Podiumsdiskussion in Celle: Nur "Nie wieder Krieg" ist zu wenig

Herfried Münkler Foto: Alex Sorokin

"Was wir aus dem Ersten Weltkrieg für den Frieden lernen können" - mit dieser Frage beschäftigten sich am Montag im Celler Bomann-Museum Teilnehmer einer von der Friedrich-Ebert-Stiftung veranstalteten Podiumsdiskussion. Eine Antwort lautete: Es reicht nicht aus, allein zu bekräftigen, dass man "nie wieder Krieg" wolle.

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CELLE. „Es ist jetzt eine große Friedenskonferenz vonnöten. Sie würde wohl länger dauern als der Wiener Kongress, aber sie wäre es wert.“ 100 Jahre nach der Entfesselung des Ersten Weltkrieges sei eine aktive Friedenspolitik nötig, sagte am Montag der ehemalige Niedersächsische Landtagspräsident Professor Rolf Wernstedt (SPD) bei einer Podiumsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung in Celle. Eine Lehre aus dem „Weltenbrand“ zwischen 1914 und 1918 sei, dass Politik mehrdimensional denken müsse, „um keinen Schaden anzurichten“. Heute sei eine Friedenspolitik ohne UN-kontrollierte Waffengewalt nicht möglich, so Wernstadt: „Man kann sich nicht nur durch den Einsatz von Waffen schuldig machen, sondern auch durch ihren Nichteinsatz.“ Es sei „zynisch“, die von militanten Islamisten bedrängten Kurden in Syrien nicht ausreichend militärisch zu unterstützen.

Nach dem Esten Weltkrieg sei zwar ein „diffuses Gefühl“ von „Nie wieder Krieg“ verbreitet gewesen, doch das habe den Zweiten Weltkrieg als Folge des Ersten nicht verhindert, so der Politologe Professor Herfried Münkler von der Berliner Humboldt-Universität. „Nie wieder“ sei für ihn kein diffuser Begriff, sondern stehe für ihn ganz vorn, so der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt. Wernstedt pflichtete ihm bei: „Nie wieder ist immer richtig.“ Schmidt erläuterte, dass die deutsche Außenpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg von zwei „großen Ns“ geprägt worden sei: „Erstens: Nie wieder einen Weltenbrand verursachen. Und daraus erwächst das zweite N: Niemals allein handeln, sondern immer im europäischen und UN-Kontext. Damit kann man nicht ganz falsch liegen.“

Deutschland müsse sich weiterhin international auch militärisch engagieren, sagte Münkler. Heute gelte es nicht mehr so sehr „klassische“ Kriege zwischen Staaten zu verhindern, sondern Konflikte zwischen verfeindeten ethnischen, religiösen oder politischen Gruppen einzudämmen: „Man muss schnell UN-Truppen irgendwo hinschicken können, um Kriege schon im Ansatz zu unterbinden.“ Organisationen wie die OSZE müssten verhindern, dass kritische Entwicklungen aus dem Ruder liefen. Entscheidungen dürften nicht von „Zufälligkeiten“ und persönlichen Gefühlen und Befindlichkeiten von Politikern abhängen - oder davon, dass Staatsmänner „nicht miteinander könnten“: „Die Erosion des Vertrauens in den Anderen führt in Krisensituationen dazu, dass die Möglichkeit einen Krieg zu verhindern immer kleiner wird. Man muss alles vermeiden, was zu einer Eskalation von Misstrauen führt.“

Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) erinnerte daran, dass er kürzlich persönlich zur Deeskalation der Streitigkeiten zwischen Kurden und Tschetschenen in der Stadt beigetragen habe: „Ich habe vor Ort mit den Menschen gesprochen. Dabei wurde deutlich: Nur durch das Miteinander-Reden kann man Verhalten ändern und Konflikte entschärfen.“

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 14.10.2014 um 16:35 Uhr
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