Gymnasien aus Celle und Lachendorf planen Golf als Unterricht

Celler Gymnasiasten sollen den Golfsport künftig im Unterricht erlernen. Darauf verständigten sich die Initiatoren des Projekts, Lehrer Michael Loske (links) und der Präsident des Golfclubs Herzogstadt Celle, Richard Bolz (Zweiter von rechts) mit einigen Lehrern der drei Gymnasien. Foto: Alex Sorokin

Ab dem kommenden Schuljahr können Gymnasiasten aus Celle und Lachendorf im Unterricht die Grundlagen des Golfsports erlernen. Damit will der Golfclub Herzogstadt Celle, auf deren Anlage die angehenden Abiturienten den Golfschläger schwingen sollen, langfristig Nachwuchsproblemen vorbeugen und etablierten Vorurteilen entgegentreten.

GARSSEN. Er hat zwar schon einmal einen Golfschläger in der Hand gehabt. „Aber ein bisschen Nachhilfe brauche ich noch“, sagte Günter Harms mit einem Lächeln. Der Sportlehrer des Gymnasiums Ernestinum in Celle soll im Frühjahr nicht nur die sogenannte Platzreife auf der Anlage des Golfclubs Herzogstadt Celle in Garßen erlangen, sondern auch Didaktik und Methodik für die Vermittlung der Grundlagen des Golfsports erlernen. Harms ist einer von insgesamt neun Sportlehrern der drei Gymnasien Ernestinum und Hermann Billung aus Celle sowie Immanuel Kant aus Lachendorf, die in den nächsten sechs Monaten von Profispielern des Golfclubs und Landestrainern qualifiziert werden. Ab dem kommenden Schuljahr sollen die Lehrkräfte interessierten Gymnasiasten die Grundlagen des Golfsports im Unterricht vermitteln.

Einmal in der Woche sollen zwei Gruppen mit jeweils acht Schülern der Klassen 8 bis 10 mehrere Stunden den Schläger schwingen. „Wir wollen den Schülern diese Chance geben und den Golfsport an den Gymnasien etablieren“, sagte Schulleiter Michael Loske aus Burgdorf, „das ist ein völlig neuer Ansatz.“ Gemeinsam mit dem Golfclub Herzogstadt, dem Golfverband Niedersachsen Bremen und den drei Gymnasien hatte er im November das Projekt initiiert, das auch von Sponsoren unterstützt wird. Er weiß selbst, dass er nicht nur um die Schüler für sein Vorhaben kämpfen muss, sondern auch gegen die Vorurteile gegen den Golfsport. „Golf hat ein schlechtes Image. Wir wollen zeigen, dass vieles davon nicht stimmt“, sagte Loske. Nach einem Schnuppertraining im Sommer soll die gemeinsame Arbeitsgemeinschaft der drei Gymnasien im kommenden Schuljahr starten. Die Kosten für das Material müssen die Schüler dann selbst tragen. Ein gebrauchtes Komplettset gibt es häufig schon für hundert Euro.

Für die Lehrer ist das ein spannendes Vorhaben. „Dabei wird nicht nur die Feinkoordination geschult, sondern auch Konzentration und Selbstbeherrschung“, sagte Harms. Dazu kämen soziale Kompetenzen wie Disziplin, Fairness und Selbstkritik. „Am Ende spielt man gegen sich selbst.“ Es gebe noch einen weiteren Vorteil: Es ist ein Sport an der frischen Luft. „Wenn die Schüler auch danach Golf spielen, haben wir viel erreicht“, sagte Harms.

Der Golfclub selbst will damit langfristig Nachwuchsproblemen vorbeugen und etablierten Vorurteilen entgegentreten. „Wir wollen junge Menschen für den Golfsport begeistern und endlich raus der elitären Nische“, sagte Richard Bolz. Der Präsident des Golfclubs Herzogstadt will den Golfsport in der Mitte der Gesellschaft etablieren und mit dem „doppelten Missverständnis“ aufräumen. „Golf ist nicht elitär und die Kosten für das Material überschaubar.“ Einerseits. Andererseits gebe es 650.000 organisierte Golfer in Deutschland. „Das ist einer der zehn größten Fachsportarten und damit absolut gesellschaftsfähig.“

Der Einstig in den Golfsport empfehle sich besonders in jungen Jahren. „Es gibt einen hohen Anspruch an die Methodik“, sagt Bolz. Außerdem sei Golf nicht der Sport, den man beginnt, „wenn alles wehtut“. Golf werde in der Entwicklung als Endstadium wahrgenommen. „Aber das ist nicht wahr“, betonte Bolz.

Langfristig soll der Golfclub mit dem Schulprojekt neuen Nachwuchs gewinnen. Bislang sind etwa zehn Prozent der 600 Mitglieder unter 18 Jahren. „Das ist nicht überwältigend viel“, so Bolz. Gemeinsam mit dem Landesverband und den drei Gymnasien will er das ändern.

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 16.01.2014 um 18:04 Uhr
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