Erster Weltkrieg: Celler "Liebesgaben" für die Truppe

Der Kriegsfürsorgeausschuss der Gemeinde Winsen richtet im August 1914 diesen Aufruf zur Hilfeleistung an die Einwohner. Foto: Cellesche Zeitung vom 19. August 1914

Um Not in Stadt und Landkreis zu lindern, werden 1914 Kriegsfürsorgeausschüsse gebildet und ein Kriegshilfsfonds eingerichtet. Als Anreiz werden alle Spender mit ihrem Betrag in der CZ veröffentlicht. Der Vaterländische Frauenverein sammelt auch Kleidung sowie Nahrungs- und Genussmittel um sie als „Liebesgaben“ an die Frontsoldaten zu schicken.

Not bringt der Ausbruch des Ersten Weltkriegs den Familien in Stadt und Landkreis, deren Ernährer an der Front stehen oder bereits verwundet oder gefallen sind. Um deren Leid zu lindern, wird bereits im August 1914 ein „Kriegs-Hülfsfonds“ eingerichtet, der Geld zur Unterstützung sammelt. Viele Celler Persönlichkeiten werben in der Celleschen Zeitung dafür. Auch namhafte Celler Sozialdemokraten gehören zu den Unterzeichnern. Wer Geld spendet, wird in der Celleschen Zeitung namentlich genannt. In zahlreichen Geberlisten sind die jeweiligen Spender mit der Höhe ihres Spendenbeitrages abgedruckt.

In den Ortschaften des Landkreises werden Kriegsfürsorgeausschüsse gebildet, die zur Unterstützung der Wohlfahrtseinrichtungen aufrufen und Spenden annehmen. Auch für das Rote Kreuz, das Hilfskomitee der Gewerkschaften und die Kriegsnotleidenden in Ostpreußen sind Spenden willkommen.

Unbedingt sollen auch Kleidung und Nahrungsmittel gespendet werden. Der Nationale Frauenverein organisiert Sammlungen, um der Truppe „Liebesgaben“ an die Front zu schicken. Es soll mit den Sachspenden aber auch in Not geratenen Familien vor Ort geholfen und die Versorgung der Lazarette sicher gestellt werden.

Für die Truppen werden insbesondere wollene Strümpfe, Hemden, Hosenträger und Taschentücher gesammelt, aber auch Zahnbürsten, Seife, Streichhölzer, Tabak, kurze Pfeifen und Schokolade sind begehrt. Für die zurückgebliebenen Familien wird vor allem um gebrauchte Kleidungsstücke und Schuhe, aber auch um haltbare Lebensmittel gebeten.

Die Sammel- und Abgabestelle im Landschaftsgebäude an der Celler Kanzleistraße ist täglich geöffnet. Im Büro des Vaterländischen Frauenvereins im Rathaus können Spenden nur vormittags abgegeben werden.

Am 22. September 1914 veröffentlicht Oberbürgermeister Wilhelm Denicke im Namen des Vorstandes des Vaterländischen Frauenvereins und des Roten Kreuz einen Aufruf in der Celleschen. Demnach sollen nun auch größere Mengen Äpfel und andere Naturalien, die für die einzelnen Lazarette gedacht sind, ebenfalls zunächst im Landschaftsgebäude oder im Rathaus abgegeben werden. Von dort werden sie dann zweckmäßig verteilt. „Wir bitten die Bewohner von Stadt und Land sehr herzlich, uns reichlich mit Gaben versehen zu wollen.“

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 25.09.2014 um 18:29 Uhr
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