Korkut auf der Kippe - Wut und Abstiegsangst bei 96

96-Trainer Tayfun Korkut spricht mit einem Megafon zu aufgebrachten Fans. Foto: Alexander Körner Foto: Alexander Körner

Hannover (dpa) - Das mutige Experiment mit Trainer-Nobody Tayfun Korkut droht zu scheitern. Der glücklose Coach von Hannover 96 musste mit einem Megafon auf einen Zaun klettern, um aufgebrachte Anhänger zu beruhigen.

Mehr als 1000 Anhänger warfen aus Wut über die bittere 0:3-Pleite im Derby bei Eintracht Braunschweig Böller, Flaschen und Eier in Richtung Trainer und Team. «Ich hatte keine Angst. Es war wichtig, dass wir schnell mit unseren Fans kommunizieren konnten», erläuterte Korkut die Fan-Revolte.

Nach vier Niederlagen liegen nicht nur bei den Anhängern die Nerven blank. Auch in der Führungsetage wächst angesichts des mageren Zwei-Punkte-Polsters die Angst vor dem Bundesliga-Abstieg. «Wir müssen eine Wagenburg-Mentalität schaffen», erklärte Manager Dirk Dufner nach dem Montag-Training. Er stand gemeinsam mit Korkut Rede und Antwort. «Es ist ein klares Signal, dass wir hier zusammen auftreten», sagte Dufner zu der Diskussion um Korkuts Zukunft. Sie soll in einem Gespräch mit Clubchef Martin Kind erörtert werden.

Als «völlig inakzeptabel» hatte Kind die katastrophale Leistung der Mannschaft im Prestigeduell bezeichnet. Für den mächtigen Clubchef ist auch die 2. Liga ein völlig inakzeptables Szenario. Kind wird deshalb alles daran setzen, um den Abstieg zu verhindern. Ein zweiter Trainerwechsel in dieser Saison ist nicht auszuschließen. Korkut soll aber die verunsicherte 96-Mannschaft auch im nächsten Abstiegskrimi gegen den Hamburger SV betreuen. Dort sitzt pikanterweise sein Vorgänger Mirko Slomka auf der Bank.

«Korkut drückt die richtigen Knöpfe», versicherte 96-Kapitän Lars Stindl. Fünf Punkte aus den vergangenen zehn Spielen sind aber keine gute Bilanz für den sympathischen Bundesliga-Neuling. Kind und Dufner hatten Korkut am Silvestertag überraschend verpflichtet und mit einem Vertrag bis 2016 ausgestattet. Der Zorn der Anhänger richtete sich in erster Linie nicht gegen den Trainer. Sie skandierten «Kind muss weg» oder «Dufner raus» und beschimpften die Profis, die dennoch mit ihnen sprachen.

«Wir können Wut und Enttäuschung nachvollziehen. Für uns war es schwierig, nach so einem Spiel noch irgendwelche Argumente vorzubringen», sagte Stindl. Die Polizei verhinderte schwere Ausschreitungen, zwei Flaschenwerfer wurden festgenommen.

«Der Verein hat es vor ein paar Jahren schon einmal erlebt, dass man kurz vor dem Abstieg stand und dann zusammengerückt ist. Das Jahr danach hat man in der Europa League gespielt», erinnerte Dufner an das erste Trainerjahr von Slomka. Der Sportdirektor hatte vor dem Derby seine Spieler als «bessere Mannschaft» bezeichnet. Davon konnte aber keine Rede sein. Spielerisch, kämpferisch und vor allem mental war der Tabellenletzte dem Nachbarclub klar überlegen.

Viel zu lange haben die Verantwortlichen den Ernst der Lage nicht richtig erkannt. Zu Saisonbeginn sprach Kind von den Rängen vier bis sechs, nach dem Trainerwechsel im Winter korrigierte er das Saisonziel auf einen Platz um zehn. An Abstiegskampf hat keiner gedacht. Nun trifft Hannover an den letzten fünf Spieltagen nur auf mitgefährdete Teams. Eine gefährliche Konstellation, in der ein Zusammenrücken aller Kräfte wie beim Tabellenletzten Braunschweig nötig wäre.

Die Eintracht bleibt laut Trainer Torsten Lieberknecht «wie die Kletten» dran an den anderen Teams. «Wir haben gesehen, was Zuschauer bewirken können», sagte Lieberknecht zu der grandiosen Derby-Choreographie in blau und gelb. Auch wenn Bengalos gezündet wurden und einige Sprüche unter die Gürtellinie gingen: Bei Eintracht herrscht Eintracht, bei 96 dagegen Zwietracht.

Das zerstrittene Fan-Lager und die Clubführung um Kind liegen im Dauerclinch. Die umstrittene Busanreise der Anhänger zum Derby, die sich im Nachhinein als wirkungsvolle Maßnahme herausstellte, hat den Streit verschärft. «Wenn du ein Problem hast und damit allein umgehen musst, wird es schwer. Wenn du aber zusammenrückst, hast du eine echte Chance», mahnte Dufner.

Peter Hübner und Nils Bastek Autor: Peter Hübner und Nils Bastek, am 07.04.2014 um 13:59 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

SPD will Gesundheitsförderung in Celle verbessern

Die SPD-Fraktion der Stadt Celle hat den Antrag eingebracht, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises eine systematische Gesundheitsberichterstattung in der Kommune aufzubauen. Anhand der Ergebnisse könnten dann konkrete Maßnahmen zum Wohle der Bewohner der Stadt und des Landkreises zur… ...mehr

Celler Unternehmen fördern Gesundheit ihrer Mitarbeiter

Die Gesundheit der Arbeitnehmer steht für Betriebe immer mehr im Vordergrund. Auch Celler Arbeitgeber tun einiges für ihre Mitarbeiter. Das Autohaus Erdmannsky und die Cellesche Zeitung lassen ihre Arbeitnehmer regelmäßig beim Galileo-Training durchrütteln. ...mehr

Abstrakt und maskenreich: «Parsifal» in Hamburg

Hamburg (dpa) - Richard Wagners letztes Bühnenwerk «Parsifal» ist eine Herausforderung für jeden Regisseur. Mehr als vier Stunden lang lässt der Komponist und Librettist seine Figuren in erster Linie Gedanken ausbreiten und längst Vergangenes nacherzählen. ...mehr

Lokomotive rammt VW-Bulli bei Lachendorf

Das hätte Böse enden können: Ein 57-jähriger Eldinger ist am Mittwoch mit seinem VW-Bulli von einer Lokomotive gerammt worden. Obwohl das Auto schwer beschädigt wurde, blieb der Mann unverletzt. ...mehr

Celles tollkühne Piloten in ihren rasenden Kisten (mit Bildergalerie)

Reges Treiben herrschte am Samstag im Celler Stadtteil Hehlentor. Mit dem Seifenkistenrennen wurde nicht nur eine alte Tradition wiederbelebt, sondern den Besuchern wurde auch ein Riesenspaß geboten. ...mehr

"Wanderarbeiter" flüchten in Walle

Ein Ehepaar aus dem Winser Ortsteil Walle hat unliebsame Bekanntschaft mit sogenannten Wanderarbeitern gemacht. Am Dienstag hätten am frühen Nachmittag drei Männer geklingelt und angeboten, die Dachrinne für 100 Euro zu erneuern, berichtete Heike Helms. Sie und ihr Mann Hans-Jürgen erklärten sich… ...mehr

Dirk Benecke und Heidrun Behrens aus Vorstand verabschiedet

Im Vorstand des Schützenvereins Diesten gibt es seit diesem Jahr einige einschneidende Veränderungen. Wöchentlich stand Dirk Benecke als Jugendwart des Schützenvereins Diesten mit zahlreichen Kindern und Jugendlichen auf dem Schießstand, begleitete die heranwachsende Schützenjugend auf Wettkämpfe… ...mehr

Mit Rad Truppenübungsplatz in Bergen erkunden

Autokolonnen mit Fahrradträgern, die sich am Sonntagmorgen in Richtung der Startpunkte Höllenberg und Pröbsten bei Bad Fallingbostel bewegen. Das sind eindeutige Vorzeichen. Es geht zum Volksradfahren auf den Truppenübungsplatz Bergen. ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
20.09.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

James-Gala mindert Bayern-Sorgen um Neuer

Gelsenkirchen (dpa) - Die Sorgen über den erneuten Ausfall von Manuel Neuer schienen zumindest für…   ...mehr

Eine künstliche Insel für Alba

Jakarta (dpa) - Der vielleicht einzige wildlebende Albino-Orang-Utan der Welt soll in Indonesien eine…   ...mehr

Rekord an Briefwählern bei der Bundestagswahl erwartet

Wiesbaden/Berlin (dpa) - Der Anteil der Briefwähler bei der Bundestagswahl steuert auf einen Rekord…   ...mehr

Russland grenzt sich von Trumps Drohungen ab

New York (dpa) - Russland hat sich von den Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump gegen Nordkorea…   ...mehr

Kerber erreicht in Tokio das Viertelfinale

Tokio (dpa) - Die ehemalige Tennis-Weltranglistenerste Angelique Kerber hat das Viertelfinale beim Turnier…   ...mehr

Italienische Reise - Italienerin wandert Goethes Weg nach

München (dpa) - Auf den Spuren Johann Wolfgang von Goethes: Die Italienerin Vienna Cammarota (68) wandert…   ...mehr

Trennung am 59. Geburtstag - Meier nicht mehr FCK-Trainer

Kaiserslautern (dpa) - Erst bekam Norbert Meier Gratulationen zu seinem 59. Geburtstag, dann gab's die…   ...mehr

De Maizière: Jeder sollte zur Wahl gehen

Berlin (dpa) - Mehrere Kabinettsmitglieder haben den Äußerungen von Kanzleramtsminister Peter Altmaier…   ...mehr

Ist die Sorge vor Wahl-Einmischung aus Moskau unbegründet?

Berlin/Moskau (dpa) - Monatelang hat die deutsche Spionageabwehr gewarnt, russische Stellen könnten…   ...mehr

Rohingya-Krise: Bangladesch appelliert an islamische Länder

New York (dpa) - Bangladeschs Ministerpräsidentin Sheikh Hasina hat die islamische Welt zu gemeinsamen…   ...mehr
SPOT(T) »

Adeldingsbums

Richtig schreiben, das ist nicht immer leicht. Als schreibender Redakteur sollte… ...mehr

Mitbringsel

Wein aus Frankreich, Salami aus Italien oder Käse aus Holland: Typische kulinarische… ...mehr

Verkehrte Welt

Der Nostalgie sind heutzutage ja keine Grenzen gesetzt. Wer in den Erinnerungen… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG