103: Als Celler Bankhäuser lichtdurchflutet wurden

Die Schalterhalle der Dresdner Bank in Celle am Großen Plan war 1977 lichtdurchflutet. In den dahinter liegenden Büros war um 1960 herum (kleine Fotos darüber) noch vieles Handarbeit. Foto: Sammlung Peter Heins (4)

Viele Bankhäuser haben auch in Celle ihre Namen geändert, doch drei große Kreditinstitute sind noch heute in den Gebäuden beheimatet, die sie schon lange nutzen, wenn auch unter anderem Namen: Die Rede ist von der Städtischen Sparkasse, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank.

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CELLE. Lang, lang ist‘s her, dass Celler Bankhäuser altmodisch aussahen. Die Geschichte der Städtischen Sparkasse, der Deutschen Bank und der Dresdner Bank ist auch eine Geschichte der steten baulichen Veränderung: In all diesen Häusern hat seit Kriegsende das Licht Einzug gehalten. In den 1950er Jahren war es die Städtische Sparkasse, die in ihrer Geschäftsstelle am Schloßplatz eine grundlegende Umgestaltung vorgenommen hatte, von der Volker Schumann (Jahrgang 1945) schon als Kind begeistert war.

„Wissen Sie eigentlich, wie die alte Schalterhalle ausgesehen hat?“, fragte er den Sparkassendirektor Axel Lohöfener beim CDU-Ball am vergangenen Samstag. Zehn Stunden zuvor hatte er das großformatige Bild der damals neuen, mit Marmorplatten ausgestatteten Schalterhalle in der CZ entdeckt. „Ich habe oft auf der Bank, die übrigens sehr bequem war, gesessen, wenn meine Eltern in der Sparkasse etwas zu erledigen hatten. Besonders ist mir in Erinnerung, dass die Kontoauszüge in einem Holzkasten einsortiert waren und von den Mitarbeitern ausgehändigt wurden. Die Mitarbeiter kannten alle ihre Kunden mit Namen und ich hatte auch den Eindruck, dass sie auch die Kontonummern auswendig wussten. Geld wurde von einem Kassierer ausgezahlt, der hinter einer ,dicken‘ Glasscheibe saß“, erinnert sich Schumann.

Er war immer beeindruckt von dieser damals sehr modernen Schalterhalle mit ihren hohen Tresen. An dem am Montag neu eröffneten Sparkassengebäude in Winsen könne man die Veränderungen von damals bis heute gut erkennen, meint der Winser, der die bauliche Veränderung seit dem Abriss des „Hotels zur Post“ bis in diese Woche hinein nahezu täglich per Fotoapparat festgehalten hat.

Gertrud Prüße (Jahrgang 1926) hat von 1942 bis 1944 bei der Städtischen Sparkasse gelernt und dort bis zur Geburt des Sohnes Achim 1960 auch gearbeitet, zum Schluss in der Zweigstelle in der Blumlage. Sie weiß noch, dass sie für dieses Foto aus der dahinter liegenden Hauptbuchhaltung hinter den Tresen gesetzt wurde. „Ich bin die Frau mit den dunklen Haaren, von der nur noch der Kopf zu sehen ist.“

In der Bank lernte sie ihren späteren Mann Helmut kennen, der Leiter der Sparabteilung war und später in der Werbeabteilung arbeitete. „Oben waren fast alles Ärzte, heute hat das ja ganz und gar die Sparkasse belegt. Der Haupteingang war am Schloßplatz, die Angestellten konnten durch die Brauhausstraße in die Sparkasse gelangen.“

Auch in der Sparkasse arbeitete man augenscheinlich früher mehr als heute. So musste Prüße auch Heiligabend ran und Silvester wurde manches Mal so lange gearbeitet, dass die Angestellten den Jahreswechsel „verarbeiteten“. Man konnte dann gar nicht mehr feiern. Am Monatsanfang hat sie öfter an der Kasse ausgeholfen und die Belege aufgetippt, denn der Andrang war natürlich besonders groß, wenn das Arbeitsentgelt auf dem Konto war.

Peter Heins (Jahrgang 1945) war über 30 Jahre lang das Gesicht der Dresdner Bank. Er bewahrt seine Erinnerungen an sein Arbeitsleben in zwei dicken Fotoalben auf. Stolz berichtet er davon, wie ihm als 14-Jähriger die Möglichkeit gegeben wurde, als Bote der Dresdner Bank anzufangen und schließlich die Kaufmannsgehilfenprüfung abzulegen. 1960 begann er am Großen Plan in dem Gebäude, das seit 2009 die Commerzbank beheimatet, nachdem diese die Dresdner Bank geschluckt hat. Über 30 Jahre lang war er der Kassierer der Dresdner Bank, bis er 2002 vorzeitig in den Ruhestand ging. Das bedauert er zwar einerseits – andererseits aber nicht, weil er nicht gerade ein Freund des Computers ist, der seinen Arbeitsalltag immer stärker zu bestimmen begann.

Auch in die Dresdner Bank hielt Licht Einzug. 1977 wurde der Innenhof zwischen zwei Fachwerkhäusern überdacht. 1989 erhielt der Bau ein gläsernes Spitzdach, das natürliches Licht in den Kassenbereich fließen ließ. 1990 gab es einen weiteren Umbau, bei dem auch die Rampe entstand, die es noch heute Rollstuhlfahrern und Müttern mit Kinderwagen ermöglicht, in die Bank zu gelangen.

All diese Umgestaltungen hat Heins mit der Kamera festgehalten, genauso wie die vielen Feiern anlässlich von Jubiläen und Verabschiedungen. Die fanden meist in der Schalterhalle statt, aber auch schon mal im Keller. Zudem waren die Bankangestellten auch viel auf Reisen. Nach der Wende gab es ab 1990 eine Partnerschaft mit der „Sportgemeinschaft Medizin“ aus Quedlinburg, wo die Dresdner Bank auch eine Filiale aufgebaut hatte. Die Quedlinburger kamen bis 2011 jedes Jahr zum Wasa-Lauf mit einer bis zu 50 Personen starken Gruppe, die sich stets in den Räumen der Dresdner Bank umziehen und frisch machen durfte. Den Gegenbesuch statteten meist zwei Dutzend Celler im Sommer ab.

Mitte der 1980er Jahre hatten die in Celle stationierten britischen Soldaten ihr Regimentssilber in der Bank ausgestellt, das abends in den Tresorraum kam. Am 22. November 1973 wurde Heins zum „Schauspieler“. Er bekam von der BBC 30 Mark Gage, weil er für einen Fernsehbeitrag einen Scheck einlöste und das Geld vorzählte.

Als die Landeszentralbank noch an der Bahnhofstraße residierte, holten Dresdner-Bank-Mitarbeiter Hunderte Säcke Münzgeld, die im Bankhaus am Großen Plan gerollt wurden. Die wurden dann an das Karstadt-Warenhaus ausgeliefert sowie an andere Großabnehmer. Das Papiergeld brachten die Banker in Taschen zu Fuß zur Landeszentralbank. „Man konnte von außen sehen, dass da Geldpakete drin waren. Manchmal hatten wir 50.000 bis 100.000 Mark in der Tasche. Später durften wir dann ein Taxi für diese Transporte nehmen“, sagt Heins.

Nachdem die Baader-Meinhof-Gruppe 1977 den Dresdner-Bank-Vorstandssprecher Jürgen Ponto ermordet hatte, saß auch in der Celler Filiale ein Polizist mit Maschinenpistole, weil man weitere Anschläge befürchtete. „Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl damals.“

Wegen dubioser Geldgeschäfte musste die Dresdner Bank 1996 etwa 37 Millionen Mark bezahlen, um etwa 350 Mitarbeiter vom Verdacht des betrügerischen Tuns zu befreien. „Auch ich habe damals Geld angenommen, ohne mir den Ausweis des Betreffenden zeigen zu lassen. Ich habe mir aber keine Gedanken gemacht, weil ich ein reines Gewissen hatte.“ Die Ermittlungsbehörden hatten auch in Celle den Tresor und Schränke versiegelt.

Eine „große Sache“ sei Ende der 1990er Jahre die Einführung des Automatischen Kassentresors (AKT) gewesen. Hier konnte nur ein bestimmter Maximalbetrag geordert werden. „Im Fall eines Überfalls ist das besonders sicher, weil man ihn nur mit einigen Minuten Verzögerung öffnen kann. Wenn ein Kunde mehr Geld haben wollte, mussten wir in den Keller gehen und aus dem Bestand eine größere Summe holen“, erläutert Heins.

Günter Niebuhr (Jahrgang 1935) hat von 1953 bis 1993 bei der Deutschen Bank gearbeitet. Ab 1973 leitete er die Wertpapierabteilung. Er hat viele Veränderungen hautnah miterlebt. Acht Jahre vor seiner Zeit mussten sich Deutsche Bank und Kreissparkasse das Haus an der Ecke Kanzleistraße/Hehlentorstraße teilen, nachdem die britischen Besatzungsstreitkräfte das Kreissparkassen-Gebäude an der Mühlenstraße belegt hatten. Die Deutsche Bank teilte den Schalterraum mit ihr und gab ihr den ersten Stock des Hauses.

Als im Winter 1945/46 kein Brennmaterial zur Verfügung stand, wurde mitten in der Schalterhalle ein aus einer Verpflegungsbombe hergestellter Ofenersatz gebaut. Die Angestellten fuhren zum Torfstechen nach Großmoor, um Brennmaterial heranzuschaffen. Es soll sogar vorgekommen sein, dass Mitarbeiter mit Hut und Mantel am Schalter standen, um die Kunden zu bedienen.

Seine Lehrlings-Abschlussarbeit zeichnete Niebuhr und gestaltete sie in kunstvoller Schrift. Er erhielt dafür am 14. September 1955 eine Prämie von 100 Mark und die Note „sehr gut“. In ähnlicher Aufmachung gestaltete der Hobbykünstler, der das Zeichnen bei seinem Lehrer Fritz Bötel gelernt hat, die Chronik der Deutschen Bank im Jahr 1984.

Interessante Kunden lernte Niebuhr als Berater kennen. So eröffnete Ruth Maria Kubitschek ein Konto bei ihm. Damals hieß sie noch Friedrich und Niebuhr war von ihrer Erscheinung geblendet, ohne zu wissen, wer diese stattliche Dame war. Später erfuhr er, dass alle Schauspieler des Schlosstheaters ein Konto bei der Deutschen Bank eröffnen mussten, weil deren Chef Bütemeister auch im Vorstand des Schlosstheaters war. Den Dichter Arno Schmidt bediente Niebuhr sogar in dessen Zuhause in Bargfeld.

„Ich habe auch mal einen Banküberfall miterlebt“, sagt er. Niebuhr befand sich im ersten Stock des Hauses. Kurz überlegte er, ob er nicht eine Schreibmaschine auf den Räuber fallen lassen sollte. Der entkam aber dennoch nicht, denn ein Kunde verfolgte den Ganoven und stellte ihn in der Schuhstraße. Der Beherzte erlitt dabei Knochenbrüche und kam ins Krankenhaus.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 23.01.2015 um 22:18 Uhr
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