An Wänden tanzt das Lichtballet

Lichtquellen erzeugen an den W‰nden wechselnde optische Effekte. Foto: Peter M¸ller

Als das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt bietet das Kunstmuseum Celle Tag und Nacht Begegnungen mit moderner und zeitgenössischer Kunst. Tagsüber werden Malerei, Grafik, Skulptur und Objektkunst gezeigt. Einer der großen Glanzpunkte ist der von Otto Piene speziell für Celle gestaltete „Lichtraum“.

CELLE. Die Kinder im „Lichtraum“ des Kunstmuseums sind begeistert, – einige versuchen, die Lichtkegel an den Wänden zu erwischen, andere legen sich auf den Boden und lassen das Lichtballett auf sich wirken.

„Die Reaktionen unserer Besucher sind ganz vielfältig“, weiß Julia Otto zu berichten. Ihr fiel es trotz der vielen Objekte zeitgenössischer Kunst im Kunstmuseum mit der Sammlung Robert Simon leicht, den „Lichtraum“ hervorzuheben und in das richtige Licht zu rücken, denn ihr ist klar: „Otto Piene lässt Lichter tanzen und Blumen in den Himmel steigen.“

Der Lichtraum im Celler Kunstmuseum ist rund 88 Kubikmeter groß. Er misst 4,92 mal 5,3 mal 3,4 Meter. „Über zwei seiner Wände und die Decke ziehen sich Linien, Schwünge und Kreise aus von Hand angelegten Perforationen und dahinter kreisen Lichtquellen, die wechselnd verschiedene Teile dieser Lochzeichnung erhellen“, beschreibt Otto das Werk. „Das ist wirklich ein echtes Kleinod, das in einer Weltstadt stehen könnte.“ Der Raum enthält zusätzlich zwei Lichtwürfel aus gerastertem Blech – ebenfalls ausgestattet mit bewegten Leuchtmitteln, die unterschiedliche optische Effekte erzeugen.

„Mit Betreten des Raumes wird das Lichtballett durch einen Bewegungsmelder gestartet. Dann wechseln Phasen, in denen nur eines der leuchtenden Elemente aktiviert ist, mit Phasen, in denen alle parallel laufen oder alle ausgeschaltet werden.“ Begleitet wird der Tanz der Lichtpunkte und -flecken vom leisen Rauschen, Schaben und Brummen der Motoren. „Immer wieder gibt es kurze Abschnitte der Stille, in denen die Apparate schweigen, aber sich die Lichter noch einen Moment weiter bewegen. Diese Pausen haben eine entscheidende Funktion innerhalb der Choreografie. Nachklänge und Nachbilder erzeugen eine meditative Leerstelle, in der sich der Zauber des Lichttanzes vollends entfaltet.“

Das ‚Ballett‘, das die Besucher bis dahin verzauberte und entrückte, lässt nun Raum für deren Selbstwahrnehmung. Der eigene Atem kann zur Musik werden, wie zuvor das Motorengeräusch. Mit den verglimmenden Lichtern erhalten Geist und Gedanken die Gelegenheit, ihrerseits zu kreisen und Reigen zu bilden. Am Ende des Tanzes ist Dunkelheit. „Erst wenn sich die Besucher wieder rühren, setzt das Lichtballett von neuem ein.“

Als Künstler mit visionärer Kraft und großem Durchhaltevermögen widme sich Piene seit Ende der 50er Jahre der Umsetzung von hochfliegenden Ideen, sagt die Kunsthistorikerin und unterstreicht: „Die im Jahr 2001 geschaffene Celler Fassung ist eine von insgesamt nur drei fest installierten Lichträumen in deutschen Museen.“

Piene, der als junger Flakhelfer erlebte, wie der Zweite Weltkrieg den Himmel mit farbigen Zeichen und künstlichen und provozierten Feuersbrünsten erleuchtete, will mit seiner Kunst ein Zeichen für Frieden und Freiheit setzen. Zu sehr hat ihn das Erlebte beeindruckt. - Und die vielen Besucher in der Kunstsammlung sind von dem „Lichtraum“ ebenso beeindruckt.

Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon
Schlossplatz 7
29221 Celle
Tel. 05141 / 12 685
http://www.kunst.celle.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10 - 17 Uhr im Museum mit Sammlung und Sonderausstellungen;
Täglich 17 - 10 Uhr von außen mit internationaler Lichtkunst.
Eintritt:
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 3 Euro
(Gruppen ab 15 Personen, Inhaber der EhrenamtsCard)
Jugendliche bis 14 Jahre und Schüler haben freien Eintritt
Freitags Eintritt frei
Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 07.08.2012 um 16:31 Uhr
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