Celler Heidebataillon in Warschau

Vorbeimarsch des Heidebataillons während der ?Führerparade? in Warschau am 5. Oktober 1939 Foto: Stadtarchiv Celle

Als „Sieger von Warschau“ marschieren am 5. Oktober 1939 Soldaten des Celler Heidebataillons bei der „Führerparade“ durch die polnische Hauptstadt. Währenddessen gehen hunderttausende Polen in deutsche Gefangenschaft. Eiserne Kreuze werden an die Truppe verteilt und jeder Zehnte bekommt sofort zwei Wochen Urlaub. Das Bataillon rückt an die Westfront und steht ab dem 18. Oktober „für neue Aufgaben zur Verfügung“.

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Nach Abschluss der Übergabeverhandlungen am 28. September 1939 wird die polnische Armee in Warschau entwaffnet und aus der Stadt herausgeführt. Die Offiziere dürfen ihre Waffen zunächst behalten. Über 120.000 Mann gehen in die Gefangenschaft.

„Es war für die Zuschauer ein erschütterndes Bild, die langen Kolonnen in ihren erdbraunen Uniformen, geführt von ihren zu Fuß in stolzer Haltung marschierenden Offizieren, aus ihrer Hauptstadt herausmarschieren zu sehen“, schreibt der Celler Ratsherr, SA-Mann und Hauptmann der Reserve des Heidebataillons, Hugo Chill.

Für das Celler Heidebataillon beginnen Tage der Ruhe. Am 2. Oktober rücken einige Abordnungen nach Warschau hinein. „Der Anblick der Stadt Warschau war für uns nicht schön. Alle Läden waren zertrümmert oder völlig leer geplündert. […] Ganze Häuserblocks waren ausgebrannt. Die Bevölkerung litt ungeheure Not. Sie stand zu Tausenden nach Wasser und Lebensmitteln an.“

Am 5. Oktober ist etwa ein Drittel des Heidebataillons zur „Führerparade“ abkommandiert. Vorher verteilt der Divisions-Kommandeur vor dem Fort Mokotow „eine erhebliche Anzahl von Eisernen Kreuzen“. Dann marschieren „die Sieger von Warschau“ zwei Stunden lang an einer Tribüne in der Ujazdowskie-Allee am „Führer“ vorbei. Die Abordnung des Celler Bataillons bildet den Abschluss der Parade. „Der Vorbeimarsch des Heidebataillons fand wegen der guten Haltung der Truppe überall Anerkennung“, berichtet Chill.

Am Nachmittag werden drei Offiziere und 80 Mann des Bataillons in einen 14-tägigen Urlaub entlassen. Noch in der Nacht fahren die Männer auf Lkw der Kompanien Richtung Heimat. Das Bataillon verlässt indes Warschau und rückt nach Zyrardow ab. Dort soll die Truppe auf den Stellungskrieg vorbereitet werden. Wegen des schlechten Wetters mit ersten Schneefällen bleibt die Ausbildung jedoch eingeschränkt.

Für ihre Tapferkeit im Polenfeldzug werden 40 Männer des Heidebataillons mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse belohnt, zwei Offiziere erhalten die Spangen zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse und vier Männer bekommen das Eiserne Kreuz erster Klasse. Aber 51 Soldaten des Bataillons überleben die ersten Kriegswochen nicht. 110 werden verwundet. Zusätzlich fallen einige Erkrankte zunächst aus.

Am 16. Oktober wird das Heidebataillon auf zwei Transportzüge verladen und rollt über Breslau, Dresden und Leipzig schließlich am 18. Oktober in Dinslaken bei Wesel ein. Hauptmann der Reserve Chill fasst zusammen: „Die Lage und unser Auftrag waren klar. Das Heidebataillon stand einsatzbereit an der Westfront für neue Aufgaben zur Verfügung.“

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 16.10.2014 um 17:49 Uhr
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Kriegsgefangene als Erntehelfer

Insgesamt geraten im Oktober 1939 etwa 400.000 polnische Soldaten in deutsche Gefangenschaft. Zu Zehntausenden kommen die polnischen Kriegsgefangenen nach Niedersachsen. Erste Station sind die Stammlager (Stalag) in Fallingbostel und Sandbostel im Kreis Bremervörde. Von dort werden sie in Arbeitskommandos eingeteilt und überwiegend in der Landwirtschaft als Arbeitskräfte eingesetzt. Den örtlichen Bedarf in der Erntezeit decken die Zuteilungen für Celle zunächst nicht, wie aus den entsprechenden Lageberichten des Landrats Wilhelm Heinichen hervorgeht. Zusätzlich werden Tausende polnische Zivilisten angeworben, bei Razzien zwangsrekrutiert oder verschleppt, um als Erntehelfer oder in Rüstungsbetrieben zu arbeiten. Im November 1939 arbeiten bereits 6520 zivile polnische Arbeiter auf niedersächsischen Höfen.

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