Celle verabschiedet Royal Fusiliers

Britische Verabschiedungsparade Foto: Peter M¸ller

Mit einer Parade in der Celler Innenstadt hat sich gestern das 2. Bataillon des britischen Royal Regiment of Fusiliers aus der Stadt verabschiedet. Celle verliert damit seine britischen Garnison. Ein schwarzer Tag für das Bataillon: Gestern wurde bekannt, dass es aufgelöst werden soll.

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CELLE. Die Ära, die in den frühen Morgenstunden des 12. April 1945 mit dem kampflosen Einmarsch britischer Truppen in Celle begann, endete am gestrigen Nachmittag - allerdings weitaus spektakulärer als der Beginn: Mit einer Parade und feierlichem Zeremoniell, mit einem Großaufgebot politischer und militärischer Prominenz, mit Reden und symbolträchtigen Gesten sowie einem bunten Fest wurde der Abzug der britischen Garnison aus der Herzogstadt gefeiert.

Wie tief die Rheinarmee seit Jahrzehnten im Land zwischen Weser und Elbe verwurzelt ist, dafür war gestern auf der Celler Stechbahn Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) der lebende Beweis. "Ich bin selbst ein Kind der Präsenz der britischen Streitkräfte in Deutschland", sagte der Politiker, der betonte, dass in der Garnisonsstadt Celle eine Ära zu Ende gehe: "Heute ist ein Tag, der uns mit Wehmut, Stolz und Dankbarkeit erfüllt."

Ein großes Medienaufgebot berichtete von der Parade in Celle, denn die Herzogstadt ist ein Präzedenzfall: Sie ist die erste Kommune, die von den jüngsten Abzugs-Plänen der britischen Regierung betroffen ist. Bis 2020 werden die etwa 20.000 britischen Soldaten nach derzeitiger Planung Deutschland verlassen. McAllister hat daran auch bei einem Besuch in London nichts ändern können. Noch rund 6000 Briten sind in Niedersachsen stationiert, leben hier mit etwa 7000 Familienangehörigen und knapp 1000 Zivilangestellten - ein herber Verlust für das Land, menschlich und ökonomisch.

Wirtschaftlich sei es eine Herausforderung für die Zukunft von Celle, so Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD): „Das ist für die Stadt schon ein erheblicher Einschnitt“, beklagte er. „Insgesamt werden rund 650 britische Soldaten und ihre Familien die Stadt verlassen“. Dazu kämen noch die zivilen Angestellten.

Die Soldaten des 2. Bataillons des Royal Regiment of Fusiliers, die gestern zum letzten Mal das Privileg ihrer "Freedom of the City" ausübten und mit aufgepflanztem Bajonett durch die Stadt paradierten, werden nun nach Zypern verlegt. Das wird alles andere als ein Urlaub: Nach Zypern kommt der Einsatz - vermutlich in Afghanistan. Dies war nicht der einzige Gedanke, der die Laune vieler Soldaten trübte. Die Truppe steht vor dem Aus. Gestern war auch durchgesickert, dass das britische Verteidigungsministerium in den nächsten vier Jahren 17 Einheiten der Army auflösen wolle. "Leider ist auch das 2. Bataillon der Fusiliers davon betroffen", so General Sir Peter Wall.



„Alles Gute für Sie! Auf Wiedersehen! Good bye! God save the Queen!”- mit diesen Worten verabschiedete Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) die Soldaten des Royal Regiment of Fusiliers – nach 67 Jahren der Anwesenheit britischer Truppen in der Stadt ein Abschied für immer. Nach dem Schrecken des Weltkrieges habe zunächst niemand erahnen könne, wie sich die Beziehung zwischen den “Besatzern” den Cellern entwickeln würde, so der OB: “Ängste und Misstrauen prägten die erste Zeit in Celle und immer wieder neue Erkenntnisse über das Dritte Reich und seine Gräueltaten. Und dennoch: Das Wunder einer Freundschaft zwischen der Britischen Rheinarmee und den Bürgern unserer Stadt ist geschehen.”

Als Freund wolle sich Mende von den Briten verabschieden: „Es ist heute nicht der Tag und die Zeit darüber zu klagen, dass Ihr Abzug uns, der Stadt, natürlich auch Sorgen und Probleme bereiten wird. Es ist der Tag, um Ihnen auf Wiedersehen zu sagen, sich bei Ihnen für die gemeinsame Zeit zu bedanken und sich an die vielen guten gemeinsamen Begegnungen zu erinnern. Es ist der Tag, Ihnen zu sagen, dass wir Sie vermissen werden. Es ist der Tag, darauf hinzuweisen, dass unsere Beziehungen zu Großbritannien nicht allein auf den vergangenen 60 Jahren beruhen, sondern viel, viel länger währen.“ Schließlich seien die Wurzeln des britischen Königshauses in Celle begründet, so der OB: “Und genau deshalb wird unsere Beziehung auch mit dem Abzug heute nicht beendet. Sie wird weiter bestehen und weiterhin mit Leben erfüllt werden.”

Aus Celle nehmen die Fusiliers neben vielen Erinnerungen auch noch eine Auszeichnung mit: Bundeswehr-Brigadegeneral Wolfgang Brüschke, stellvertretender Befehlshaber des Wehrbereichskommandos I, dekorierte die Truppenfahne der britischen Infanteristen mit dem Fahnenband der Bundesrepublik Deutschland, was einer angelsächsischen “Battle Honor” gleich kommt.

Ein Tag nach der Befreiung Celles hatten sich Briten 1945 im damals extra für diesen Anlass organisierten Goldenen Buch der Stadt verewigt. Gestern war es wieder soweit – und die Unterschiede zwischen Briten und Deutschen waren angesichts der Namen der Akteure kaum noch zu spüren: Ins Goldene Buch der Stadt trugen sich Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) und der britische Hotschafter in Berlin, Simon McDonald, ein.

Das dreitägige “britische” Schlossfest startete gestern im Anschluss an die Parade mit einem Konzert nach Art der „Proms in the Park“.
Michael Ende Autor: Michael Ende, am 09.07.2012 um 12:29 Uhr
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