird, vermochte er nicht zu sagen. Eines wusste er aber schon jetzt: „Es funktioniert nicht, dass das Land allen Tierhaltern alle Schutzzäune bezahlt.“

Die Schafzüchter fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. Das betonte Mathias Brockob vom Landesschafzuchtverband. Er berichtete davon, dass einzelne Herdenbesitzer schon die Zucht eingestellt hätten und prognostizierte, dass seltene Schafrassen aussterben werden. „Das angestrebte Verfahren beinhaltet einen bürokratischen Aufwand für den Züchter. Zudem kann nur der, der 2000 Euro für Schutzzäune investiert, 200 Euro an Zuschuss erhalten“, wies Brockob darauf hin, dass ein Mindestbetrag bei den Investitionen vorgesehen sei. „Bis heute ist vom Umweltministerium nicht umgesetzt, uns ein bisschen zu zahlen, obwohl man sich seit sieben Jahren damit beschäftigt. Die Schafzüchter haben in diesem Jahr 100.000 bis 150.000 Euro für zusätzlichen Schutz vorm Wolf aufgewandt“, sagte Brockob.

Kreisjägermeister Hans Knoop ist ein Mann klarer Worte. „Wir sollten die Füße still halten und das beobachten. Wenn Dinge entstehen, die an Grenzen gehen, dann muss man tätig werden.“ Andererseits sagte er aber der Zuhörerschaft im Hinblick darauf, ob man die Jagd auf den Wolf bisweilen freigeben solle: „Wenn Sie es wünschen, dann müssen Sie an die Politik gehen und Druck ausüben!“

Zahlen und Fakten gab es von Britta Habbe zur Genüge: Die Wölfe fräßen in unserer Region bei weitem nicht so viel Wild, dass für die Jagd nichts übrig bleibe. Pro Jahr fresse ein Rudel Wölfe zwei Stück Wild pro 100 Hektar. Da ein Rudel ein bestimmtes Territorium (in der Größe von 20.000 bis 30.000 Hektar) bejage, kommt man auf 400 bis 600 durch ein Wolfsrudel getötete Huftiere im Jahr.

Elisabeth Meyer aus Lutterloh, Dieter Heine (Seniorchef des „Celler Tors“ in Groß Hehlen) und Hans-Heinrich Brammer (Seniorchef des Hofs Severloh) machen sich Sorgen, dass die Berichte über Wolfsrisse Touristen und Reitsportler abschrecken könnten. Bislang sei davon aber noch nichts zu spüren, sagten sie übereinstimmend. Sie wiesen darauf hin, dass ihnen erhebliche Umsatzeinbußen beschert werden könnten: Der Wolf ist eben kein Sympathieträger und kein Aushängeschild.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 11.12.2013 um 19:15 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Dieter Wedel zeigt Luther-Stück mit viel Prominenz

Bad Hersfeld (dpa) - Star-Regisseur Dieter Wedel (74) hat sich im dritten Jahr als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele bei der Auswahl seines Theaterstücks an ein Schwergewicht der Geschichte herangewagt: Martin Luther - passend zum diesjährigen Jubiläum um 500 Jahre Reformation. ...mehr

Schwimmer aus Nienhagen und Celle bei Deutschen Meisterschaften erfolgreich

Zweifelsohne ist die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Berlin für die Schwimmer des Celler Schwimmclubs (CSC) und des SV Nienhagen (SVN) der absolute Höhepunkt der Saison gewesen. Einige der Aktiven aus dem Kreis Celle ließen das Wasser richtig aufschäumen und schafften es im starken… ...mehr

Neue Show von Raab - Joko und Klaas auf Solopfaden

Berlin (dpa) - Stefan Raab ist wieder da - allerdings nicht vor der Kamera, sondern als Ideenschmiede für seinen alten Sender ProSieben. ...mehr

Deutschland mit Mini-Kader zur Schwimm-WM

Berlin (dpa) - Im Jahr eins nach dem Rücktritt von Weltrekordler Paul Biedermann wird Deutschland nur mit einem Mini-Kader zur Schwimm-WM nach Budapest reisen. ...mehr

Celler Azubis richten ganz schön was an

Bei Prüfungsessen der Industrie- und Handelskammer (IHK) Celle mussten sich 36 Auszubildende aus verschiedenen gastronomischen Berufsfeldern beweisen. Dabei mussten sich die Prüflinge mit widerspenstigem Mangold, den Tücken des englischen Services und dem Tranchieren einer Poularde auseinander setzen. ...mehr

Schwimm-DM 2017: 2 Weltjahresbestzeiten und 7 WM-Normen

Berlin (dpa) - Lagenspezialist Philip Heintz und Schmetterlings-Schwimmerin Franziska Hentke sind mit ihren Weltjahresbestzeiten positiv aufgefallen. Und sonst? Nur sieben Athleten knackten die Norm für die Weltmeisterschaften vom 14. bis zum 30. Juli in Budapest. ...mehr

Koch verpasst WM-Norm - Mit Mini-Team zum Saisonhöhepunkt

Berlin (dpa) - Ein Jahr nach dem Olympia-Debakel machen die deutschen Schwimmer nur wenig Hoffnung für die WM. ...mehr

Deutsche Schwimmer nur mit kleinem Team zur WM

Berlin (dpa) - Die deutschen Schwimmer werden nicht in großer Mannschaftsstärke zur WM nach Budapest reisen. ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
24.06.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Trotz Niederlage: Deutsche U21 im EM-Halbfinale

Krakau (dpa) - Deutschlands Nachwuchs-Fußballer haben sich bei der U21-EM ins Halbfinale gezittert.…   ...mehr

Geplanter Abschiebeflug nach Afghanistan verschoben

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat nach Informationen des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» einen…   ...mehr

Trump macht Obama für russische Einmischung verantwortlich

Washington (dpa) - US-Präsident Donald Trump hat seinem Vorgänger Barack Obama vorgeworfen, nichts…   ...mehr

Vettel im Motorpech: Hamilton holt Pole Position in Baku

Baku (dpa) - Nach Lewis Hamiltons Traumrunde zur 66. Pole Position seiner Karriere war Sebastian Vettels…   ...mehr

Portugal zieht souverän ins Confed-Cup-Halbfiniale ein

St. Petersburg (dpa) - Cristiano Ronaldo hat sich von Ozeanienmeister Neuseeland nicht überraschen…   ...mehr

A. Zverev fordert in Halle Federer

Halle/Westfalen (dpa) - Alexander Zverev gegen Roger Federer - das Traumfinale beim Tennis-Turnier im…   ...mehr

Schulz wirft Merkel «Arroganz der Macht» vor

Dortmund (dpa) - SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stimmt seine Partei mit scharfer Kritik an der Union…   ...mehr

UN: Hunderte tote Zivilisten bei Sturm auf Mossuls Altstadt

Kairo (dpa) - Während der Offensive irakischer Truppen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS)…   ...mehr

Nur geladene Gäste bei Totenmesse für Kohl in Speyer

Speyer (dpa) - An der Totenmesse für Altkanzler Helmut Kohl im Speyerer Dom am 1. Juli können nur…   ...mehr

Schweizer SVP plant Volksabstimmung gegen EU-Freizügigkeit

Bern (dpa) - Die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP) hat grünes Licht für eine…   ...mehr
SPOT(T) »

Diskretion

Nach Feierabend mal eben lässig Brot, Milch und Obst einkaufen? Von wegen.… ...mehr

Reiseproviant

Der Tank war voll und das Navigationssystem programmiert. Ich war gut vorbereitet:… ...mehr

Entrümpeln

Eine ausgiebige Putz-Aktion hat stets einen positiven Effekt auf meine Laune.… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG