119: Wo einst alte Panzer standen

So veränderte sich Klein Hehlen in den letzten Jahrzehnten. Den alten Truppenübungsplatz sieht man nicht mehr, auch sind es deutlich weniger Bäume. Stattdessen zieht die Tangente durch die Landschaft. Foto: Thomas Brandt

Mit Handwagen, Axt und Beil bewaffnet zogen einige Celler in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in die Wälder – für den Winter musste Brennholz geschlagen werden. „Die militärische Militärregierung hatte die Bäume freigegeben“, erinnert sich Rudolf Peterson (Jahrgang 1931), der beim Blick auf die Luftaufnahme, die am vergangenen Samstag in der CZ zu sehen war, gleich erkannte, dass es sich bei der damals „unbebauten Celler Ecke“ um das heutige Klein Hehlen handelt.

KLEIN HEHLEN. Mit Handwagen, Axt und Beil bewaffnet zogen einige Celler in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg in die Wälder – für den Winter musste Brennholz geschlagen werden. „Die militärische Militärregierung hatte die Bäume freigegeben“, erinnert sich Rudolf Peterson (Jahrgang 1931), der beim Blick auf die Luftaufnahme, die am vergangenen Samstag in der CZ zu sehen war, gleich erkannte, dass es sich bei der damals „unbebauten Celler Ecke“ um das heutige Klein Hehlen handelt. „Da viele Männer in Gefangenschaft waren, mussten sich die Frauen, die Jugendlichen und die alten Männer um das Feuerholz kümmern“, erzählt Rudolf Peterson, „Mit den Werkzeugen der damaligen Zeit war es nicht einfach, die Bäume umzuhauen.“ Und es war nicht ungefährlich. „Achtung! Der Baum fällt.“ sei oft zu hören gewesen. „Aber man wusste nicht in welche Richtung“, sagt Rudolf Peterson, der damals aus der Biermannstraße mit dem Handwagen kam, um Holz zu bekommen. „Für manche blieb nur die Krone oder das Wurzelwerk“, erinnert er sich, „es war eine wilde Zeit.“

Damit meint er zum Beispiel, dass die Straßen in den ersten Nachkriegsjahren dunkel waren. „Das Gaswerk hat die Laternen zum Leuchten gebracht, doch nachdem es am 8. April 1945 beim Bombenangriff hochgegangen ist, war es duster“, erzählt er.

Unweit des Sees an der Witzlebenstraße hätten auf dem damaligen Truppenübungsplatz in den ersten Jahres nach Kriegsende auch noch drei bis vier Panzer gestanden. „Der Volkssturm hat da immer geübt“, so Rudolf Peterson, „anscheinend gab es keine Möglichkeit, die Panzer wegzuschaffen.“ So konnte der Teenager mit seinen Freunden in den Panzern spielen. „Man konnte sie nicht bewegen, aber man konnte einsteigen“, berichtet er, „Einschüsse waren noch zu sehen.“ Einige Jahre später sei er auf dem Truppenübungsplatz, der das ganze Gebiet westlich der Zugbrückenstraße umfasste, mit dem Motorrad herumgefahren.

Auch Ernst-Arnold Korte (1949) erinnert sich an den Truppenübungsplatz. Als erstes hat er auf dem Bild aber das Wäldchen erkannt, in dem er früher Fußball und Hockey gespielt hat. „Das war hinter der Schule“, erzählt er, „diese hatte damals noch einen Bretterverschlag.“ Zudem sei auf dem Bild der spätere Verlauf der Tangente zu erkennen. „Aber die Straße war da noch nicht fertig“, sagt Ernst-Arnold Korte, „1967 oder 1968 rollten Autos über die Tangente.“ Und die Straße trennte von nun an Klein Hehlen.

Als Jürgen Grüssner in den Stadtteil kam, hatte sich das Gebiet auch ansonsten schon weiter entwickelt. Im Einkaufszentrum am Westmarkt eröffnete er das erste Geschäft – einen Friseursalon, der noch bis heute besteht. „Es war noch eine halbe Baustelle, als wir am 6. August 1970 eröffnet haben“, erinnert sich der Coiffeur, „nur der sogenannte Handwerkerhof war fertig – neben dem Friseur zogen ein Maler und ein Elektriker ein.“ Von dem Gebäude, in dem heute der Supermarkt ist, habe nur der Rohbau gestanden. Jürgen Grüssner war nach Celle gekommen, um die Selbstständigkeit zu wagen. „Ich hatte gerade meine Meisterprüfung bestanden – da hat mich mein Vater aus Düsseldorf weggelockt“, erzählt Jürgen Grüssner. Auch wenn er nicht mehr direkt über dem Friseursalon wohnt, ist er Klein Hehlen doch bis heute treu geblieben. „Es ist hier ein wunderschönes Wohnen“, sagt er, „Klein Hehlen ist ein besonderes Viertel in Celle.“ Zudem sei das Einkaufszentrum auch für viele Boyer ein Anlaufpunkt.

In den fast 45 Jahren, in denen Jürgen Grüssner seinen Salon betreibt, hat er viele Veränderungen miterlebt. „Klein Hehlen endete damals an der Stauffenberg­straße – später gab es die Erweiterung in Richtung Boye“, erzählt er. Und auch am Westmarkt änderte sich so einiges. In den ersten Jahren sei der Heinze-Verlag mit im Einkaufszentrum. gewesen. Als der an den Bremer Weg gezogen sei, habe die Gastwirtschaft „Gabys Beerdeel“ eröffnet. „Der Supermarkt wurde erweitert, es gab ein Blumengeschäft und lange Jahre eine Drogerie, die aber irgendwann aufgeben musste“, erzählt der Coiffeur.

Bis heute ist aber die Apotheke von Klaus Andrée (1938) geblieben. Er zog in den zweiten Gebäudeteil ein, der 1970 entstand. „Ich war angestellter Apotheker und wollte mich selbstständig machen“, sagt Klaus Andrée, „ich habe mich dann beim Architekten Wockenfuss beworben und habe schließlich meine Apotheke eröffnet.“ In den kommenden Jahren habe sich einiges verändert, doch Klaus Andrée blieb Klein Hehlen treu.

Christopher Menge

Christopher Menge Autor: Christopher Menge, am 15.06.2015 um 13:48 Uhr
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