Vom BMX-Fahrer und Discjockey zum Kammerdiener

Schauspieler Schlosstheater Timo Jacobs Foto: Marcus Jacobs

So ganz ausgelastet scheint Timo Jacobs gerade nicht zu sein: „Ich war eben anderthalb Stunden joggen“, meint er, „und jetzt will ich noch schwimmen gehen. Meine Rolle im Schlosstheater lässt mir ja noch ein bisschen Energie übrig…“ Stimmt schon: Der Kammerdiener in Büchners „Leonce und Lena“ ist ein eher kleiner Part. Dabei aber auch ein wichtiger und nicht zuletzt einer, der Jacobs’ Wesen entgegenkommt: „Ich habe eine Vorliebe für Akkuratesse und Sauberkeit. Ich liebe es meine guten Manieren zu demonstrieren, da es mir Freude macht ein gutes Beispiel zu sein. Da bin ich gerne alte Schule. Schade, dass dies seltener wird.“

CELLE. Offen gesagt, wäre man auf diese Prägung vielleicht nicht unbedingt sofort gekommen, denn der Berliner Darsteller wirkt im Gespräch zwar keineswegs unfreundlich, aber doch recht burschikos. Eben diese Gradlinigkeit hat ihm indes zum Einstieg in die Schauspielbranche verholfen, und zwar im bemerkenswerten Alter von 27 – zuvor hatte Jacobs Ernährungslehre studiert, war als professioneller BMX-Fahrer und schließlich als Großhändler im letztgenannten Sektor tätig. Die neue Karriere ergab sich paradoxerweise aus einem Streit mit dem renommierten Regisseur Klaus Lemke.

„Ich jobbte damals als DJ in einer Diskothek auf St. Pauli“, schildert Jacobs die denkwürdige Begegnung. „Klaus hatte damals so eine Guerillataktik drauf – er kam ohne jede Ankündigung, um einen Dreh zu machen. Also stand er auf einmal bei uns und wollte, dass ich die Musik leiser stelle. Aber meine Leute waren gut drauf, außerdem war es meine Party, also habe ich mich geweigert. Und gerade dieser Widerstand scheint ihm gefallen haben.“

Inzwischen, elf Jahre später, hat der Darsteller nicht nur mehrere Hauptrollen bei Lemke absolviert, sondern war unter anderem auch als SS-Mörder an der Seite von Alba Rohrwacher im preisgekrönten Weltkriegsepos „L‘uomo che verrà“ zu sehen, spielte die Hauptrolle im Fußball-Film „Gegengerade“ mit Mario Adorf und stand 2011 in Zürich als König Ödipus auf der Theaterbühne. Rollen übrigens, die Jacobs als gar nicht so widersprüchlich empfindet: „Das sind alles Facetten, die in einem Menschen angelegt sind.“ Dass der Darsteller auch zur Selbstironie fähig ist, bewies er nachdrücklich mit dem vollständig selbst finanzierten Film „Klappe Cowboy!“: Hier spielt er in einer Bande von Durchgeknallten, die einen Blockbuster drehen will, den Oberspinner.

In den offiziellen Biografien tauchen immer wieder körperbetonte Hobbys wie Aikido, Bungeespringen oder Tauchen auf, auf direkte Anfrage nennt Jacobs diesbezüglich aber Lesen, Kinobesuche und Konzerte: „Auf keinen Fall diese Mega-Events, lieber so Stage-Clubs wie in Celle das ,Herzog Ernst’.“ Worüber kann der Darsteller lachen? „Absurdes wie Helge Schneider. Aber auch über Louis de Funès – das ist ja nun wirklich der Inbegriff des Scheiterns.“ Und was regt Jacobs auf? „Ignoranz. Wenn jemand nur seine eigenen Angelegenheiten sieht und überhaupt keine Rücksicht auf andere nimmt.“ Alte Schule eben.

Jörg Worat Autor: Jörg Worat, am 01.11.2012 um 22:31 Uhr
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