Celler Bürger geben Kredit für den Krieg

Im September 1914 startet die erste vom Deutschen Reich ausgegebene Kriegsanleihe. Neben dem Zinssatz von fünf Prozent soll vor allem ihre Vaterlandsliebe die Bevölkerung zum Kauf anregen. Ohne den Kredit der Bürger wäre der Erste Weltkrieg für Deutschland nicht zu bezahlen. Reichsweit werden über vier Milliarden Mark in Reichsanleihen und Reichsschatzanweisungen angelegt.

Um die hohen Kriegskosten zu finanzieren, gibt das Deutsche Reich im September 1914 die erste Kriegsanleihe heraus. Der Staat leiht sich auf diese Weise das Geld der Bürger. Möglich gemacht haben dies die Kriegsermächtigungsgesetze vom
4. August 1914, zu denen auch die SPD im Reichstag ihre Zustimmung gegeben hat.

Auch die anderen Krieg führenden Länder müssen ihre Einnahmen erhöhen, um die immensen Kosten zu decken. Die Briten erhöhen die Steuern. Frankreich gibt ebenfalls Kriegsanleihen heraus und beide Nationen bekommen Kredite von den Amerikanern. Das Deutsche Reich hat keine andere Möglichkeit der Finanzbeschaffung, als das eigene Volk um Kredit zu bitten. Zu diesem Zweck werden Reichsschatzanweisungen herausgegeben und mit fünf Prozent verzinst. Zurückgezahlt werden sollen die Schatzanweisungen in halbjährlichen Raten in der Zeit vom 1. Oktober 1918 bis 1. Oktober 1920. Auch werden Reichsanleihen herausgegeben, die allerdings längerfristig angelegt und darum bis 1924 unkündbar sind.

Anmeldungen für die Zeichnung auf die Kriegsanleihen und Schatzanweisungen nehmen alle öffentlichen Sparkassen, die Reichsbankstellen, alle Banken und Bankiers und auch die Lebensversicherungsgesellschaften bis zum 19. September entgegen. Die kleinste Summe für eine Beteiligung sind
100 Mark. Die Bezahlung muss aber erst zum 5. Oktober erfolgen. Wer mehr als 1000 Mark zeichnet, braucht zum 5. Oktober nur vier Zehntel einzuzahlen. Drei weitere Zehntel sind dann bis zum 26. Oktober und der Rest zum 25. November fällig.

In der Celleschen Zeitung wird am 18. September 1914 die Hoffnung geäußert, dass der vom Reichstag ausgelobte vorläufige Höchstbetrag von
5 Milliarden Mark bereits jetzt abgedeckt wird. „Ein derart glänzender Erfolg der Anleihe wäre in seinen Wirkungen auf das Ausland einem großen Waffenerfolg gleichzustellen.“

Die Celler Sparkasse sowie andere Bankgeschäfte werben in der Celleschen Zeitung für die Kriegsanleihen. Neben den attraktiven Zinserträgen wird bei den potenziellen Anlegern vor allem auf Patriotismus gesetzt. „Vaterlandsliebe und Zinsberechnung müssen den Sparern groß und klein eine Anlage ihrer Geldmittel empfehlen, wie sie ehrenvoller und günstiger niemals sich darbieten wird.“

Die Rechnung geht auf. Egal ob Industrieller, Bürger, Bauer oder Arbeiter, alle kaufen die Staatsanleihen in guter Hoffnung und Siegeszuversicht. Reichsweit werden für
1,26 Milliarden Mark Reichsschatzanweisungen und für 2,94 Milliarden Mark Reichsanleihen gezeichnet. Insgesamt also 4,2 Milliarden Mark Kredit für den Krieg. In Anbetracht des großen Erfolges dieser ersten Kriegsanleihe werden die Fristen zur Einzahlung für diejenigen, die mehr als 1000 Mark investiert haben, bis zum 22. Dezember verlängert.

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 23.10.2014 um 16:01 Uhr
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