„Die Politiker nehmen uns ernst

Symbolische Abstimmung: An der Oberschule in Wathlingen traten die Schüler der 10bR gestern zur Juniorwahl an. Das niedersachsenweite Projekt soll Jugendliche für demokratische Prozesse sensibilisieren. Foto: Alex Sorokin

Wie fühlt sich Wählen an, wenn man noch nicht wahlberechtigt ist? Das können Schüler bei der Juniorwahl herausfinden. Niedersachsenweit nehmen 75.000 Jugendliche an dem Polit-Projekt teil. Mit dabei sind auch das Gymnasium Ernestinum und die Oberschule Wathlingen.

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CELLE. Wenn am morgigen Sonntag die Celler zur Wahlurne schreiten, können sich die Schüler der Klasse 10bR der Oberschule Wathlingen und der Klasse 9g vom Gymnasium Ernestinum entspannt zurücklehnen. Denn sie haben schon gewählt, wenn auch nur symbolisch. Beide Schulen nehmen mit ihren achten, neunten und zehnten Jahrgängen an der Juniorwahl teil. Hierzu wurden in beiden Schulen Klassenräume zum Wahllokal umfunktioniert – mit Schülern im Wahlvorstand, Wahlkabinen und echten Stimmzetteln. Niedersachsenweit beteiligen sich 354 Schulen mit 75.000 Jugendlichen an dem Projekt.

Bevor es für die Schüler gestern an die Urne ging, wurden sie im Unterricht intensiv auf den Wahlakt vorbereitet: „Wir haben im Unterricht die Wahlgrundsätze durchgesprochen, haben uns die Programme der Parteien angesehen und den Wahl-o-Mat im Internet ausprobiert. Dabei haben die Schüler ein großes Interesse an der Wahl gezeigt“, erklärte Hans-Ulrich Wessel, Klassenlehrer der 9g am Ernestinum. Auch in Wathlingen wurde die Vorbereitung sehr ernst genommen: „Die Schüler haben einen Projekttag vorbereitet. Wir haben die Ziele der Parteien unter die Lupe genommen und sehr lebhaft diskutiert“, so Politiklehrerin Christa Schwerthelm. Als Höhepunkt der Vorbereitung ging es vor einer Woche in den niedersächsischen Landtag zur Diskussion mit den Spitzenkandidaten der fünf im Landtag vertretenen Parteien.

Der Wahlakt selbst ging dann an beiden Schulen schnell über die Bühne. In eine Reihe aufgestellt, tauschten die Schüler beim Wahlvorstand ihre Wahlbenachrichtigungen gegen Stimmzettel ein und verschwanden in der Wahlkabinen. „Jetzt weiß ich, wie sich Wählen anfühlt. Ich nehme das Projekt sehr ernst und bin auf das Ergebnis schon sehr gespannt“, berichtete der 16-jährige Hendryk Kurtz aus Wathlingen nach der Stimmabgabe. Der Schüler identifiziert sich mit der CDU: „David McAllister ist ein sympathischer Politiker. Die CDU steht für Studiengebühren, das finde ich richtig. Studenten leisten einen Beitrag und durch die Einnahmen können die Studienbedingungen verbessert werden.“ Seine Mitschülerin Josefine Porep (15) hingegen wünscht sich Stephan Weil (SPD) als Ministerpräsidenten: „Stephan Weil wirkt sympatischer als David McAllister. Die Juniorwahl war eine gute Übung für das spätere Leben.“

Auch am Ernestinum zogen die Schüler nach der Juniorwahl ein überwiegend positives Fazit: „Die Politiker nehmen uns ernst und beziehen uns symbolisch mit in die Wahl ein. Das ist eine spannende Sache“, freute sich Audrey-Lynn Struck. Die 15-Jährige hat sich bei der Wahl für die SPD entschieden: „Stephan Weil hat mich im Landtag überzeugt, weil er die Fragen besser beantwortet hat. Er wäre ein guter Ministerpräsident.“ Ihr Klassenkamerad Martin Fiebig (14) findet die Juniorwahl „ein ganz gutes Projekt“, ist jedoch etwas enttäuscht, „dass unsere Stimmen keinen wirklichen Einfluss haben.“

Das Wahlergebnis der Juniorwahl für ganz Niedersachsen und das Ergebnis der beiden Celler Schulen wird am Montag in der CZ veröffentlicht.

David Sarkar Autor: David Sarkar, am 18.01.2013 um 20:18 Uhr
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