39 Männer gründeten vor 110 Jahren die Feuerwehr in Obershagen

Im Jahr 1905 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Obershagen eine neue Handdruckspritze für Pferdebespannung. Stolz ließen sich die Wehrmänner 1906 in ihren Uniformen und mit ihrem neuen Equipment fotografieren. Obere Reihe von links: August Fuhrberg, Gustav Fuhrberg, August Heuer, August Homann, Adolf Rohde, Heinrich Niebuhr, 2. Reihe: Karl Thiemann, Gustav Schaprian, Fritz Graß, Heinrich Martens, August Sander, August Traut, Heinrich Thies, Gustav Benecke, Richard Hoppe, Willi Schaprian, Albert Böse, 3. Reihe: Heinrich Lüters, Fritz Hacke, Heinrich Fricke, Heinrich Homann, Heinrich Fuhrberg, August Kohlmeyer, Heinrich Dormann, Gustav Kracke, sitzende Reihe: Hermann Marris, Heinrich Denecke, Willi Schaprian, Hermann Hoppe, August Müller, Gustav Hornbostel, Heinrich Schaprian, Heinrich Benecke, Heinrich Evers, Heinrich Runge, Richard Müller, neben der Spritze: Hauptmann August Langkopf, August Lüders. Foto: Repro: Matthias Blazek

Die Freiwillige Feuerwehr Obershagen wurde im Juni 1903 ins Leben gerufen. Hatte es in früheren Zeiten in Obershagen gebrannt, war das Dorf auf die eigenen und benachbarten Gemeindelöschmannschaften angewiesen. Auch danach war Nachbarschaftshilfe selbstverständlich.

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In der Samtgemeinde Wathlingen wurden 1927 in Großmoor, 1929 in Wathlingen, 1933 in Nienhagen und 1939 in Adelheidsdorf freiwillige Feuerwehren gegründet. Die benachbarten Feuerwehren sind zum Teil wesentlich älter. Die Freiwillige Feuerwehr Ramlingen wurde 1893 gegründet, die Westerceller Feuerwehr ebenfalls. In Bröckel stellte man bereits 1886/87 auf Freiwilligkeit um, in Wettmar 1888, in Hänigsen 1898 und in Otze 1902.

Die Freiwillige Feuerwehr Obershagen wurde im Juni 1903 ins Leben gerufen, ihr Zuständigkeitsbereich grenzt heute an den der Ortsfeuerwehr Nienhagen. Am 29. September 1934 leistete sie in Nienhagen Nachbarschaftshilfe, als ein mächtiger Gas- und Erdölausbruch und gleichzeitig eine gewaltige Explosion eine Katastrophe verursachten, durch die fünf Männer starben und weitere elf Männer verletzt wurden.

Im „Sachsenspiegel“ der Celleschen Zeitung wurde am 1. Juni 2002 die Geschichte des Lüneburger Hagendorfes Obershagen dargestellt. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in einem Lehnregister des Zeitraums 1330-1352. Hatte es in früheren Zeiten in Obershagen gebrannt, war das Dorf auf die eigenen und benachbarten Gemeindelöschmannschaften angewiesen. Aufgrund einer Polizeiverordnung vom 15. Februar 1908 wurde festgelegt, dass Obershagen im Brandfall Hilfe von Ramlingen, Hänigsen, Altmerdingsen, Dachtmissen, Sorgensen, Burgdorf, Schillerslage und Otze zu erwarten hatte. Mit dieser Regelung folgte man im großen Ganzen früheren Vorschriften und verpflichtete Obershagen im Gegenzug zur Nachbarschaftshilfe nach Altmerdingsen, Dachtmissen, Hänigsen, Hülptingsen, Otze, Schillerslage, Sorgensen und Weferlingsen.

„Feuerordnung“ tritt 1898 in Kraft

Am 25. September 1897 wurde in Lüneburg die „Feuerordnung für den Regierungsbezirk Lüneburg mit Ausnahme der Städte, auf welche die Städteordnung von 1859 Anwendung findet“, verfasst. Diese Bau- und Feuerordnung trat am 1. Januar 1898 in Kraft.

Aufgrund einer am 28. Dezember 1898 vom preußischen Innenminister erlassenen Verfügung erließ der Oberpräsident der Provinz Hannover, Constantin Graf zu Stolberg-Wernigerode, am 27. September 1901 die „Polizeiverordnung, betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens, die Bestimmungen für die Errichtung von „Gemeinde-Feuerwehren“ (Pflichtfeuerwehren) enthielt. Der entscheidende Paragraf der Verordnung (§ 1) lautet:

„In jeder Stadt- und Landgemeinde und in jedem Gutsbezirke, soweit in denselben nicht eine ausreichende Berufsfeuerwehr besteht, oder dieselben nicht einem Spritzenverbande (§ 139 des Zuständigkeits-Gesetzes) angehören, sowie für jeden Spritzenverband ist eine Feuerwehr einzurichten mit Abteilungen

a. zur Bedienung der Spritzen,

b. zur Ausübung des Steigerdienstes sowie zum Retten von Menschen, Vieh und Habe,

c. zur Herbeischaffung von Wasser,

d. zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Bewachung der geretteten Sachen.“

Betreffend der „Feuerlöschhülfe nach Auswärts“ (§§ 31 bis 40) wurde bestimmt, dass sich die Gemeinden in einem Umkreis von 7,5 Kilometern ohne Aufforderung gegenseitig Feuerlöschhilfe zu leisten hatten. Die Verordnung trat am 1. April 1902 in Kraft und sollte in Obershagen sehr bald die nötige Beachtung finden.

Zum Wohnhausbrand am 31. Mai 1902 in Otze rückten die dortige freiwillige Feuerwehr, die Freiwillige Feuerwehr Ramlingen (nicht in Tätigkeit) und die Gemeindelöschmannschaft von Sorgensen aus.

In der Obershagener Gemeindeausschussversammlung vom 10. Mai 1903 wurde beschlossen, „das zur Anschaffung einer neuen Spritze und Bildung einer freiwilligen Feuerwehr erforderliche Geld für die hiesige Gemeinde bei der Amtssparkasse zu Burgdorf anzuleihen, und zwar in Höhe bis zu 1500 M; daß anzuleihende Kapital soll jährlich neben den Zinsen, noch mit 10 Prozent Kapitalabtrag getilgt werden“.

In einer Gemeindeversammlung stellten sich wenige Wochen später sofort 39 Männer als Mitglieder zur Verfügung, drei weitere stießen kurz danach hinzu. Zum ersten Hauptmann wurde August Langkopf, Obershagen Nr. 30, gewählt. Man gab sich Statuten.

Nach § 7 des Statuts waren in den Generalversammlungen jeweils zwei der sechs Kommandomitglieder neu zu wählen. Folglich wurden die Personen immer auf drei Jahre gewählt. Der Monatsbeitrag wurde auf 10 Pfennig festgesetzt.

Das zehnjährige Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Ramlingen am 12. Juni 1903 war Anlass für eine Inspektion, die unter den kritischen Augen des Kreisbrandmeisters der Kreise Hildesheim-Land und Marienburg, Franz Frankenberg, in seiner Funktion als Mitglied des Vorstandes des „Feuerwehr-Verbandes für die Provinz Hannover“ stattfand. Manöver und Übung brachten den Ramlingern „in allen Teilen“ ein „sehr gut“ ein. Gefeiert wurde dieses Ereignis zusammen mit 136 Männern der Wehren aus Burgdorf, Otze, Obershagen, Hänigsen, Engensen, Thönse und Wettmar. Die Gastwehren wurden von 11 bis 12 Uhr empfangen. Der Festbeitrag für auswärtige Kameraden war auf 50 Pfennig festgesetzt. Zu diesem Jubiläum wurden für alle 42 Mitglieder der Jubiläumswehr Ramlingen Joppen à 14 Mark bei Schneidermeister P. Papenburg in Otze und Schneidermeister Bierschwale in Engensen bestellt.

Protokolle und
Kassenberichte

Die Darstellung der Begebenheiten in der Freiwilligen Feuerwehr Obershagen geschah in den Versammlungsprotokollen und wurde mit den Kassenberichten ergänzt.

Das Protokollbuch beginnt mit dem Protokoll der Korpsversammlung vom 8. Oktober 1903. Es hat folgenden Wortlaut:

„Geschehen zu Obershagen am 8. Oktober 1903.

Am heutigen Datum war im Denecke’schen Gasthause eine Korpsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr berufen, wozu von den zur Freiwilligen Feuerwehr gehörenden 39 Mitgliedern 35 erschienen waren, mithin war die Versammlung beschlußfähig. Die Mitglieder waren in ordnungsmäßiger Weise gleichzeitig unter Angabe des Zwecks der Versammlung geladen und somit wurde die Versammlung mit einem Kaiserhoch durch den Hauptmann um 8 Uhr abends eröffnet und zur Tagesordnung, welche sich in folgende Punkte gliederte, übergegangen:

ad. 1. Hebung der Monatsbeiträge

ad. 2. Wahl eines Ehrengerichts

ad. 3. Verschiedenes

Es wurde nun zu

ad 1. Erhebung der Monatsbeiträge geschritten und wurden von jedem Mitgliede 30 d für die Monate Oktober, November und December erhoben.

ad 2. Wahl eines Ehrengerichts.

Gemäß § 17 Abs. 2 des Statuts wurden aus dem Komando 3 Führer, und zwar:

1. August Fuhrberg

2. Gustav Hornbostel

3. August Müller

gewählt, welche auch die Wahl annahmen.

Ferner wurden von den Mitgliedern folgende Feuerwehrmänner zum Ehrengericht gewählt:

1. Heinrich Evers

2. August Sander

3. Heinrich Dormann

4. Gustav Kracke

welche ebenfalls die Wahl annahmen.

Unter sich wählte das eben benannte Ehrengericht

1. Zum Vorsitzenden: A. Fuhrberg

2. Zum Schriftführer: H. Evers

Die Wahl gilt auf die Dauer eines Jahres, und zwar bis zur außerordentlichen Korpsversammlung pro Frühjahr 1905.

ad. 3. Verschiedenes.

Unter Verschiedenes wurde unter Anderem die Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers besprochen, und wurde solche durch das Los zur Abhaltung am 26. Jan. beim Kamerad H. Denecke entschieden.“

Ein „Hoch“
auf den Kaiser

Das Versammlungsprotokoll wurde, wie damals allgemein üblich, sofort zu Papier gebracht und von Kommandomitgliedern unterschrieben. Bis 1918 wurden die Versammlungen mit einem „Hoch“ auf Seine Majestät dem Kaiser eröffnet. Auch ist in den Versammlungen zu Jahresbeginn immer der Ablauf der Festlichkeiten zum Geburtstag Seiner Majestät festgelegt worden. Die Festlichkeiten wurden ab 1906 gemeinsam mit dem Kriegerverein Obershagen durchgeführt und endeten meist mit einem Ball.

Eine außerordentliche Korpsversammlung der Feuerwehr wurde am 10. Januar 1904 in der Dormannschen Gastwirtschaft durchgeführt. Von den zur Freiwilligen Feuerwehr gehörenden 42 Mitgliedern waren 39 erschienen, somit war man beschlussfähig. Hauptmann Langkopf eröffnete die Versammlung um 19 Uhr mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, danach wurde zur Tagesordnung übergegangen.

Von neuen Mitgliedern sollten anstatt bislang 50 Pfennig von jetzt an 1,50 Mark Eintrittsgeld erhoben werden.

Der Barbier August Traut wurde als Mitglied neu aufgenommen.

Es schieden durch das Los die Zugführer August Fuhrberg und August Müller aus, die aber per Akklamation einstimmig wiedergewählt wurden und die auch Wahl annahmen.

Unter Punkt „Verschiedenes“ wurde die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers besprochen. Demzufolge lautete das Programm: 14 Uhr Antreten der Kameraden vor dem Spritzenhaus, 20 Uhr gemeinschaftliches Essen mit anschließendem Ball.

Das dritte Protokoll vom 19. Mai 1904 befasst sich mit der Verpflichtung des Gespannführers. Den Zuschlag erhielt Großkötner Heinrich Lüters, Obershagen Nr. 18. Seine Entschädigung, auf ein Jahr festgesetzt: 1,20 Mark je Kilometer.

Am 14. Juni 1904 ertönte um 1.45 Uhr in Hänigsen das Feuerhorn. Zwei Wohnhäuser, zwei Scheunen und ein Viehstall standen in Flammen (Hofstellen Nr. 20 und 54 am Steindamm, 1998 Steffen Brandes und Heinz-Adolf Meyer). Zur nachbarlichen Löschhilfe wurde die Freiwillige Feuerwehr Obershagen um 2.15 Uhr alarmiert. Bei diesem Einsatz wurde nach dem Bericht von Hauptmann August Langkopf ein Feuerwehrmann verletzt. Matthias Blazek

Literatur:

Matthias Blazek: 100 Jahre Ortsfeuerwehr Obershagen 1903-2003, Uetze 2003.

Matthias Blazek: Aus der Geschichte von Obershagen. Sachsenspiegel 22, Cellesche Zeitung vom 1. Juni 2002.

Matthias Blazek: Landgemeinden wollten eigene Feuerlöschgeräte. Sachsenspiegel 32, Cellesche Zeitung vom 10. August 2002.

Matthias Blazek Autor: Matthias Blazek, am 20.01.2014 um 11:33 Uhr
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