Celler Patrioten schüren Hass

Einladung des Celler Oberbürgermeisters Wilhelm Denicke zur öffentlichen Versammlung in der Union. Foto: Cellesche Zeitung vom 4. September

Erfolgsmeldungen von der Ostfront und der Westfront verbreiten weiter Siegeszuversicht. Allerdings sorgen die seitenlangen Verlustlisten in der Celleschen Zeitung für Unsicherheit. In der Union wird am Sonntag, 6. September 1914, eine gut besuchte Versammlung abgehalten, in der patriotische Lieder gesungen und Vorurteile gegen die Feinde geschürt werden.

Am 1. September 1914 verkündet die Cellesche Zeitung wieder „große Erfolge in Ost und West“ und teilt mit, dass der Bedarf an Kriegsfreiwilligen zurzeit gedeckt ist. Sorgen bereiten die seitenlangen Verlustlisten. Am 4. September 1914 stellt die Cellesche Zeitung die Veröffentlichung der Listen ein und gibt bekannt: „Die amtlichen Verlustlisten können im Rathause eingesehen werden. Die Verlustlisten unserer 77er sind jedoch noch nicht erschienen.“

Um die Bürger zu beruhigen und sich über die ernste Situation auszutauschen, lädt Oberbürgermeister Wilhelm Denicke für Sonntag, 6. September, zur öffentlichen Versammlung in die Union ein. Die Cellesche berichtet am folgenden Tag sehr ausführlich von der gut besuchten Veranstaltung. „Nicht nur der große Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, auch in den Nebensälen und auf der Galerie drängte sich die Masse der Teilnehmer.“

Der Oberbürgermeister macht einleitend deutlich „daß dieser Kampf um Sein oder Nichtsein des Deutschtums gehe. […] Es sollen keine Festreden gehalten werden, sondern jeder aus der Mitte der Versammlung heraus, der sich dazu getrieben fühle, solle seinen Gefühlen Worte geben.“

Die Redner lassen keinen Zweifel an ihrer Siegeszuversicht. Einig sind sie sich in ihrer Verachtung für die damals als Feinde bezeichneten Nationen. Insbesondere verbale Spitzen gegen England werden von den Zuhörern bejubelt. „Wie ein roter Faden durchzog die Reden des Abends der Hass gegen England und die Wut auf seine schamlose, heuchlerische Politik.“

Pastor Friedrich Wittrock meint: „England stehe jetzt da in seiner nackten, ekelhaften Blöße, als ein Volk, wert, gründlich zertreten zu werden.“ Wittrock sieht das Deutsche Reich als die kommende Weltmacht: „Wir stehen an einer Weltenwende, einer Geburtsstunde der Welt. […] Der Herrgott gehe mit wuchtigem Schritte durch die Weltgeschichte und schreibe mit starker Hand die Geschicke.“

Als letzter Redner bringt der Bierverleger Effinghausen „ein Hoch auf unsere blauen Jungen“ von der Marine aus. Mit dem Lied: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ“ geht die Versammlung schließlich auseinander.

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 04.09.2014 um 17:13 Uhr
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