Attentat von 1939 im Bürgerbräukeller mit Auswirkungen auf Celle

Das CZ-Titelbild zeigt den Münchener Bürgerbräukeller nach dem Attentat. Foto: Cellesche Zeitung vom 10. November 1939

Nachdem Adolf Hitler in München nur knapp einem Bombenanschlag entkommt, werden die Grenzen abgeriegelt und reichsweit alle potenziell verdächtigen Personen festgenommen. Auch zwölf Celler werden einen Monat lang in Hamburg inhaftiert. Verbindungen zum Attentäter Georg Elser haben die Verhafteten nicht.

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Am 8. November 1939 wird im Münchener Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Adolf Hitler verübt. Anlass für seine alljährliche Rede ist der Jahrestag des gescheiterten Putschversuchs von 1923. Die Rede fällt dieses Jahr jedoch etwas kürzer aus, weil Hitler wegen schlechten Wetters mit dem Zug statt mit dem Flugzeug nach Berlin zurückkehren muss. Als die zeitgezündete Bombe um 21.20 Uhr detoniert, hat die Führungsriege der Partei den Bürgerbräukeller bereits verlassen. Acht Menschen sterben und über 60 werden verletzt.

Die Cellesche Zeitung berichtet ab dem 9. November 1939 ausführlich über das Attentat. Die Leser erfahren von der Festnahme des Attentäters Georg Elser, ebenso wie von seinem Geständnis. Die Auftraggeber und Hintermänner werden, getreu den Zielen der NS-Propaganda, beim britischen Geheimdienst vermutet. Über festgenommene Celler ist im November 1939 in der gleichgeschalteten lokalen Presse indes nichts zu lesen.

Zwölf stadtbekannte Celler Kommunisten und Sozialdemokraten werden auf Anordnung der Lüneburger Staatspolizeistelle am 9. November in „Schutzhaft“ genommen. Unter ihnen sind auch die beiden ehemaligen Bürgervorsteher Albert Köhler und Otto Elsner.

Die Gefangenen werden nach der Festnahme ohne Vernehmung zum Bahnhof und von dort aus weiter in ein von der SS (Schutzstaffel der NSDAP) geleitetes Konzentrationslager in der Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel gebracht. Die Gestapo nutzt das KZ Fuhlsbüttel als Untersuchungsgefängnis und Zwischenstation für den Weitertransport in andere Konzentrationslager. Neben Regimegegnern sind in Fuhlsbüttel auch „Ernste Bibelforscher“, Juden, Swing-Jugendliche und so genannte „Volksschädlinge“ eingesperrt. Am 9. Dezember werden die zwölf inhaftierten Celler schließlich wieder freigelassen.

Keiner der festgenommenen Celler hat eine Verbindung zum Münchener Attentäter. Vielmehr gelten die zwölf Männer wegen Mitgliedschaft in der Kommunistischen oder der Sozialdemokratischen Partei als „politisch unzuverlässig“. Einige von ihnen werden zwischen 1933 und 1945 mehrmals eingesperrt. Die Celler Kommunisten Rudolf Klingemann, Alfred Hoßbach und Karl Salzmann sitzen beispielsweise wegen des Vorwurfs auf Hochverrat von 1933 bis 1935 im Gefängnis. Wegen ihrer politischen Überzeugung stehen sie auch am 9. November 1939 auf der Liste der Verdächtigen.

Als Celler KPD-Vorsitzender steht der Maurerpolier Otto Elsner besonders im Fokus der Nationalsozialisten. Während der NS-Herrschaft kommt er in verschiedene Zuchthäuser und Konzentrationslager. Zuletzt war er erst Anfang Januar 1939 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen worden, als die Gestapo ihn am 9. November im Zusammenhang mit dem Attentat auf Hitler wieder einsperrt. Nach dem Krieg wird Elsner Celler Ratsherr und ist bis 1952 Kreissekretär der KPD.

Albert Köhler ist bis 1933 Celler Ratsherr und Geschäftsführer des SPD-Parteiorgans „Celler Volkszeitung“. Dadurch steht er unter Beobachtung der Gestapo und wird zweimal in einem Konzentrationslager inhaftiert. Nach dem Krieg wird er Celler Bürgermeister und Mitglied des Niedersächsischen Landtages. Die Celler Albert-Köhler-Straße ist nach ihm benannt.

Florian Friedrich Autor: Florian Friedrich, am 21.11.2014 um 14:33 Uhr
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