Montessori-Schule in Celle: Kündigungen strittig - Trennung von Schulleiter

    Foto von Montessori-Schule Foto: Benjamin Westhoff

Wenn ein Schüler einer öffentlichen Schule verwiesen wird, muss er schon einiges verbrochen haben. An der Celler Montessori-Schule reicht es schon, wenn die Eltern sich kritisch äußern. Ein Celler Anwalt hält die jüngst ausgesprochenen fristlosen Kündigungen nicht für rechtens.

CELLE. Die von der Celler Montessori-Schule ausgesprochenen Kündigungen der Schulverträge von kritischen Eltern sind womöglich nicht rechtens. Zu diesem Urteil kommt zumindest Ulf Kerstan. Bei dem Rechtsanwalt hatte sich jüngst ein Vater, dessen Kind zu der Klein Hehlener Schule geht, gemeldet. Der Mann wollte wissen, wie er sich verhalten sollte, falls ihm auch ein Kündigungsschreiben des Trägervereins Montessori Zentrum Celle ins Haus flattern sollte. Nach einer ersten Prüfung meldet Kerstan erhebliche Zweifel an den bisher ausgesprochenen Kündigungen an.

Kern von Kerstans Kritik: "In den Kündigungen werden keine Gründe genannt", spielt er darauf an, dass in den Schreiben lediglich auf Paragraf 7, Absatz 4 des Schulvertrages verwiesen wurde. Eine inhaltliche Begründung, wie es bei fristlosen Kündigungen vorgeschrieben sei, fehle. "So können die Eltern überhaupt nicht nachvollziehen, was ihnen vorgeworfen wird und sich dazu auch nicht äußern", so Kerstan.

Der Rechtsanwalt hält es für denkbar, dass daher immer noch ein Widerspruch der betroffenen Eltern möglich sei. Doch die haben erst einmal kein Interesse ihre Kinder wieder zur Montessori-Schule zurückzuschicken. "Wir mussten erst einmal unsere Kinder emotional auffangen und schnell einen anderen Schulplatz finden. Außerdem ist unser Vertrauen in eine Schulleitung, die unsere Kinder von jetzt auf gleich vor die Tür setzt, erschüttert. Das tue ich meinen Kinder nicht mehr an", sagte eine Mutter.

Bei den Kündigungsschreiben gibt es noch weitere Ungereimtheiten. Gegenüber der Celleschen Zeitung hatte die Schule angegeben, dass die Verträge aus "pädagogischen Gründen" gekündigt worden seien. Doch in dem besagten Paragrafen 7, Absatz 4 taucht ein solcher Passus überhaupt nicht auf. Nach dem Schulvertrag können die Verträge aufgelöst werden, wenn das Schulgeld nicht gezahlt wird oder die Eltern oder die Schüler mehrfach gegen die Schulordnung verstoßen.

Besonders interessant sind drei weitere Möglichkeiten, mit denen die Schule die Vertragskündigung begründen kann: "nachhaltige Verweigerung der Unterstützung der Freien Aktiven Schule Celle durch die Eltern, Scheitern schulseitig unternommener Bemühungen zur Beilegung von Konflikten zwischen Schülern/Eltern und Schule sowie illoyales Verhalten gegenüber der Schule und ihren Mitarbeitern." Diese Punkte öffnen der Willkür Tür und Tor.

Im Gegensatz zu öffentlichen Schulen können Schulen in privater Trägerschaft ihre Schüler frei auswählen. Das beinhalte auch das Recht, Schulverträge zu kündigen, lautet die allgemeine Auskunft der Landesschulbehörde. An einer öffentlichen Schule hingegen dürfen Schüler nur verwiesen werden, "wenn sie die Sicherheit von Menschen ernsthaft gefährden oder den Schulbetrieb nachhaltig und schwer beeinträchtigen", so die Landesschulbehörde.

Nach CZ-Informationen haben bereits einige andere Eltern ihre Kinder von der Celler Montessori-Schule zum Ende des Schuljahres abgemeldet und in der Hannoveraner Montessori-Schule angemeldet. Der dortige Schulleiter Wim Ruijsendaal wollte keine Zahlen nennen. Allerdings betonte er, dass es an seiner Schule einen Kündigungsgrund wie "illoyales Verhalten" nicht gebe. Vertragskündigungen habe es in seinem Haus bisher nicht gegeben, so Ruijsendaal.

Montessori-Schule trennt sich von Schulleiter

Inzwischen hat sich die Montessori Schule von dem in der Kritik stehenden Schulleiter getrennt. "Die Presseveröffentlichungen der Celleschen Zeitung vom 29. Mai über Publikationen des Schulleiters der Montessori Schule haben den Schulträger dazu veranlasst, sich mit sofortiger Wirkung vom Schulleiter Dr. Hubertus von Schoenebeck zu trennen und bei der Landesschulbehörde den Antrag auf Einsetzung einer kommissarischen kollegialen Schulleitung zu stellen", heißt es in einem Schreiben der Anwälte von Freitagabend. Das Team der kommissarischen Leitung soll zunächst aus Simone Hattendorf, Birgit Klein und Sabrina Katanic bestehen. Das Kollegium der Montessori Schule habe sich nach Aussage der Anwälte einstimmig dafür entschieden, den Antrag auf kollegiale Schulleitung durch den Vorstand des Schulträgers bei der Landesschulbehörde zu beantragen.

Gunther Meinrenken und Christopher Menge Autor: Gunther Meinrenken und Christopher Menge, am 29.05.2015 um 19:44 Uhr
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