Nur 10 Celler demonstrieren gegen den Krieg

Im Juni 1914 fährt Wilhelm II. auf seinem Weg von Hannover nach Hamburg durch Celle. Bürger und Soldaten stehen Spalier und huldigen ihrem Kaiser. Foto: FF

Das Attentat auf Sophie und Franz Ferdinand, Thronfolger von Österreich (hier aufgebahrt in der Wiener Hofburg), löste die sogenannte Juli-Krise aus. Auch in Celle gab es große Anteilnahme, die täglich auch in der Celleschen Zeitung zum Ausdruck kam. Besonders den Kindern galt das Beileid. Vom bevorstehenden weltumspannenden Krieg war jedoch noch keine Rede.

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Soldaten gehören im Sommer 1914 zwar zum Stadtbild und exerzieren zu verschiedenen Anlässen durch die Stadt oder stehen Spalier beim Kaiserbesuch - aber von Krieg ist in Celle keine Spur. Die Artillerie feuert in Friedenszeiten bestenfalls Salut oder fährt zum Manöver nach Munster und Unterlüß. Seit dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges herrscht 43 Jahre Frieden.

Es herrscht große Freizügigkeit in Europa und der Welthandel blüht auf. Das aufstrebende Deutsche Reich wird zur Großmacht und versuchte seinen Einfluss in Übersee zu vergrößern. Kolonien sollen den Deutschen einen „Platz an der Sonne“ sichern. Doch das weltweite Macht- und Interessengefüge mit gegenseitigen Schutzabkommen der Großmächte hat ein Gemisch geschaffen, bei dem ein Funke zur Katastrophe führt. Zwei tödliche Schüsse im bosnischen Sarajewo leiten die sogenannte Julikrise ein, die letztlich in den Ersten Weltkrieg führt.

Vom erfolgreichen Attentat auf den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie erfahren die Leser der Celleschen Zeitung am Morgen des 29. Juni 1914 in der Titelstory. Der Bedeutung des Ereignisses entsprechend widmet die CZ dem Thema am folgenden Tag die gesamte erste Seite. Das „Lebensbild des Thronfolgers“ wird dargestellt und ein „offiziöser Nachruf“ veröffentlicht.

An jedem Tag werden die Leser nun über die weiteren Vorgänge auf dem Laufenden gehalten. Bestimmende Themen sind die große Anteilnahme für das „trauernde Österreich“ sowie die „verwaisten Kinder“ des ermordeten Paares. Berichtet wird über die „Heimfahrt der Toten“ ebenso wie über die Trauerfeier in Artstetten. Besondere Aufmerksamkeit richtet sich allerdings auf das „Verhör des Mörders“ und die weiteren „Untersuchungen in Sarajewo“. Bereits am 3. Juli wird vom serbischen Mordkomplott geschrieben, doch die Aufklärung der Hintergründe geht weiter. Eine militärische Reaktion Österreichs bleibt allerdings zunächst aus. Über die diplomatischen Verwicklungen berichtet die CZ ausführlich. Es wird gemutmaßt, dass sich England und auch Italien im Falle einer Eskalation neutral verhalten würden und auch Frankreich kein Interesse an einem Krieg haben könne.

Der drohende Konflikt soll lokalisiert, also auf den Balkan beschränkt bleiben. Als Kriegstreiber wird Russland dargestellt, denn der Zar stützt Serbien offensichtlich im panslawischen Gedanken. Am Freitag, 24. Juli 1914, berichtet die CZ unter der Überschrift „Der österreichisch-serbische Konflikt“ von der Überreichung des Ultimatums an Serbien. Die Antwort der Serben ist der CZ ein Extrablatt wert. Hoffnung kommt auf, dass ein Krieg noch abgewendet werden könne. Großen Widerstand gegen einen drohenden Krieg gab es in Celle allerdings nicht.

Eine von Celler Sozialdemokraten Ende Juli 1914 veranstaltete Kundgebung unter dem Motto „Wie entfalten wir eine wirksame Demonstration gegen den Krieg“ besuchten lediglich 10 Personen. Reichsweit waren es in diesen Tagen zwar über 700.000 Demonstranten auf verschiedenen Friedens-Kundgebungen, vor allem in Berlin - aber der weitere Verlauf war dadurch nicht zu stoppen.

Am 31. Juli rief der Kaiser den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ aus. Verbunden waren damit verschärfte Zensurbestimmungen für die Presse und ein Verbot von Demonstrationen im Freien. In den Celler Kasernen begann nun die Vorbereitung auf die bevorstehende Mobilmachung. Florian Friedrich

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 01.08.2014 um 15:19 Uhr
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