40: Minigolf begann in Celles Norden

So sieht die neue Minigolf-Anlage des „1. BGC Celle“ aus der Luft aus. Hier an der 77er-Straße wird die Anlage gut angenommen. Foto: Thomas Brandt

An der Wittinger Straße stand Anfang der 1960er-Jahre die Wiege des Celler Minigolfsports. Beim dortigen Terrassencafé baute Wirt „Bobby“ Balcke die erste Anlage. Später wurde hier auch eine Sparkassenfiliale eingerichtet.

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CELLE. Die Anfänge des Celler Minigolfsports lagen einst an der Wittinger Straße. Auf der alten Postkarte, die wir am vergangenen Sonnabend zeigten, ist die Gründungsstätte des heutigen „1. Bahnen-Golf-Clubs Celle“, zu sehen. Hier im Terrassencafé, zu dem die Anlage gehörte, fand am 26. April 1964 die Gründungsversammlung dieses Vereins statt, an die sich Volkmar Ehrhardt (Jahrgang 1938) noch gut erinnert. „Ich war damals mit dem Betreiber Herbert H. (genannt ,Bobby‘) Balcke befreundet. Und wir haben dort dann Minigolf gespielt. Eines Tages fragte uns jemand vom Niedersächsischen Miniaturgolfverband, ob wir nicht einen Verein gründen wollten. Also haben wir ein Jedermannturnier veranstaltet und anschließend an dem Tag den Verein ,Allerblick Celle‘ gegründet“, sagt Ehrhardt.

Seines Wissens wurde die 12er-Bahn im Jahre 1962 am Terrassencafé verlegt. Bereits 1965 ließen die Bahngolfer die Anlage an den Dammaschwiesen demontieren und bei der Löns-Klause wieder aufbauen. Dort sind sechs Bahnen hinzugekommen, sodass hier eine 18er-Bahn entstanden ist, die es heute noch gibt. Weil die Bahn dort unter Bäumen schlecht zu pflegen ist, wurde 1982/1983 auf dem Saarfeld eine neue Anlage gebaut. Diese musste dem neuen Feuerwehr-Hauptwachen-Gelände weichen. Erst seit vergangenem Jahr bespielt der 1. BGC die neue Anlage auf der Herrenwiese neben dem Celler Badeland. Die Minigolfanlage an der Löns-Klause bietet derzeit indes einen vernachlässigten Anblick.

Barbara Reimer (Jahrgang 1937) war die erste weibliche Kassiererin der Sparkasse im Hehlentorgebiet. „Ich war ganz überrascht, als ich aus dem Urlaub kam und auf einmal hörte: ,Jetzt probieren wir das mal mit einer Frau.‘ Bis dahin war das Feld der Bank-Kassierer ja eine Männer-Domäne“, erzählt Barbara Reimer. Die Sparkassen-Zweigstelle wurde dort an der Wittinger Straße eingerichtet, wo in Flachdach-Gebäuden auch allerlei Geschäfte untergebracht wurden. „Das waren richtige kleine Geisterhäuser. Das war eine schöne Zeit dort. Wir hatten so nette Kunden und haben viel gelacht“, sagt die Frau, die heute in den Sommermonaten oft an der Kasse des Freibades Westercelle anzutreffen ist.

Auch Heidi Specht (Jahrgang 1935) schwärmt von den schönen Jahren, die sie als Serviererin im Terrassencafé zugebracht hat. Der Wirt sei damals „Bubi“ Fabig gewesen, „ein ganz großer, starker Mann“, wie sich Heidi Specht erinnert. Auch Harry Spang (Jahrgang 1945) kannte diesen Wirt, der auch den Spielmannszug Scheuen geleitet habe, wie er noch weiß. Er vermittelte seinen Gästen das Gefühl, als seien sie dort zu Hause. Bis Mitte der 1960er-Jahre war der gebürtige Mascher hier im Hehlentorgebiet zu Gast, auch um dort Minigolf zu spielen. Barbara Reimers Bruder Siegfried Haase (Jahrgang 1933) hatte als Jugendlicher mit dem einstigen Betreiber des hinter der Sparkasse liegenden „Terrassencafés“, Herbert H. Balcke, allerlei Auftritte in der Gaststätte „Zillertal“ an der Breiten Straße/Bahnhofstraße.

Das Lokal an der Wittinger Straße wurde Anfang der 60er-Jahre zunächst noch als reines Bierlokal mit Wintergarten direkt an der Straße betrieben. Diesem Lokal folgte die Geschäftsstelle der Sparkasse Celle. Außerdem gab es dort noch den Bäcker Ebeling, den Schlachter Bendzko, einen kleinen Schusterladen sowie den Friseursalon Hoffmann, erinnert sich Frank Rübesame (Jahrgang 1938).

So etwa um 1963 muss Balcke das Terrassencafé erworben haben. Er richtete die Gartenanlage als Terrassengarten mit Minigolfanlage ein. „So etwas war damals ,in‘, und Bobby hatte als gelernter Gastronom ein Gespür für die Trends“, sagt Rübesame: „Aber es war auch wirklich herrlich, bei schönem Wetter über die Dammaschwiesen zur Aller
hinüber auf das romantische Altstadtpanorama zu blicken.“

Das Geschäft an der Wittinger Straße boomte, und Balcke eröffnete im damaligen Haus des „Bildungsvereins“ an der Zöllnerstraße ein weiteres Lokal, diesmal mit Clubcharakter. den „Club am Kamin“, ein urgemütliches und gepflegtes Tanzlokal mit Live-Musik und kuscheligen Sitzplätzen. Herbert Balcke und seine Frau Renate Balcke (Jahrgang 1936) legten großen Wert auf persönliche Kontakte zu ihren Gästen. Jeder Gast wurde persönlich begrüßt. Auch der „Club am Kamin“ entsprach sehr dem damaligen Geschmack der Gäste.

Jens Prinzhorn (Jahrgang 1944) erinnert sich noch gut an einen anderen Pächter des „Clubs am Kamin“, Hajo Knoop. Dieser hat auch zahlreiche andere Gaststätten geleitet wie den „Oldtimer“ im Trüllerhaus, das „TuS-Heim“, das „Celler Dorf“ an der Bahnhofstraße und verschiedene Diskotheken in Celle. „Zum Schluss hat Knoop die Bahnhofsgaststätte bis in die 80er-Jahre hinein betrieben. „Auf einmal war er aber aus Celle verschwunden“, sagt Prinzhorn.

Balcke trachtete bald nach Erweiterung seiner Gastronomie. In dem damaligen „Gasthof Jarche“ in Altenhagen entstand sein neues Projekt, das „Sambesi“. Dort saß man in Hollywoodschaukeln unter künstlichen Palmen. Eine schwarze Band spielte afrikanische Rhythmen oder was man dafür hielt. Aber in dem großen und irgendwie kalten Saal kam eigentlich keine rechte Stimmung auf.

Doch Balcke suchte weiter nach neuen Möglichkeiten, Celles Gastronomie zu beleben. So erwarb er an der Schlepegrellstraße 42 ein Grundstück aus dem Park des sogenannten „Prinzenpalais“ vom Prinzengarten. Dort, wo noch heute der riesige Mammutbaum die umstehenden Häuser überragt, befand sich ein äußerlich hässlich wirkender, eher stallähnlicher Bau, der es jedoch in sich hatte: Es war ein vergessenes „Lusthaus“ des „Prinzen von Mecklenburg“. Hier wollte Balcke einen arabischen Club aufmachen, in dem seine Gäste auf marokkanischen Sitzkissen und bei orientalischer Musik lauschige Abende verbringen sollten. Doch die Idee war zwar ausgefallen, aber nach Baurecht nicht durchführbar, denn als „Versammlungsstätte“ waren die Räumlichkeiten nicht herzurichten. „Wir selbst haben bis zum Abriss in diesem Pavillon gewohnt“, sagt Rübesame.

Und alsbald begann der Erfolg dieses sympathischen und lebensfrohen Menschen zu bröckeln: Die Lokale wurden geschlossen. „Das Terrassencafé übernahm ein ebenso fleißiger wie unterhaltsamer Gastronom namens Freddy Wilhelmi. Er bot Rundum-Gastronomie mit Mittagstisch, Kaffee und Kuchen sowie gesellige Bierabende mit Stammgästen aus der Celler Kaufmannschaft. Noch viele Jahre blieb das Terrassencafé ein erfolgreiches Lokal“, sagt Rübesame.

Herbert Balcke ging 1965 nach München, wurde Verleger und gab dort unter anderem eine Zeitschrift für Jugendliche heraus. Er starb am 5. November 2011 im Alter von 78 Jahren in Unterföhring, wo seine Frau Renate heute noch lebt. „Er hatte immer ein heimatliches Gefühl für Celle. Er wollte seinen Mitbürgern zeigen, was er auf die Beine stellen konnte. In jungen Jahren ist mein Mann ja viel in der gehobenen Gastronomie herumgekommen, war in der ,Tenne‘, dem In-Treffpunkt der Schickeria in Kitzbühl, und hat viele Ideen von ,Daddy‘ Blatzheim, dem Stiefvater von Romy Schneider, aufgegriffen“, sagt Renate Balcke.

Andreas Babel

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 07.05.2015 um 14:51 Uhr
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