Drei Mark für Celler in Bürgerwehr

Angehörige der Celler Bürgerwehr beim Bahnschutz. Mütze und weiße Armbinde weisen sie als Hilfspolizei aus. Fünf Anlagen wurden bewacht, um welche es sich hier handelt, ist unbekannt. Foto: Stadtarchiv Celle

Nachdem die Truppen der Garnison die Stadt im August 1914 verlassen haben, werden über 300 Celler Bürger bewaffnet. Ziel ist es, wichtige Bahnanlagen, Lazarette und Gefangenentransporte „streng und sorgfältig bewachen zu lassen“. Insbesondere Mitglieder der Krieger- und Schützenvereine sind aufgerufen. Motivation ist für viele der tägliche Sold von drei Mark.

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Um Bahnanlagen „gegen Beschädigungsversuche durch feindliche Agenten und staatsfeindliche Elemente“ zu schützen, wird in Celle „aus zuverlässigen Einwohnern“ bis zum 15. September 1914 eine Bürgerwehr zusammengestellt. Neben dem Bahnschutz gehören der Wachdienst in den Lazaretten und die Bewachung von Gefangenentransporten zu den Aufgaben der Bürgerwehr. Vor allem an nicht mehr militärpflichtige Mitglieder der Krieger- und Schützenvereine richten sich die entsprechenden Aufrufe in der Celleschen Zeitung. Ausdrücklich werden jedoch „andere geeignete Personen keineswegs ausgeschlossen“.

Anfangs ist die Bürgerwehr als „ehrenamtliche Dienstleistung“ Freiwilliger gedacht. Vielen Bewerbern ist eine Besoldung jedoch wichtig, sodass der Magistrat schließlich, auf Antrag, drei Mark Sold pro Tag Wachdienst aus der Stadtkasse zahlt. Außerdem haben Mitglieder der Bürgerwehr freie Fahrt mit der Celler Straßenbahn, wenn sie im Dienst sind und ihre Armbinde und Mütze tragen. Zusätzliche Sonderwünsche und Einschränkungen machen einige Bewerber geltend. Über 100 Bürgerwehr-Mitglieder wollen beispielsweise nur nachts Wachdienst schieben, um tagsüber anderen Beschäftigungen nachgehen zu können.

Kommandeur der Bürgerwehr wird der Oberleutnant der Reserve, Justizrat Karl Böning. Auf Disziplin wird streng geachtet. Erkennungszeichen der Truppe sind weiße Armbinden mit der Aufschrift „Polizei“. Auf Wunsch des Kommandeurs bekommen sie auch die entsprechenden Mützen. Die Gewehre werden ebenfalls gestellt.

Der Einsatz der Schusswaffe ist klar reglementiert. Bei Widerstand durch Tätlichkeit, Fluchtversuchen von Festgenommenen und auf dringend verdächtige Personen, die „auf dreimaligen Haltruf nicht stehen bleiben“ darf geschossen werden. Für Celle sind keine schwerwiegenden Vorfälle bekannt.

Im Dezember 1915 gehen die Aufgaben des Bahnschutzes und der Bewachung von Gefangenen schließlich wieder auf das Militär über. Die Celler Bürgerwehr wird aufgelöst.

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 11.09.2014 um 17:41 Uhr
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