Rampe war in Bergen-Belsen für viele Endstation

Mehr als 100 Gäste haben gestern Abend an der Gedenkveranstaltung "Lichter auf den Schienen" an der Verladerampe in Belsen teilgenommen (großes Bild). Zusammen mit Konfirmanden aus Bergen hat der niederländische Zeitzeuge Simon Rudelsheim (kleines Bild) seine Lebensgeschichte erzählt. Foto: Alex Sorokin

Mehr als 100 Gäste haben gestern Abend am 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen den Opfern gedacht. Erstmals sprachen bei der Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen auch zwei niederländische Zeitzeugen.

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BELSEN. Die Abendsonne ging am Horizont unter, eine leichte Brise wehte über das Gelände der Verladerampe Belsen, die heute noch militärisch genutzt wird und an der nur noch ein Güterwaggon samt Schienen an die schrecklichen Taten der Nationalsozialisten erinnert. "Für so unglaublich viele Menschen ist dieser Ort zu einer Endstation ihres Lebens geworden. 70.000 Menschen sind nicht wieder von hier zurückgekehrt und haben ihre Heimat wiedersehen können", erinnerte Elke von Meding, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen. Mehr als 100 Gäste lauschten andächtig den Worten ihrer Begrüßungsrede.

Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers hatte der Verein erstmals zwei Zeitzeugen aus den Niederlanden zu der Gedenkveranstaltung "Lichter auf den Schienen", die dieser seit 1995 zusammen mit den Kirchengemeinden in Bergen organisiert, eingeladen. "Angesichts des hohen Alters wird es immer schwieriger, Zeitzeugen zu organisieren. Deshalb wollten wir ihnen heute die Gelegenheit bieten, ihre Erlebnisse zu erzählen und damit die Erinnerung an die grausigen Transporte nach Bergen-Belsen wachzuhalten", sagte von Meding.

Neben Wim Reinders, dessen Vater als Pfarrer ins KZ Bergen-Belsen kam und dort sein Leben gelassen hat, erzählte auch sein Landsmann Simon Rudelsheim auf Deutsch und im Wechsel mit Konfirmanden aus Bergen seine Lebensgeschichte. 1944 wurde er mit seiner Mutter von Nazis in Amsterdam verhaftet, damals war er ein halbes Jahr alt. Sein Vater musste schon vorher in Haft. "Meine erste Reise ins Ausland verlief über ein Zwischenlager nach Bergen-Belsen", erzählt Rudelsheim. "Die Ankunft an der Rampe war beängstigend. Überall standen SS-Männer mit Totenköpfen auf der Uniform und Bluthunden an der Leine."

Doch die Befreiung durch die Briten erlebte er nicht mehr, da er zu den sogenannten Austauschjuden gehörte, die wenige Tage vorher mit einem Zug abtransportiert wurden. Auf dem Weg vom Lager zur Rampe ist sein Vater gestorben: "Er ist wahrscheinlich in einem Massengrab im Lager verscharrt worden. Genau weiß ich es aber nicht." Der Niederländer nutzte die Gelegenheit, eine Mahnung auszusprechen: "Solange wir noch stets wieder geneigt sind, hinter Flaggen und Transparenten hinterher zulaufen, Demagogen zu glauben und wir nicht selbstständig denken lernen, liegt Diskriminierung, Hass und Krieg stets auf der Lauer."

Die AG Bergen-Belsen plant am Sonntag, 26. April, um 16 Uhr eine weitere Gedenkveranstaltung an der Rampe. An diesem Nachmittag wird die Zeitzeugin Anita Lasker-Wallfisch über ihre Erlebnisse sprechen.

Kai Knoche Autor: Kai Knoche, am 16.04.2015 um 07:23 Uhr
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