Urgesteine: Willi Beckmann zeigt "sein" Winsen

In Winsen geboren und aufgewachsen: Urgestein Willi Beckmann vor der St. Johanneskirche. Foto: Lothar H. Bluhm

Die Orte im Celler Land aus einem anderen Blickwinkel sehen: Die CZ ist mit Urgesteinen unterwegs, die dort schon ihr ganzes Leben lang wohnen. Heute zeigt Willi Beckmann „sein“ Winsen.

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WINSEN. Obermeister im Ruhestand bei den Winser Bessenbinners, passives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Winsen, ehemaliger Heimatpfleger und Plattschnacker im Winser Heimatverein sowie Amtsvogt in schwarzem Gehrock und mit Dreispitz: Willi Beckmann (74) gilt als Winser Urgestein. Und wenn Urgestein Willi Beckmann erzählt, dann hat er was zu erzählen.

Kein Wunder, dass seine oft plattdeutschen Führungen als Amtsvogt bei Besuchern gut ankommen und gefragt sind. Amtsvogt Wilhelm Karl Arnold von Schönbrunn ist ein frei erfundener Name ohne historischen Bezug, der aber die weiteren Vornamen von Willi Beckmann enthält. „So um die 20 Gästegruppen pro Jahr wollen von mir durch Winsen geführt werden“, berichtet Beckmann. Dann wird die Bedeutung der Aller-Schifffahrt erklärt, dann wird der Knotenpunkt der Handelswege in Winsen erläutert und die Schlacht an der Aller thematisiert. Die Privatsynagoge der Großunternehmer Otto und Satorius Reinhold ist ebenso Gegenstand der Führungen wie die St. Johanneskirche und das Stechinellitor.

„Ich bin hier geboren und aufgewachsen“, sagt Beckmann, der vielen Schülergenerationen als Grundschulhausmeister in Erinnerung ist. Bis 2003 war er für die Schule Am Amtshof verantwortlich. „Das hab ich 23 Jahre lang gemacht.“

Auf dem Allerdeich zeigt er, wo er als Kind, das auf dem Wicker-Hof aufgewachsen ist, gespielt hat. „Für de olen Lüe bin ick schon immer Wicker-Willi – so as wie mien Vadder“, teilt Beckmann verschmitzt mit. Winsen habe sich zwar mächtig verändert, die Störche aber kommen schon immer auf den Schornstein der Fleischerei Kleinschmidt. „Winsen war früher ein Dorf mit vielen Handwerker- und Bauernhäusern. Meistens hielten sich die Leute außerdem Kühe. Es gab 80 Milchlieferanten in Winsen.“

Nach dem Krieg habe der Siedlungsbau das Ortsbild erheblich gewandelt, denn eine Flüchtlingswelle kam auch nach Winsen.

Auch jetzt verändert sich Winsen ständig weiter. Die Poststraße wurde baulich saniert, der Marktplatz wurde geschaffen, ein Ärztezentrum entsteht. „Es wäre positiver, wenn auf dem Marktplatz mehr Veranstaltungen stattfinden würden“, hofft Beckmann auf eine weitere Belebung des Kernortes. An einen Wochenmarkt ist gedacht. „Der Amtsvogt, der in der Zeit bis 1859 in Winsen gewirkt hat, würde vielleicht sagen, dass sich der ganze Kram hier mächtig modernisiert hat“, vermutet Willi Beckmann. „Als Amtsvogt bin ick natürlich gegen den Afriss von de historische Gebäude, doch wir Olen dröfft us dor nich verbiestern: De jungen Lüe wüllt hüde ein modernes Winsen hebben.“

In Sachen Fußball sieht Willi Beckmann Portugal als seinen Favoriten. Aber wenn Deutschland spielt, will er immer vor dem Fernsehgerät sitzen. Und da ist er wieder, dieser Heidjer-Humor: „Dütschland gewinnt immer!“

Lothar H. Bluhm

Lothar H. Bluhm Autor: Lothar H. Bluhm, am 02.07.2014 um 12:02 Uhr
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