Kriegsgefangene im ersten Weltkrieg im Celler Schloss untergebracht

Kriegsgefangene Offiziere spielen 1914 zum Zeitvertreib im Innenhof des Celler Schlosses. Foto: Stadtarchiv Celle

Faszination auf die Celler Bevölkerung übt die Ankunft von 81 russischen, französischen und japanischen Offizieren und Militärbeamten aus. Sie werden im Celler Schloss interniert. Den Kritikern wird mehrmals versichert, dass die Unterbringung möglichst primitiv sei. Weniger dürfe man nicht bieten, „will man den Namen eines Kulturvolkes behalten“.

Seit Mitte September 1914 machen Gerüchte die Runde, die Ankunft kriegsgefangener Offiziere im Celler Schloss stehe unmittelbar bevor. Dies löst großes Interesse bei vielen Bürgern aus, so dass sich täglich eine Menge Schaulustiger am Schlossplatz einfindet. Um die Ankunft der Gefangenen nicht zu verpassen, harren einige bis in die Nachtstunden aus und bringen Proviant mit.

Es gibt kritische Stimmen, die eine Unterbringung feindlicher Offiziere im Welfenschloss als „Entwürdigung“ des historischen Bauwerks sehen. Auch kommt die Frage auf, ob nicht besser deutsche Verwundete in den großen Räumen des Schlosses untergebracht werden sollten.

Mit Beiträgen in der Celleschen Zeitung wird versucht, diese Zweifel zu zerstreuen. Am 2. Oktober wird berichtet, dass die vielen Treppen im Schloss für ein Lazarett hinderlich und auch die sanitären Möglichkeiten nicht ausreichend seien. Darüber hinaus sind die hohen Räume nur schwer zu heizen.

Die Gefangenen werden im West- und im Südflügel des Schlosses untergebracht. Die Räume seien leer, bis auf einige Matratzen auf dem Boden, sowie einen Tisch und Gartenstühle aus der Union. Gemeinschaftswaschbecken stehen auf den Fluren. Toiletten werden auf dem Hof errichtet. Auch der Essensraum ist sehr einfach ausgestattet. Zwar liefert das Hotel „Celler Hof“ das Essen, doch steht für jeden Gefangenen pro Tag nur 1,20 Mark zur Verfügung. Dies macht deutlich, dass „auch die Kost nicht gerade für Gourmets berechnet ist.“

Das Bettzeug der Gefangenen ist alt und die Kopfkissen weisen „wegen ihres langjährigen Gebrauches und der unzähligen Wäschen, die sie durchgemacht haben, eine grauweiße Färbung auf.“ Ausdrücklich wird hervorgehoben: „Weniger für gefangene Offiziere kann man kaum tun, will man den Namen eines Kulturvolkes behalten“.

Zusätzliche Einschränkungen verdeutlicht die am 7. Oktober abgedruckte „Hausordnung für die gefangenen Offiziere“. Alkohol ist ihnen verboten und geraucht werden darf lediglich im Essensraum und im Schlosshof. Die Offiziere dürfen den inneren Teil des Schlossparks nicht verlassen und werden „ziemlich scharf beaufsichtigt“.

Am 15. Oktober kommen die seit Wochen erwarteten Gefangenen am Bahnhof Celle-Vorstadt an. Von Landwehr bewacht ziehen 81 hohe Offiziere und Militärbeamte aus Russland, Frankreich und Japan im Schloss ein. Die dicht gedrängte Menschenmenge ist enttäuscht, weil die Gefangenen Zivilkleidung tragen und „keine glitzernden Uniformen, wie man erwartet hatte“.

Die Faszination für die Internierten hält an. Der Lagerkommandant beschwert sich, dass „während des Spaziergangs der Gefangenen in den Nachmittagsstunden, Frauenpersonen, die allerdings ihrer Kleidung nach besseren Ständen anzugehören schienen, versucht haben, über den Schloßgraben hinüber mit den Gefangenen anzubändeln“. Die Polizeidirektion gibt daraufhin bekannt, dass im Wiederholungsfall „die Namen dieser ehrvergessenen Personen festgestellt und öffentlich bekannt gegeben“ werden.

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 09.10.2014 um 16:02 Uhr
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