Neues Gutachten zu Celler Maler Erich Klahn

Vor der Eröffnung einer Ausstellung von Werken Erich Klahns ist jetzt ein Gutachten veröffentlicht worden, das den umstrittenen, 1978 verstorbenen Celler Künstler in ein neues Licht rückt. Das Ergebnis wird unterschiedlich interpretiert.

BILDER »
Weitere Bilder finden Sie in der Bildergalerie

CELLE. Im Vorfeld einer
Erich-Klahn-Ausstellung hat die Klosterkammer jetzt ein Gutachten veröffentlicht, das sich kritisch mit dem Wahl-Celler auseinandersetzt. Zur Auseinandersetzung mit Erich Klahn (1901–1978) lädt auch das Celler Bomann-Museum am Sonntag, 5. Juli, 15 Uhr, ein. Dann wird die Ausstellung „Heil und Unheil – Bilder und Altäre“ eröffnet. Die Schau findet im Museum und in der Stadtkirche statt. Gezeigt werden der noch nie ausgestellte Abendmahls-Altar aus Abbehausen (Nordenham). Weitere Arbeiten des Künstlers, die selten öffentlich gezeigt werden, sind Bestandteil dieser Schau, in der die so genannten „politischen Bilder“ der 1930er Jahre Altären gegenüberstehen, die zwischen 1928 und 1954 entstanden.

Das Gutachten von Professor Thomas Vogtherr vom Historischen Seminar der Universität Osnabrück trägt den Titel „Erich Klahn (1901–1978) – ein völkischer Künstler?“. Vogtherr, der auch Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen ist, meint, dass man das künstlerische Œuvre Klahns nicht von seinen politischen Auffassungen und der Entwicklung seiner Standpunkte ablösen könne. Klahn sei „deutlich geprägt von Vorstellungen der politischen Rechten und des Antiparlamentarismus“, so der Historiker. Er habe sich widerspruchslos von der NS-Kulturpolitik vereinnahmen lassen, „ja sich ihr bewusst“ unterworfen. Klahns Position zur NSDAP und zu Hitler als Person sei hingegen „eher distanziert“ gewesen. Er habe sich aber „bewusst von der NS-Kulturpolitik instrumentalisieren“ lassen.

Typische Argumente der „Selbststilisierung, des Selbstbetruges und der Beschönigung“ zeigten seine nachträglichen Beschreibungen des eigenen Wegs in der Zeit des Nationalsozialismus und seine Intervention für den Kriegsverbrecher Otto Marloh in den Jahren 1945 bis 1949, so der habilitierte Gutachter.

Die Klosterkammer ist Träger der Klahn-Stiftung. Ende März dieses Jahres hatte das Landgericht Hannover die Kündigung der Klosterkammer diese Stiftung betreffend für „unwirksam“ erklärt. Gegen diese Entscheidung hat die Klosterkammer Berufung eingelegt. Das Celler OLG prüft derzeit, ob es sich um eine „Schenkung unter Auflage“ oder einen Treuhandvertrag handelte, was der Stiftung zu Grunde lag. „Für die Klosterkammer ist das Gutachten deshalb von großer Bedeutung, da es uns als weitere Bestätigung dient, sich von dem Künstler Erich Klahn zu trennen und sich damit auch von der ehemaligen Klahn-Stiftung zu lösen. Es liegt uns fern, weiterhin einen Künstler zu unterstützen, der Parlamentarismus und Demokratie verachtet hat“, sagte Klosterkammer-Pressesprecherin Kristina Weidelhofer.

Der Hamburger Klahn-Experte Dietrich Sattler sieht durch das neue Gutachten den Vorwurf, Klahn sei ein „nationalsozialistischer Partei- und Gesinnungstäter“ gewesen, widerlegt. Er habe sich aber „von der NS-Kulturpolitik vereinnahmen lassen“, meint Sattler. Der Anwalt der Klahn-Familie, Peter Raue, betont, dass das Gutachten darauf hinweist, dass Klahn „ein höchst distanziertes Verhältnis“ zu Partei und Führer hatte. Die Klosterkammer habe den Stiftungsvertrag zu einem Zeitpunkt mit der Stifterfamilie geschlossen, zu dem längst klar gewesen sei, wie Klahns politische Haltung war. Daher müsse sie die Stiftungsarbeit fortführen.

Pressemitteilung der Stifter der Klahn-Stiftung

Gutachten Professor Dr. Vogtherr über den Künstler Erich Klahn Für die von uns vertretenen Stifter der Klahn-Stiftung nehmen wir zu dem von der Klosterkammer Hannover in Auftrag gegebenen und jetzt ins Internet gestellten Gutachten „Erich Klahn (1901-1978) – Ein völkischer Künstler? Gutachten zu biografischen Stationen“ des Vorsitzenden der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen e.V., Prof. Dr. Vogtherr, in gebotener Kürze wie folgt Stellung:

1. Die Stifter der Klahn-Stiftung begrüßen es, dass die Klosterkammer Hannover ihre Ankündigung wahrmacht und nun endlich ein historisches Gutachten vorlegt, das den Versuch einer Einordnung des Künstlers Erich Klahn in sein historisches Umfeld unternimmt.

2. Dass Erich Klahn sich vor allem in jungen Jahren von rechtskonservativen und völkischen Ideen hat einnehmen lassen, sich Zeit seines Lebens dem niederdeutschen Sprachraum eng verbunden gefühlt und – wie so viele Künstler seiner Zeit – im nationalsozialistischen System, auch unter Inkaufnahme gewisser Anpassungen, mit seiner Kunst zu überleben versucht hat, ist seit Jahren bekannt. Nichts anderes bestätigt Vogtherr in seinem Gutachten.

3. Soweit Vogtherr mutmaßt, Erich Klahn habe sich bewusst von der NS-Kulturpolitik instrumentalisieren lassen, sich dieser gar unterworfen, ist dies eine erstaunliche Lesart einer Quellenlage, die – auch nach dem Bekunden des Gutachters Vogtherr selbst – äußerst unergiebig ist. Dieser Satz steht in Widerspruch zu den zentralen Erkenntnissen des Gutachters zum höchst distanzierten Verhältnis des Künstlers zur NSDAP und Adolf Hitler. Die Klosterkammer Hannover hat im Zusammenhang mit Erich Klahn immer wieder von einer „uneingeschränkten Bejahung des NS-Regimes“ und einer Mitgliedschaft Erich Klahns in der NSDAP gesprochen. Diese Behauptungen werden durch das Gutachten endgültig und mit der gebotenen Klarheit widerlegt. Vogtherr bestätigt, dass sich Erich Klahn sowohl vor wie nach 1933 von der NSDAP und Adolf Hitler distanziert hat und es keinerlei Anhaltspunkte, geschweige denn einen Nachweis für eine Mitgliedschaft des Künstlers in der 1925 von Hitler gegründeten NSDAP gibt. Dies ist bemerkenswert, bedenkt man, dass Hitler und seine Nationalsozialisten jeden – vor allem Künstler, deren Werk ihnen gefallen hat – zum aktiven Mitwirken in der Partei aufgefordert haben.

4. Nicht nachvollziehbar sind die Feststellungen Vogtherrs zum künstlerischen Oeuvre Erich Klahns. Schon in der Vorbemerkung erklärt der Gutachter, dass er Historiker ist und Äußerungen zum künstlerischen Wert und zur kunsthistorischen Einordnung des klahnschen Oeuvres daher nicht beabsichtige. Angesichts dieses Hinweises auf seine fehlenden Fachkenntnisse steht die sich nur wenige Seiten später anschließende Behauptung, das Werk Erich Klahns könne nicht von seinen politischen Auffassungen und der Entwicklung seiner Standpunkte abgelöst werden, in krassem Widerspruch zu der eingangs erklärten Nicht-Kompetenz in künstlerischen Fragen.

5. Für den Ausgang der Auseinandersetzung um die Kündigung des Treuhandvertrages spielt das Gutachten Vogtherrs keine Rolle. Das Landgericht Hannover hat mit Urteil vom 27. März 2015 (Az. 6 O 145/14) zutreffend festgestellt, dass der Stiftungsvertrag nicht, d.h. unter keinen Umständen, kündbar ist und der Klosterkammer aufgegeben, die Stiftungsarbeit fortzuführen. Daran ist die Klosterkammer (auch weiterhin) nicht gehindert. Bis heute hat die Klosterkammer Hannover nicht zur Kenntnis genommen, dass – um Vogtherr zu zitieren – „Klahn´s Position zu den [rechtsstehenden] Niederdeutschen seit 1986 … bekannt ist“. Der Vertrag zwischen der Klosterkammer Hannover und der Stifterfamilie über die Gründung der Klahn-Stiftung ist 1998 – also in Kenntnis von dessen politischer Haltung – geschlossen worden.

gez. Prof. Dr. Peter Raue

Das Gutachten ist auf der Website der Klosterkammer unter

http://www.klosterkammer.de/html/veroeffentlichungen.html

zu finden.

Andreas Babel Autor: Andreas Babel, am 01.07.2015 um 07:32 Uhr
Druckansicht

LESER-FEEDBACK »
Keine Kommentare vorhanden
WEITERE THEMEN »

Köhler gewinnt Gold - Silber für Koch und Heintz

Kopenhagen (dpa) - Jubelnd streckte Sarah Köhler direkt nach ihrem Gold-Triumph den Zeigefinger in die Luft. Die Freistilschwimmerin gewann in einem packenden Rennen über 800 Meter den ersten deutschen Titel bei der Kurzbahn-EM in Kopenhagen. ...mehr

Last-Minute-Rettung für Regionalliga-Reform

Frankfurt/Main (dpa) - Eine Blamage gerade noch abgewendet, aber die erhoffte Dauerlösung vertagt: Nach stundenlangen Diskussionen haben die Fußball-Funktionäre aus den 21 Landesverbänden ein Scheitern der geplanten Regionalliga-Reform verhindert. ...mehr

Mannsbilder, Fräuleins und Hausgeister in der Congress Union

Sie ist geschwätzig, verleumderisch, respektlos, am Ende eine Außenseiterin – und der Star des Sonntagabends in der Congress Union. Eine Hausgemeinschaft – man könnte sie auch Hausfeindschaft nennen – steht im Mittelpunkt des Lustspiels von Jens Exler. Das Bühnenbild kommt mit einer Kulisse… ...mehr

Sandsäcke als Terror-Sperren auf Celler Weihnachtsmarkt

Unter anderem mit tonnenschweren Sandsäcken will die Stadt Celle Besucher des Weihnachtsmarktes, der morgen um 17 Uhr eröffnet wird, vor terroristischen Angriffen schützen. ...mehr

Steffen Henssler lebt nach dem «Nutze den Tag»-Motto

Hamburg (dpa) - Der TV-Koch Steffen Henssler (45) hat durch den frühen Tod seiner Mutter gezeigt bekommen, wie schnell das Leben vorbei sein kann. ...mehr

G36-Nachfolge: Sig Sauer zieht sich aus Ausschreibung zurück

Berlin/Eckernförde (dpa) - Der Waffenhersteller Sig Sauer sieht sich bei der Ausschreibung für einen Nachfolger des Sturmgewehrs G36 benachteiligt und zieht sich aus dem Vergabeverfahren zurück. Das teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. ...mehr

Säure ausgetreten: Großeinsatz im Winser Gewerbegebiet

Im Winser Gewerbegebiet Taube Bünte hat es gestern einen Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr gegeben. Auf dem Gelände einer niederländischen Firma wurden Gefahrgut-Fässer untersucht, nachdem eine Flüssigkeit ausgetreten war. Was sich in den Fässern genau befand, blieb zunächst unklar. ...mehr

Wildseminar in Altenhagen: Stilsicher vom Aperitif zum Dessert

Mit einem festlich beleuchteten Parcours voller Laub, verheißungsvoll raschelnd, werden die Gäste durch die herbstlich geschmückten Flure der Albrecht-Thaer-Schule (BBS III) vor die Tür zum Lehrrestaurant geleitet. Noch muss man sich ein wenig gedulden – der geheimnisvolle aber köstliche Aperitif… ...mehr

Anzeige
E-PAPER »
14.12.2017

Cellesche Zeitung

Die vollständige Ausgabe der CZ in digitaler Form mit Blätterfunktion.

» Anmelden und E-Paper lesen

» Jetzt neu registrieren

THEMENWELT »
AKTUELLES »

Dahlmeier holt als Sprint-Zweite erstes Podest - Herrmann 5.

Le Grand-Bornand (dpa) - Laura Dahlmeier ist wieder da, wo sie am liebsten ist: auf dem Podium. Zwar…   ...mehr

Roms trauriger Christbaum macht Politik

Rom (dpa) - Emmanuele kurvt mit seinem Taxi um das Kapitol in Rom und kommt aus dem Schimpfen nicht…   ...mehr

Froome: «Keine Regeln gebrochen» - Martin attackiert UCI

Berlin (dpa) - Chris Froome beteuert weiter hartnäckig seine Unschuld, doch nach dem auffälligen Doping-Testergebnis…   ...mehr

Lockerer Auftaktsieg für van Gerwen bei Darts-WM

London (dpa) - Titelverteidiger Michael van Gerwen ist mit einem lockeren Pflichtsieg in die Darts-WM…   ...mehr

Ermittlungen gegen mutmaßliche IS-Mitglieder aus Amri-Umfeld

Berlin/Potsdam (dpa) - Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft ermittelt gegen vier junge Männer, die…   ...mehr

Bayern-Star Lewandowski: An BVB statt Weihnachten denken

München (dpa) - Robert Lewandowski beschäftigte sich nach seinem 166. Treffer nicht groß mit seinem…   ...mehr

Union pocht auf GroKo - SPD ziert sich

Berlin (dpa) - Nach dem ersten Spitzengespräch von Union und SPD pochen führende CDU-Politiker verstärkt…   ...mehr

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Tel Aviv/Washington (dpa) - Inmitten der Jerusalem-Krise hat US-Vizepräsident Mike Pence seinen geplanten…   ...mehr

Bericht: EU-Kommission bereitet Verfahren gegen Polen vor

Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission bereitet sich nach einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» auf…   ...mehr

Druck auf May nach Schlappe im Parlament

London/Brüssel (dpa) - Die Abstimmungsniederlage von Premierministerin Theresa May im britischen Parlament…   ...mehr
SPOT(T) »

Das Problem

Mein Handy klingelt. Auf dem Display leuchtet in großen Buchstaben „Oma… ...mehr

Ostpaket

Ich kann meine ostdeutsche Herkunft nicht verleugnen. Zwar hört man mir den… ...mehr

Mogler

hjvöoxw – diese Buchstaben habe ich beim letzten Scrabble-Abend gezogen.… ...mehr

VIDEOS »
FINDE UNS BEI FACEBOOK »
Datenschutz Kontakt AGB Impressum © Cellesche Zeitung Schweiger & Pick Verlag Pfingsten GmbH & Co. KG