Briten und Deutsche setzen in Belsen Zeichen der Menschlichkeit

Freundschaft und Versöhnung standen im Mittelpunkt des Fußballspiels zwischen deutschen und britischen Soldaten, mit dem die beiden Mannschaften an die Begegnung "zwischen den Schützengräben" vor 100 Jahren im Ersten Weltkrieg erinnerten. Allerdings gab es auch ein paar fuballerische Leckerbissen wie den Fallrückzieher von Christin Greisinger. Foto: Alex Sorokin

Vor 100 Jahren entflohen deutsche und britische Soldaten, die sich in ihren Stellungen gegenüberlagen, für einen Moment an Weihnachten dem Grauen des Krieges und spielten miteinander Fußball. Am ersten Weihnachtsfeiertag erinnerten eine deutsche und eine britische Mannschaft an dieses Ereignis.

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BELSEN. Am Ende trennten sich beide Teams schiedlich, friedlich 1:1. Doch das Resultat des Fußballspiels zwischen deutschen und britischen Soldaten am ersten Weihnachtsfeiertag auf dem Sportplatz des BSV Belsen spielte keine Rolle. Bei der Partie ging es um Versöhnung, um ein Zeichen der Menschlichkeit mitten in den Grausamkeiten des Krieges. Beide Mannschaften erinnerten mit dem Match an ein Ereignis, das wie kaum ein anderes den Irrsinn des Krieges symbolisiert: das "Fußballspiel zwischen den Schützengräben", das deutsche und britische Soldaten vor 100 Jahren mitten im Ersten Weltkrieg an Weihnachten ausgetragen hatten.

"Auf der deutschen Seite begann man damals, 'Stille Nacht' zu singen, nach und nach kamen dann die Soldaten beider Seiten aus den Schützengräben. Sie sangen zusammen, teilten ihr Essen und unterhielten sich. Dann spielten sie gegeneinander Fußball", erklärte der britische Militärpfarrer Stephen Hancock den etwa 300 Zuschauern beider Nationen, die zu dem Spiel gekommen waren und dann das Lied in Deutsch und Englisch anstimmten. Dann kickten die beiden Mannschaften, in voller Montur, mit Kampfstiefeln und Uniform. Die optische Überlegenheit der Briten hatte dabei einen ganz einfachen Grund: Zeitweise standen 18 Spieler von ihnen auf dem Platz. Gestört hat es niemanden.

Die Idee zu dem "Friedensspiel" hatte Hancock zusammen mit dem evangelischen Standortpfarrer aus Munster, Jobst Reller, im September entwickelt. Bei der Auswahl der Fußballer spielte das Talent keine Rolle, wie Oberst Georg Küpper, Presseoffizier des Ausbildungszentrums Munster, betonte. "Viele waren von der Idee fasziniert, auf dem Platz stehen Soldaten aller Dienstgrade, vom Hauptgefreiten bis zum Oberst", erklärte er.

Den Soldaten sei vor 100 Jahren versprochen worden, dass sie zu Weihnachten wieder zu Hause sein würden. "Doch stattdessen saßen sie in den Schützengräben fest und erlebten jeden Tag das Grauen des Krieges, in dem schon Tausende gefallen waren, hautnah mit. Das Fußballspiel zeigt, dass sich jeder einzelne Soldat nach Frieden und Menschlichkeit sehnt. Das ist die tolle Botschaft dieses Ereignisses", sagte Küpper.

Gunther Meinrenken Autor: Gunther Meinrenken, am 26.12.2014 um 17:28 Uhr
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