120: Standort des alten Landheims bei Osterloh gefunden

Bernhard Meißner war ratlos. Doch das Rätsel ist gelöst. Dietrich Klages, bis vor kurzem Vorsitzender des Kulturkreises Fachwerk im Celler Land und seit 1980 Bewohner eines alten Hauses in Osterloh, weiß, wo sich das Landheim der einstigen „Jungdeutschen Ordensjugend“ befand.

OSTERLOH. Als Adolf Knoop (Jahrgang 1934) die alte Postkarte sah, die wir am vergangenen Samstag veröffentlicht hatten, erkannte er das kleine Haus sofort: „Da bin ich schon drin gewesen“, entfuhr es dem Mann, der heute in Sandlingen lebt und sich als ältesten Mann bezeichnet, „der in Osterloh einheimisch gewesen ist“.

Nach der Erinnerung des Altencellers Hermann Knop (Jahrgang 1931) gab es in den 1930er Jahren fünf Höfe in Osterloh. Die Kate kannte er selbst aber nicht. Auch Wilhelm Ohlms (Jahrgang 1921) war ratlos, hat auf alten Karten, die er von seinem Vater übernommen hat, das Haus gesucht, aber nicht gefunden. Er hat eine ganze solche urige Siedlung nach dem Mauerfall in der Nähe von Berlin gesehen. Die jungdeutsche Ordensjugend wird dieses Landheim nur bis zu Hitlers Machtergreifung genutzt haben können, denn die „bündischen“ Jugendbewegungen wurden 1933 allesamt gleichgeschaltet und gingen in der Hitlerjugend auf.

Diese nutzte das kleine Heim offenbar weiter, denn Adolf Knoop wurde von zwei fast erwachsenen Jugendlichen etwa um 1940 herum einmal mit zu diesem Landheim genommen. „Ich stamme von einem Bauernhof aus Osterloh. Helmut Heine aus Celle und Georg Striepe von dem einzelnen ,Im Sande‘ gelegenen Gehöft nahmen mich mit. Ich glaube, dass die in der Hitlerjugend waren, weiß das aber nicht mehr genau. Die beiden sind dann Soldaten geworden und ziemlich schnell gefallen“, erzählt Knoop.

Er weiß, dass im Innern der Kate rundherum Bänke aufgestellt waren. „Die haben dort wohl allerlei Feierlichkeiten gehabt“, meint er. Das Landheim sei dann angesteckt worden und abgebrannt. Wann das war, weiß Knoop nicht. Es muss aber um 1940 herum gewesen sein. Dass es eine Postkarte von diesem Häuschen gegeben hat, wusste Knoop nicht, der sich sehr für die Geschichte Osterlohs interessiert.

Dietrich Klages (Jahrgang 1949) hat schon vor langer Zeit von diesem Landheim auf dem sogenannten Bugenberg gehört. Diese Erhebung wird wohl so bezeichnet, weil sie sich neben anderen Allerdünen in einem Bogen des Flusses befindet. Wenn man aus Altencelle kommend etwa 200 Meter rechts vor Osterlohs Ortsschild in einen Feldweg einbiegt, gelangt man unweigerlich zu diesen Dünen. Auf der rechten Seite des Weges stößt man nach einigen Dutzend Metern auf eine ebene, Fläche, auf der man noch ganz gut sehen kann, wo einst das kleine Hauses gestanden haben muss. „Im Winter sieht man es deutlicher“, meint Klages. Auch einem jungen Rehbock, den die kleine Besuchergruppe stört, scheint es sonst hier zu gefallen.

Die Blickrichtung des Fotografen der alten Aufnahme ging in Richtung Nordosten, hat Klages herausgefunden. Die Kate stand etwas erhöht auf einer Düne und war abgelegen. „Für eine Nutzung als Landheim war das dort natürlich günstig“, meint er. Da die Tür bis ins Dach hinein reiche und sich das strohgedeckte Dach bis etwa 50 Zentimeter vor dem Erdboden hinunter neige, geht er davon aus, dass man im Innern als Erwachsener so eben die erforderliche Stehhöhe hatte. „Das ist kein großes Gebäude gewesen, das zeigen auch die Spuren, die man dort noch sieht. Dass es davon überhaupt eine Postkarte gegeben hat, ist interessant“, meint Klages. Es ist aber vielleicht dadurch zu erklären, dass die jugendbewegten Deutschen vor der NS-Zeit auch der Wandervogelbewegung angehörten und gerne durch von Ort zu Ort wanderten. Von daher werden auch etliche Auswärtige dieses Landheim genutzt haben.

Renate Lübs (Jahrgang 1921) ist Mitte bis Ende der 1930er Jahre öfter mit anderen Mädchen und Jungs singend durch Altencelle zum Bugenberg gezogen. „Das war ein wunderschönes Haus. Es gab dort auch einen Schlafraum. Ich durfte dort aber nicht schlafen. Das war eine andere Zeit“, sagt sie. Weil sie gerne ritt, endete ihre Zeit auf dem Bugenberg aber bald, weil sie zur „Reiter-HJ“ nach Celle wechselte. Auch sie weiß, dass das mit Stroh gedeckte Haus abbrannte: „Eine Nacht und dann war es weg.“

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 15.06.2015 um 13:15 Uhr
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