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Deutsche Meisterschaft im Baumklettern im Celler Schlosspark (mit Video + Bildergalerie)

Wie ein Tanz in einem Baum: Gregor Hansch aus Berlin. Foto: Benjamin Westhoff

Sie schneiden kranke Äste weg, pflegen Kronen und Wurzeln oder sammeln Saatgut – manchmal klettern sie aber auch nur um Punkte und Pokale. So wie an diesem Wochenende im Schlosspark in Celle. Bei der 21. offenen Deutschen Meisterschaft im Baumklettern duellieren sich 65 Baumpfleger in Eichen, Riesenplatanen und Götterbäumen.

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CELLE. Christian Rau steht am Fuß des Götterbaums im Schlosspark in Celle und blickt nach oben. Der schlaksige Heidelberger trägt Gartenhandschuhe und einen Helm. In den Händen hält der 27 Jahre alte Baumpfleger ein dickes Seil und geht die Griffe und Schritte schon mal in Gedanken durch. Dann greift er das Seil fest mit seinen Händen und schwingt den rechten Fuß auf den ersten Ast. Sein Ziel: die Astgabelung, 18 Meter über seinem Kopf, in der eine Kuhglocke hängt. Mit seinen sehnigen Händen und kräftigen Beinen arbeitet er sich von Ast zu Ast am Baum nach oben. Nach 41 Sekunden läutet er die Glocke.

Das sogenannte Speedclimb, bei dem die Teilnehmer nach Geschwindigkeit von Ast zu Ast nach oben klettern und die Glocke läuten müssen, ist eine von fünf Disziplinen, in denen die 65 Baumpfleger unter anderem aus Deutschland, Australien, Neuseeland und Kanada bei der 21. offenen Deutschen Meisterschaft im Baumklettern von der Internationalen Baumpflegegesellschaft gegeneinander antreten. Die Reihenfolge ist egal. Hauptsache ist, dass die Teilnehmer effizient, gesichert und baumschonend arbeiten – und schneller als die Gegner sind. Rau liegt mit seiner Zeit im Speedclimb im Mittelfeld. Aber das ist ihm nicht so wichtig. „Das Ergebnis ist eigentlich Nebensache“, sagt Rau. Wichtiger als das Klettern, bei dem es auf Körperkraft, Schnelligkeit und Gewandtheit ankommt, sei der Austausch mit den Kollegen und das Miteinander und die Liebe zur Natur. „Wir sind wie eine große Familie.“

Die kletternden Baumpfleger sind moderne Nomaden. Sie ziehen von Stadt zu Stadt, arbeiten für Hausverwaltungen und Kommunen, für Forschungseinrichtungen und Baumschulen. Manche schlafen lieber in Wohnwagen als in Häusern, tragen Dreadlocks und lange Bärte. Sie eint die Liebe zu Bäumen und die Begeisterung für deren ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung sowie ein intensives Engagement für deren Erhalt. Sie sehen den Baum nicht als Kletterwand, sondern als Lebewesen. „Es ist eine Lebensphilosophie“, sagt Josua Hundertmark. Der 29 Jahre alte Baumpfleger ist in Celle aufgewachsen und arbeitet seit sechs Jahren mit seiner Firma in Hamburg. „In sanften Riesen zu arbeiten, die gleichzeitig Zeitzeugen sind, ist faszinierend“, sagt Hundertmark. In diesem Jahr bleibt er aber wie die vielen Besucher in ihren Klappstühlen am Boden. Hundertmark ist einer der vielen Schiedsrichter und muss am Speedclimb die Leistungen der Teilnehmer bewerten.

Nach dem ersten Wettkampftag am Freitag sind die besten fünf Kletterer der einzelnen Disziplinen übrig geblieben. Sie mussten mal auf Zeit klettern und mal einen Kollegen retten. Am Sonntag treten sie von 10 bis 15 Uhr im Celler Schlosspark im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegeneinander an. Die Gewinner sind für die Europameisterschaft und Weltmeisterschaft qualifiziert.

Frauke Lenz kann sich auch keinen anderen Beruf vorstellen. „Es ist die Erfüllung, am, im und mit dem Baum zu arbeiten“, sagt die 27 Jahre alte Baumpflegerin aus Freiburg. Sie ist eine von vier weiblichen Teilnehmerinnen im Wettbewerb. Sie steht am sogenannten Footlock. An dieser Station muss sie mit einer besonderen Fußklemmtechnik zwei parallel gespannte Seile zwölf Meter hinaufklettern. Und die Kuhglocke läuten. Höhenangst hat sie nicht. „So lange das Seil da ist, ist alles gut“, sagt sie mit einem Lächeln und greift nach dem Seil. Es ist kein Kampf gegen den Baum, es ist ein Tanz im Baum.

Sonnabend: 10 bis 13 Uhr Sonderwettbewerb Head to Head Footlock. 10 bis 17 Uhr Baumkundliche Führungen. 10 bis 18 Uhr Kinderklettern. Ab 21 Uhr Party.

Sonntag: 10 bis 12 Uhr Master Frauen. 12 bis 15 Uhr Master Männer. 10 bis 15 Uhr Kinderklettern, Baumführungen. 15 Uhr Siegerehrung.

Christoph Zimmer Autor: Christoph Zimmer, am 02.06.2014 um 12:36 Uhr
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