„Sie waren mit uns als Feindbild aufgewachsen“

img011.jpg Hier drei Bilder vom ersten Allerschwimmen mit DDR-Beteiligung. zu sehen sind die Herren Gerd Duvigneau, Thomas Schmücker, Bernd Reinecke, ????????, und Dieter Vosschulte. Wenn der Artikel erscheint, könnten Sie bitte ein Exemplar senden an: Bernd Reinecke Bauhausstr.9 39114 Magdeburg Foto: Isabell Prophet

Im 19. Teil unserer Serie zum Mauerfall erzählen Brigitte und Dieter Voßschulte aus Klein Hehlen vom Celler Fackelschwimmen im Februar 1990. Sie waren maßgeblich an der Organisation beteiligt und haben eine Gruppe Feuerwehrtaucher aus Magdeburg eingeladen. Es war der schüchterne Beginn einer bis heute währenden Freundschaft.

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KLEIN HEHLEN. Acht Personen in zwei kleinen Trabis kamen 17. Februar 1990 in Altencelle an. Es war ein Sonnabend, der Tag des jährlichen Celler Fackelschwimmens in der Aller. Die Insassen, alle um die 30 Jahre alt, stiegen aus und blickten sich zurückhaltend um. Dies sollte also das „Feindesland“ sein, vor dem sie ihr Leben lang gewarnt worden waren? Sie werden herzlich empfangen. Wenige Wochen zuvor, es war der zweite Weihnachtstag 1989: „Im NDR ief eine Wunschsendung“, erinnert sich Dieter Voßschulte. Zu sehen war eine Tauchergruppe aus Magdeburg, die Kontakte nach Westdeutschland suchte. Mit seiner Frau Brigitte und dem Celler Verband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) steckte er damals mitten in den Vorbereitungen zum Fackelschwimmen. „Die laden wir jetzt ein“, sagte er spontan zu seiner Frau Brigitte. Die rief beim NDR an, aber zunächst war nichts zu machen: „Es gab einfach keine Kontaktdaten“, sagt Brigitte achselzuckend. Das Paar machte sich auf die Suche und hatte Anfang Februar 1990 endlich Erfolg: „Aus dem Feuerwehrhaus kam der Rückruf, wo anders gab es ja kein Telefon“, berichtet Dieter, „acht Personen kündigten sich an.“ Vier Taucher und ihre Frauen würden am folgenden Sonnabend Celle besuchen. Ihre Kinder brachten sie nicht mit. Warum, das erfuhren die Voßschultes erst viele Monate später: „Die hatten Angst. Sie wussten ja nicht, was für Menschen sie hier erwarten würden.“ Für die Magdeburger endete die Welt damals fünf Kilometer vor der Grenze. Ihr ganzes Leben lang hatte man sie vor dem „bösen feindlichen Ausland“ gewarnt: „Sie waren mit uns als Feindbild aufgewachsen“, erklärt Dieter sich die Schüchternheit der Magdeburger. Übernachten wollten die Gäste in Celle nicht. Trotzdem wurden die zurückhaltenden Gäste im Laufe des Tages offener. „Ich habe mit den Frauen erstmal eine Stadtführung gemacht“, berichtet Brigitte, „da waren sie überwältigt.“ Die Feuerwehrtaucher selbst ließen sich natürlich auch die Teilnahme am Fackelschwimmen nicht entgehen. Von Altencelle aus ging es um 16 Uhr los. Am Abend verabschiedete sich die Gruppe, einige Wochen herrschte Funkstille. Im Mai schließlich rief Dieter bei Bernd Reinecke, einem der Gäste, an: „Uns wurden von den anderen regelrecht Löcher in den Bauch gefragt,“ sagte dieser ihm damals, „aber Dieter, ihr wart so offen, so menschlich und so gastfreundlich, das hätten wir niemals erwartet. Wir konnten drei Tage lang nicht über das Erlebte sprechen, so berührt hat es uns.“ Ihre Geschichte: Wie haben Sie den 9. November 1989 erlebt? Sind Sie selbst aus der DDR geflohen? Welches emotionale Erlebnis verbinden Sie mit dem Mauerfall? Wir freuen uns auf Ihre Geschichte. Sie erreichen uns per E-Mail redaktion@cellesche-zeitung.de, per Fax (05141) 990112 oder per Post an Cellesche Zeitung Stichwort „Mauerfall“ Bahnhofstraße1-3 29221 Celle.
Isabell Prophet Autor: Isabell Prophet, am 14.10.2009 um 13:35 Uhr
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