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Im Schloss wird Geschichte lebendig

Volont‰rin Barbara Riegger zeigt den Federhalter von Georg V, (Hintergrund) im Residenzmuseum im Celler Schloss. Foto: Lothar H. Bluhm

Ein Federhalter schreibt Landesgeschichte – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Symbolisch für das Ende des Königreichs Hannover liegt im Residenzmuseum im Celler Schloss das Schreibutensil Georgs V. auf der letzten mit ihm verfassten Proklamation auf hannoverschen Boden.

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CELLE. „Wir schreiben den 21. Juni 1866: Georg V. - seit 1851 König von Hannover - bereitet sich auf einen Kriegszug vor“, veranschaulicht Barbara Riegger, Historikerin und Volontärin im Residenzmuseum im Celler Schloss, die Situation, wie sie sich vor 146 Jahren ereignet hat. „Die Sorge um den Verlust seiner Souveränität und seine Abneigung gegenüber Preußen haben ihn im so genannten Deutschen Krieg zwischen Österreich und Preußen sowie den jeweiligen Verbündeten auf die Seite Österreichs geführt. Nun rücken preußische Truppen auf Hannover vor. Doch noch gibt sich Georg V. nicht geschlagen.“ Eher im Gegenteil, unterstreicht Riegger: „Stolz verkündet er in einer Proklamation seinen bevorstehenden Kriegszug gegen Preußen.“ An der Spitze seines Heeres verlässt er das Königreich, „um in Gemeinschaft mit Meines Landes Verbündeten die gerechte Sache, die deshalb die Sache Gottes ist, mit um so größerem Nachdruck unter dem Beistande des Allmächtigen zu verfechten.“ Soweit Georgs letzte Proklamation auf hannoverschen Boden.

Letztlich kann das hannoversche Heer der preußischen Übermacht nichts entgegensetzen und muss am 29. Juni bei Langensalza in Thüringen kapitulieren. Georg V. bleibt nichts anderes übrig als nach Österreich zu fliehen, sein Königreich wird von Preußen annektiert. Damit endet die Geschichte des Königreiches Hannover nach nur 52 Jahren seiner Existenz. „Nicht jedoch für Georg V.: Bis zu seinem Tode 1878 im Pariser Exil wird er verbittert und unversöhnlich an seinen Ansprüchen auf das Königreich Hannover festhalten“, kennt Riegger die historischen Zusammenhänge.

Federhalter und Proklamation sind nur zwei der vielen Objekte zur Geschichte des Königreichs Hannover im Residenzmuseum im Celler Schloss. Sie sind geblieben aus der Zeit des Umbruchs. Der Federhalter wurde aus Holz hergestellt und mit Messing verziert. „Das ist keine westeuropäische Holzart - vermutlich Ebenholz“, denkt Riegger. Und die Feder selbst wurde aus Eisen gefertigt.

Das Residenzmuseum hat rund 40.000 Besucher im Jahr. „In diesem Jahr waren es durch das überaus erfolgreiche Schlossfest etwas mehr.“ In dem Welfenschloss macht das Residenzmuseum Hofgeschichte und -geschichten lebendig: Fast drei Jahrhunderte lang war Celle ständige Residenz der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg und damit Regierungssitz des bedeutendsten welfischen Fürstentums.

Spannende Inszenierungen und eine moderne Ausstellungspräsentation lassen den Besucher in den historischen Schlossräumen die Geschichte des Schlosses und seiner Bewohner nachvollziehen – von der mittelalterlichen Burg bis zum Sommersitz der hannoverschen Könige im 19. Jahrhundert.

Die barocken Staatsgemächer des letzten Celler Herzogs Georg Wilhelm und seiner Gemahlin Eléonore d’Olbreuse bilden dabei einen Glanzpunkt mit ihren prächtigen Stuckaturen, wirbt Riegger für das Museum. Nicht zuletzt ist die vollständig erhaltene Schlosskapelle mit ihrer frühprotestantischen Ausstattung ein Zeugnis der Renaissancekunst Norddeutschlands.

Auch Kinder entdecken im Residenzmuseum, dass es Freude macht, sich mit der Geschichte zu beschäftigen, denn bei der Gestaltung des Museums ist für sie ein eigener Rundgang eingeplant worden. „Eltern und Großeltern können sich gemeinsam mit ihren Kindern oder Enkeln auf die Entdeckungsreise ‚Schlau durchs Schloss‘ machen“, ist Riegger überzeugt.

Lothar H. Bluhm



Schlossplatz 1

29221 Celle

Kontakt:

Telefon (05141) 12373

residenzmuseum@celle.de

www.residenzmuseum.de

Öffnungszeiten:

Dienstag – Sonntag 10 bis 17 Uhr (Änderung an Feiertagen vorbehalten)

Eintritt:

5 Euro; Gruppen (ab 15 Personen) pro Person 3 Euro; Inhaber der NDR-KulturKarte 3 Euro; Familienkarte 8 Euro.

Freitags freier Eintritt.

Kinder bis 14 Jahre sowie Schüler haben freien Eintritt.

Führungsdienst:

Es werden regelmäßig öffentliche Führungen durch die Schlossräume angeboten. Auf Anfrage können allgemeine oder Themen- sowie Kostümführungen gebucht werden.

Information und Buchung: Telefon (05141) 12373
Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 20.08.2012 um 13:20 Uhr
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