Celler Marsch gegen das Vergessen

Gedenkmarsch "Hasenjagd" Foto: Alex Sorokin

Mit einem "Marsch gegen das Vergessen" erinnerten am Samstag rund 100 Menschen an das Massaker, des Celler vor 70 Jahren an KZ-Häftlingen begangen haben.

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CELLE. „Tieffliegerangriff in Celle.“ Diese drei lapidaren Worte hatte Tante Grete am 8. April 1945 fein säuberlich mit Tinte in ihr kleines rotes Notizbüchlein eingetragen. 70 Jahre später war es ihre Nichte Barbara Maier aus Hamburg, die daran erinnerte, was Tante Grete damals nicht für erwähnenswert hielt: Dass nach der Bombardierung eines Zuges mit KZ-Häftlingen Celler Biedermänner zu Bestien wurden, dass Zivilisten und uniformierte Nazi-Schergen regelrecht Jagd auf jene Unglücklichen machten, die den Bomben entkommen waren, durch das Heesegebiet irrten und versuchten, sich im Neustädter Holz zu verstecken.

„Das hat man damals Hasenjagd genannt – es klingt furchtbar, aber es trifft den Kern der Sache leider ganz gut“, sagte Gabriela Stenzel, die am Samstag einen Gedenkmarsch organisiert hatte, bei dem knapp 100 Teilnehmer Stationen des Massakers an jenem schrecklichen Tag im Frühjahr 1945 besuchten und gegen das Vergessen demonstrierten. Der Marsch begann auf dem Waldfriedhof, wo damals 320 „Kriegstote“ begraben wurden - unter ihnen auch die schätzungsweise 200 vom Celler Mob Ermordeten, an die Steine mit der unverfänglichen Aufschrift „Unbekannt, April 45“ erinnern.

Der Marsch hatte mehrere „Stopps“, unter anderem am Neustädter Holz und am TuS-Sportplatz, wo Celler ihre Opfer 1945 zusammentrieben und rund 30 von ihnen per Genickschuss ermordeten. Weitere Stationen waren das Denkmal in der Trift, das Neue Rathaus und die Synagoge, wo es jüdische Musik, einen Vortrag und Gebete gab. „Wir wollen unsere Solidarität besonders gegenüber den jüdischen Opfern des NS-Regimes ausdrücken, aber auch zu den Opfern anderer Glaubensrichtungen und Nationen“, so Stenzel. Die Erinnerung an die „Todesmärsche“ von 1945 solle ein Celler „Marsch des Lebens“ sein: „Dafür, dass dergleichen nie wieder passieren soll, da das menschliche Leben ein absolut schützenswertes Gut und die Würde jedes Menschen unantastbar ist.“

Für Barbara Maier war es ein Herzensanliegen, dabei zu sein: „Dass unsere liebe Tante Grete KZ-Aufseherin war und den Todeszug begleitet hatte, war ein Familiengeheimnis, auf das ich erst 2013 gestoßen bin. Heute bin ich unter anderem hier, weil ich in ihrem Namen Gott um Vergebung bitten will.“

Michael Ende Autor: Michael Ende, am 12.04.2015 um 17:33 Uhr
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