Celler liest 12 Kilometer vor Auschwitz

Bodo Uibel, Celler Autor Foto: Martina Hancke

Ein Zeichen der Versöhnung hat der Celler Bodo Uibel gesetzt: Der Autor las in Polen aus seiner Trilogie „… und frage deine Väter“. Anlass war die 75. Wiederkehr des Überfalls der deutschen Wehrmacht auf Polen. Die Lesungen liefen unter dem Titel „12 Kilometer vor Auschwitz“.

CELLE. Der Celler Autor Bodo Uibel (Foto) hat in seinem Geburtsort Anhalt (Holdunow) und in Kattowitz (Polen) aus seiner Trilogie „… und frage deine Väter“ gelesen. Er wurde begleitet von zwei Männern, die sich mit der Thematik seiner Bücher intensiv befasst hatten, dem ehemaligen Superintendenten von Celle, Bodo Wiedemann. und dem Schulleiter außer Dienst, Herwig Fock aus Müden, sowie von seinem Verleger Helmut Block aus der Altmark. Zu viert wollten sie ein Zeichen für Verständigung und Aussöhnung setzen.

Anhalt liegt zwölf Kilometer von Auschwitz entfernt. Der Vater des Autors war der letzte evangelische Pastor dieser Gemeinde. Er konnte das KZ Auschwitz zwar „nur“ von außen beobachten, aber was er erfahren und erlebt hatte, reichte aus, ihn zu einem entschiedenen Gegner des Nationalsozialismus werden zu lassen. „Zutiefst an der Erkenntnis leidend, dass er und andere Gutwillige nichts oder nur wenig gegen diese Verbrechen tun können, setzt mein Vater dennoch in seiner Gemeinde immer wieder Zeichen seiner Gegnerschaft zum Regime und wird selbst mit der Einlieferung in das KZ bedroht“, sagte der Autor in der Einführung zu seinen Lesungen.

Uibel stellte unter dem Thema „12 Kilometer vor Auschwitz“ Texte zusammen, die das Erleben seines Vaters in unmittelbarer Nähe des „Ortes des Grauens“ festhalten. Gelesen wurde in deutscher Sprache. Die Lesung übertrug in Anhalt ein junger, historisch interessierter Jurist in polnische Sprache. In Kattowitz wurden die ausgewählten Abschnitte von einer Professorin der Germanistik der dortigen Universität simultan übersetzt. Der evangelische Bischof von Kattowitz übernahm selbst die Moderation des Meetings.

Nach den Lesungen zunächst bedrücktes Schweigen, dann intensive Aussprachen. Ein wichtiges Anliegen der vier Männer aus Deutschland war es, selbst den Ort der Schandtaten zu besuchen, von denen in den Lesungen die Rede war. Beschämt schritten sie durch das Eingangstor mit dem hohnlachenden Schriftzug „Arbeit macht frei“. Fassungslos standen sie mit ihren polnischen Freunden vor der Erschießungswand des Stammlagers Auschwitz und auf der Rampe von Birkenau, bis Bodo Wiedemann ihre Sprachlosigkeit in ein gemeinsames Vaterunser einmünden ließ.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 10.12.2014 um 15:14 Uhr
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